Neuss: Eröffnung des Epanchoirs – Bürgerschaft eingeladen

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Mit der Rekonstruktion der napo­leo­ni­schen Wasserkreuzung ist ein impo­san­tes Bauwerk ent­stan­den, des­sen Wiederherstellung die Stadt Neuss nun feiert.

Zur Eröffnung des Epanchoirs laden Bürgermeister Reiner Breuer und Christoph Napp-​Saarbourg, Vorsitzender der Freunde und Förderer des his­to­ri­schen Nordkanals in Neuss, alle Bürgerinnen und Bürger am Freitag, 28. April 2017, 13 Uhr, zur Nordkanalallee/​Selikumerstraße herz­lich ein.

Feierlich ent­hüllt wird an die­sem Tage auch der Info-​Point, der anschau­lich die Funktion des tech­ni­schen Bauwerks erläu­tert und die Geschichte die­ses außer­ge­wöhn­li­chen napo­leo­ni­schen Bauvorhabens im Rheinland erzählt.

Mit ver­ein­ten Kräften tru­gen Stadt, Stadtwerke Neuss und alle Beteiligten dazu bei, dass Neuss um eine Attraktion rei­cher ist. Pünktlich zum 200jährigen Jubiläum der Einweihung des Epanchoirs im Jahr 2009 gewan­nen die Planungen zur Sanierung und Sichtbarmachung des Bauwerks an Fahrt. Nach umfang­rei­chen pla­ne­ri­schen Arbeiten konnte 2015 mit den ers­ten bau­li­chen Maßnahmen begon­nen werden.

Zunächst erfolg­ten Rodungsarbeiten und die Verlegung einer que­ren­den Wassertransportleitung. Im Spätherbst 2014 begann die Freilegung der vor­han­de­nen Originalsubstanz des Baudenkmals. Die Restaurierungsarbeiten des Wasserkreuzungsbauwerkes star­te­ten im Herbst 2015 und wur­den im Juli 2016 abge­schlos­sen. Insbesondere wur­den dabei die Böschungskegel auf­wen­dig aus Naturstein saniert.

Insgesamt wur­den rund 2.200 Kubikmeter Bodenaushub für das Becken des Epanchoir aus­ge­ho­ben. Zur Begrenzung des Nordkanalprofils wur­den circa 60 Tonnen Spundwandprofil ein­ge­baut. Für die Instandsetzung und Ergänzung der Böschungskegel wur­den rund 22 Kubikmeter Naturstein „Mendiger Basalt“ ange­fer­tigt und ver­setzt. Zudem wur­den rund sie­ben Kubikmeter Ziegelmauerwerk aus­ge­wech­selt bezie­hungs­weise ergänzt und rund 1.100 Quadratmeter Lehmabdichtung im Bereich der Sohle und der Böschungen auf­ge­bracht. Der Bohlenbelag des Steges für das Wehr wurde eben­falls erneuert.

Das napo­leo­ni­sche Wasserkreuzungsbauwerk im Zuge des Nordkanals ist ein Paradebeispiel fran­zö­si­scher Ingenieurbaukunst des 19. Jahrhunderts. 1804 erteilte Napoleon den Befehl, eine künst­li­che Wasserstraße zwi­schen dem Rhein beim damals beim damals fran­zö­si­schen Neuss über die Maas bis zum Hafen an der Schelde bei Antwerpen zu bauen. 160 Kilometer lang sollte das Bauwerk wer­den und eine Breite von 22 Metern auf­wei­sen. An bei­den Ufern ver­lie­fen Treidelpfade und meh­rere Schleusen soll­ten dafür sor­gen, dass der Höhenunterschied zwi­schen Rhein und Maas über­wun­den wurde.

Der ambi­tio­nierte Bau wurde mit größ­ter Intensität vor­an­ge­trie­ben, bis sich 1810 ganz plötz­lich die poli­ti­schen Rahmenbedingungen änder­ten. Das Epanchoir ver­lor seine Funktion. Zwar wurde der Kanal rund 20 Jahre spä­ter mit einem deut­lich ver­klei­ner­ten Querschnitt für ein knap­pes Vierteljahrhundert als Wasserstraße vor allem zum Kohlentransport genutzt, doch fiel das Bauwerk danach in einen tie­fen Dornröschenschlaf.

In Neuss erin­nerte Otto Saarbourg im Jahr 2005 an das his­to­ri­sche Erbe an der Nordkanalallee. In Teilen war das Epanchoir noch sicht­bar, in Teilen jedoch über­baut. Es waren die Neusser Heimatfreunde um Christoph Napp-​Saarbourg und Klaus Karl Kaster, die anreg­ten, das Wasserkreuzungsbauwerk wei­test­mög­lich zu rekonstruieren.

Der Stadtrat folgte der Idee und stellte die not­wen­di­gen finan­zi­el­len Mittel sicher. Der Förderverein bemühte sich im Gegenzug um Spender und Sponsoren, um die finan­zi­elle Belastung durch die Gesamtbausumme in Höhe von 1,3 Millionen Euro zu verringern.

Zahlreiche Spender und Sponsoren, unter ande­rem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die NRW-​Stiftung, der Landschaftsverband Rheinland und der Rhein Kreis Neuss betei­lig­ten sich an dem Projekt. Heute zeigt sich das Bauwerk in sei­ner his­to­ri­schen Breite von 22 mal 45 Metern und gilt als größ­tes tech­ni­sches Bodendenkmal am Niederrhein.

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