Kinderarmut: Paritätische Studie belegt wach­sende soziale Ungleichheit in Deutschland

Klartext​.NRW – Eine wach­sende soziale Kluft zwi­schen armen und rei­chen Familien belegt eine neue Studie der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbands, für die aktu­elle amt­li­che Daten aus­ge­wer­tet wur­den.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband geht darin der Frage nach, wie viel Geld Familien mit Kindern zur Verfügung haben und was sie für die phy­si­schen und für soziale Grundbedarfe der Teilhabe der Kinder aus­ge­ben.

Im Zehn-​Jahres-​Vergleich ging die ohne­hin breite Schere zwi­schen den Haushaltseinkommen der ärms­ten und der reichs­ten Familien wei­ter aus­ein­an­der, so der Befund. Während der Konsum im Durchschnitt mode­rat und beim obers­ten Zehntel spür­bar zuge­nom­men hat, muss­ten sich die ärme­ren Kinder über die Jahre wei­ter ein­schrän­ken: Arme Familien hat­ten real weni­ger Geld als noch zehn Jahre zuvor zur Verfügung, um ihren Kindern mehr als das phy­sisch Notwendige zu finan­zie­ren.

Arme Kinder wer­den ärmer und immer wei­ter abge­hängt. Das, was für die Mehrheit Gleichaltriger selbst­ver­ständ­lich ist, bleibt ihnen auf Grund der Einkommenssituation ihrer Eltern ver­sagt. Arme Familien haben fak­tisch immer weni­ger im Portemonnaie und gespart wird not­ge­drun­gen an allem, was über das phy­sisch Überlebensnotwendige hin­aus­geht“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. „Während die breite Mehrheit sich immer mehr leis­ten kann, sind arme Kinder zuneh­mend außen vor.

Das Gefühl nicht dazu zu gehö­ren, aus­ge­grenzt zu sein und abseits ste­hen zu müs­sen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland. Frust, Resignation, weni­ger Bildungserfolg und höhere Krankheitsanfälligkeit sind schließ­lich sehr häu­fig die Folgen der Einkommensarmut der Familien“, so Schneider.

Während die durch­schnitt­li­chen Ausgaben für ein Kind bei rund 600 Euro lie­gen, konn­ten sich die ärms­ten zehn Prozent der Paarhaushalte mit einem Kind nur 364 Euro für ihr Kind leis­ten. Die reichs­ten zehn Prozent der Familien gaben im Schnitt 1.200 Euro im Monat für ihr Kind aus. Besonders ekla­tant sind die Differenzen bei den Ausgaben für die sozia­len Grundbedarfe der Teilhabe. Ob Spielzeug, Zoo-​Besuch, das gele­gent­li­che Eis bei einem Ausflug oder auch eine Kindertheatervorstellung: Insgesamt konn­ten die ärms­ten Paarhaushalte mit einem Kind gerade ein­mal 44 Euro pro Monat für Freizeit, Unterhaltung und Kultur sowie außer­häus­li­che Verpflegung ihres Kindes aus­ge­ben und damit – preis­be­rei­nigt – fast 30 Prozent weni­ger als zehn Jahre zuvor. Der Durchschnitt gab für ein Kind fast drei Mal so viel (123 Euro) aus, die reichs­ten zehn Prozent dage­gen sogar 257 Euro und damit fast sechs Mal so viel wie die ärms­ten Familien und preis­be­rei­nigt sogar 14,7 Prozent mehr als zehn Jahre vor­her.

Ein gleich­be­rech­tig­tes Aufwachsen ist für die Kinder in den ein­kom­mens­ar­men Haushalten nicht mög­lich. Die wach­sende Schere zwi­schen Arm und Reich mani­fes­tiert sich am Ende im sozia­len Ausschluss der Kinder“, so Mit-​Autor der Studie Andreas Aust von der Paritätischen Forschungsstelle.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband for­dert, das Bildungs- und Teilhabepaket zu erset­zen durch einen Rechtsanspruch auf Teilhabe im Kinder- und Jugendhilfegesetz. Darüber hin­aus müsse der Familienlastenausgleich „vom Kopf auf die Füße gestellt“ wer­den: Der Verband plä­diert für die Einführung einer einkommens- und bedarfs­ori­en­tier­ten Kindergrundsicherung.

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