Neuss: Kostenloses Unterstützungsangebot für Eltern, Lehrer und Erzieher von Kindern mit ADHS-Symptomen

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – NEFTA ist ein neues Gruppenprogramm mit Informationen, Gesprächen und prak­ti­schen Übungen für Eltern und betreu­ende Fachkräfte (Lehrer, Erzieher, OGS-​Betreuer) von Kindern mit ADHS-​Symptomen im Alter von fünf bis zehn Jahren (Vorschulalter bis ein­schließ­lich vierte Klasse).

Neus­ser Eltern-Fach­kräfte-Trai­ning ADHS (NEFTA)

In Grup­pen von höchs­tens 15 Personen geht es ein­mal pro Woche vor allem um das Wohlbefinden und die Gefühle aller Beteiligten. Bei Bedarf steht den Teilnehmern wäh­rend der Gruppensitzun­gen eine Kinderbetreuung zur Verfügung. Die NEFTA-​Sitzun­gen wer­den von einem Gruppenleiter-​Paar von Schulpsycho­lo­gen und Schulsozialarbeiter geleitet.

Das NEFTA-​Eltern-​Angebot beginnt im Oktober 2014 und um­fasst 15 Sitzungen in Neuss. Diese sind für die Teilnehmer kos­ten­los und wer­den wohn­ort­nah ange­bo­ten. Ab sofort kön­nen sich inter­es­sierte Eltern aus Neuss mit Kindern zwi­schen fünf und zehn Jahren für eine Teilnahme am NEFTA-​Programm mel­den. Eine Kinder­be­treuung wäh­rend der Gruppensitzungen ist mög­lich. Das An­ge­bot soll die Eltern unter­stüt­zen und sie ent­las­ten. Gleichzeitig wer­den Anregungen für eine gute Bezie­hung zwi­schen Eltern, Kind und päd­ago­gi­schen Bezugsperso­nen gegeben.

Das NEFTA-​Fachkräfte-​Angebot rich­tet sich an päd­ago­gi­sche Fachkräfte wie Lehrer, Erzieher oder OGS-​Betreuer. Diese wer­den in fünf Sitzungen in Neuss in die­sem NEFTA-​Training geschult. Die Teilnahme an den Sitzungen wird über die Kitas und Grundschulen organisiert.

NEFTA wird von der Heinrich-​Heine-​Universität Düsseldorf wis­senschaftlich beglei­tet. Damit soll die Wirksamkeit des Pro­gramms unter­sucht werden.

Nachdem im Mai bereits die Gruppenleiterinnen und Gruppen­leiter geschult wur­den, kön­nen jetzt an einer Teilnahme am NEFTA-​Programm inter­es­sierte Eltern Unterlagen zur Anmel­dung anfor­dern. Informationen zu NEFTA gibt es auch in den teil­neh­men­den Grundschulen und Kitas. Ansprechpartnerin im Jugendamt der Stadt Neuss ist Mirjam Stickel. Sie ist telefo­nisch unter der Rufnummer 02131–905310 oder per Mail unter info@ADHS-Neuss.de erreich­bar. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www​.adhs​-neuss​.de. Von der Universität Düsseldorf ste­hen Dr. Stefan Belles oder Christiane Straß als Ansprechpartner unter den Rufnummern 0211–8117157 und 8116211 oder per Email unter stefan.belles@med.uni-duesseldorf.de und christiane.strass@med.uni-duesseldorf.de zur Verfügung.

Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-​/​Hyperaktivitätsstö­rung) haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit aufrechtzu­halten und zu fokus­sie­ren. Sie kön­nen ihre Impulse nicht gut kon­trol­lie­ren und haben einen stän­di­gen Drang sich zu bewe­gen. Nach einer Studie des Robert-​Koch-​Instituts haben in Deutschland etwa 4,8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen ADHS. Im Vorschulalter liegt der Anteil bei 1,5 Prozent, im Grundschulalter steigt er bereits auf 5,3 Prozent und erreicht im Alter von 11 bis 13 Jahren schließ­lich mit einem Anteil von 7,1 Prozent den höchs­ten Stand des Auftretens. Die genann­ten zen­tra­len Kennzeichen von ADHS füh­ren zu ver­mehr­ten Kon­flikten und gro­ßen emo­tio­na­len Belastungen in der Familie so­wie schu­li­schen Problemen. Eltern von Kindern mit ADHS erle­ben beson­ders die Interaktion mit ihrem Kind als pro­ble­ma­tisch und belas­tend. Das führt zu einer deut­li­chen Beeinträchtigung ihres psy­chi­schen Wohlbefindens und der Beziehungsqualität, auch auf der Paarebene. Untersuchungen zei­gen, dass Kinder mit ADHS häu­fig eine unsi­chere Bindung zu ihren Eltern haben und dass Kinder mit einer unsi­che­ren Bindung ver­mehrt ADHS-​Symptome zei­gen. Kinder mit ADHS haben außer­dem ein er­höhtes Risiko für Sprachentwicklungsstörungen, Lese-​/​Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche sowie für Stö­rungen des Sozialverhaltens und affek­tive Störungen (depres­sive oder mani­sche Störungen). Diese Risiken im Kindesalter set­zen sich fort und sind die Grundlage für ein erhöh­tes Risiko für eine Vielzahl ernst­haf­ter psy­chi­scher Erkrankungen im Ju­gend- und Erwachsenenalter. Untersuchungen zei­gen zum Bei­spiel, dass das sehr frühe Auftreten von ADHS-​Symptomen (im Alter zwi­schen vier und sechs Jahren) mit der Entwicklung schwe­rer Depressionen und einem erhöh­ten Suizidrisiko im Ju­gendalter in Verbindung steht.

Die öko­no­mi­schen und psy­cho­so­zia­len Belastungen durch ADHS sind enorm. Die direk­ten Kosten für die gesetz­li­che Krankenversicherung, die durch die ADHS-​Behandlung entste­hen, wur­den für das Jahr 2003 auf rund 260 Millionen EUR ge­schätzt. Bisher ange­wandte Behandlungsansätze kon­zen­trie­ren sich über­wie­gend auf Medikation etwa mit Metylphenidat, wie Ritalin und eine Verbesserung der ADHS-​Symptome durch ver­haltenstherapeutische Maßnahmen. NEFTA ist das erste Pro­gramm, das die Beziehung zwi­schen Eltern und Kind und zwi­schen den päd­ago­gi­schen Fachkräften und dem Kind in den Vordergrund stellt. Eltern und päd­ago­gi­sche Fachkräfte wer­den durch NEFTA darin unter­stützt, als Bezugspersonen die Ge­fühle des Kindes bes­ser wahr­zu­neh­men und fein­füh­lig dar­auf reagie­ren zu kön­nen. Durch prak­ti­sche Übungen wer­den sie dazu ange­regt, sich in die Lage des Kindes zu ver­set­zen und sich ein­zu­füh­len. Dadurch kön­nen sie ein Verständnis dafür ent­wi­ckeln, dass das gezeigte Verhalten des Kindes auch ein Ruf nach emo­tio­na­ler Unterstützung durch die Bezugspersonen sein kann. NEFTA setzt bereits im Vor- und Grundschulalter an, um der Zuspitzung der Symptome und Belastungen vorbeu­gend entgegenzuwirken.

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