Neuss: Kostenloses Unterstützungsangebot für Eltern, Lehrer und Erzieher von Kindern mit ADHS-​Symptomen

Neuss – NEFTA ist ein neues Gruppenprogramm mit Informationen, Gesprächen und praktischen Übungen für Eltern und betreuende Fachkräfte (Lehrer, Erzieher, OGS-Betreuer) von Kindern mit ADHS-Symptomen im Alter von fünf bis zehn Jahren (Vorschulalter bis einschließlich vierte Klasse).

Neusser Eltern-Fachkräfte-Training ADHS (NEFTA)

In Grup­pen von höchstens 15 Personen geht es einmal pro Woche vor allem um das Wohlbefinden und die Gefühle aller Beteiligten. Bei Bedarf steht den Teilnehmern während der Gruppensitzun­gen eine Kinderbetreuung zur Verfügung. Die NEFTA-Sitzun­gen werden von einem Gruppenleiter-Paar von Schulpsycho­lo­gen und Schulsozialarbeiter geleitet.

Das NEFTA-Eltern-Angebot beginnt im Oktober 2014 und um­fasst 15 Sitzungen in Neuss. Diese sind für die Teilnehmer kostenlos und werden wohnortnah angeboten. Ab sofort kön­nen sich interessierte Eltern aus Neuss mit Kindern zwischen fünf und zehn Jahren für eine Teilnahme am NEFTA-Programm melden. Eine Kinder­be­treuung während der Gruppensitzungen ist möglich. Das An­ge­bot soll die Eltern unterstützen und sie entlasten. Gleichzeitig werden Anregungen für eine gute Bezie­hung zwischen Eltern, Kind und pädagogischen Bezugsperso­nen gegeben.

Das NEFTA-Fachkräfte-Angebot richtet sich an pädagogische Fachkräfte wie Lehrer, Erzieher oder OGS-Betreuer. Diese werden in fünf Sitzungen in Neuss in diesem NEFTA-Training geschult. Die Teilnahme an den Sitzungen wird über die Kitas und Grundschulen organisiert.

NEFTA wird von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wis­senschaftlich begleitet. Damit soll die Wirksamkeit des Pro­gramms untersucht werden.

Nachdem im Mai bereits die Gruppenleiterinnen und Gruppen­leiter geschult wurden, können jetzt an einer Teilnahme am NEFTA-Programm interessierte Eltern Unterlagen zur Anmel­dung anfordern. Informationen zu NEFTA gibt es auch in den teilnehmenden Grundschulen und Kitas. Ansprechpartnerin im Jugendamt der Stadt Neuss ist Mirjam Stickel. Sie ist telefo­nisch unter der Rufnummer      02131-905310 oder per Mail unter info@ADHS-Neuss.de erreichbar. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.adhs-neuss.de. Von der Universität Düsseldorf stehen Dr. Stefan Belles oder Christiane Straß als Ansprechpartner unter den Rufnummern 0211–8117157 und 8116211 oder per Email unter stefan.belles@med.uni-duesseldorf.de und christiane.strass@med.uni-duesseldorf.de zur Verfügung.

Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstö­rung) haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit aufrechtzu­halten und zu fokussieren. Sie können ihre Impulse nicht gut kontrollieren und haben einen ständigen Drang sich zu bewe­gen. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts haben in Deutschland etwa 4,8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen ADHS. Im Vorschulalter liegt der Anteil bei 1,5 Prozent, im Grundschulalter steigt er bereits auf 5,3 Prozent und erreicht im Alter von 11 bis 13 Jahren schließlich mit einem Anteil von 7,1 Prozent den höchsten Stand des Auftretens. Die genannten zentralen Kennzeichen von ADHS führen zu vermehrten Kon­flikten und großen emotionalen Belastungen in der Familie so­wie schulischen Problemen. Eltern von Kindern mit ADHS erle­ben besonders die Interaktion mit ihrem Kind als problematisch und belastend. Das führt zu einer deutlichen Beeinträchtigung ihres psychischen Wohlbefindens und der Beziehungsqualität, auch auf der Paarebene. Untersuchungen zeigen, dass Kinder mit ADHS häufig eine unsichere Bindung zu ihren Eltern haben und dass Kinder mit einer unsicheren Bindung vermehrt ADHS-Symptome zeigen. Kinder mit ADHS haben außerdem ein er­höhtes Risiko für Sprachentwicklungsstörungen, Lese-/Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche sowie für Stö­rungen des Sozialverhaltens und affektive Störungen (depres­sive oder manische Störungen). Diese Risiken im Kindesalter setzen sich fort und sind die Grundlage für ein erhöhtes Risiko für eine Vielzahl ernsthafter psychischer Erkrankungen im Ju­gend- und Erwachsenenalter. Untersuchungen zeigen zum Bei­spiel, dass das sehr frühe Auftreten von ADHS-Symptomen (im Alter zwischen vier und sechs Jahren) mit der Entwicklung schwerer Depressionen und einem erhöhten Suizidrisiko im Ju­gendalter in Verbindung steht.

Die ökonomischen und psychosozialen Belastungen durch ADHS sind enorm. Die direkten Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung, die durch die ADHS-Behandlung entste­hen, wurden für das Jahr 2003 auf rund 260 Millionen EUR ge­schätzt. Bisher angewandte Behandlungsansätze konzentrieren sich überwiegend auf Medikation etwa mit Metylphenidat, wie Ritalin und eine Verbesserung der ADHS-Symptome durch ver­haltenstherapeutische Maßnahmen. NEFTA ist das erste Pro­gramm, das die Beziehung zwischen Eltern und Kind und zwi­schen den pädagogischen Fachkräften und dem Kind in den Vordergrund stellt. Eltern und pädagogische Fachkräfte werden durch NEFTA darin unterstützt, als Bezugspersonen die Ge­fühle des Kindes besser wahrzunehmen und feinfühlig darauf reagieren zu können. Durch praktische Übungen werden sie dazu angeregt, sich in die Lage des Kindes zu versetzen und sich einzufühlen. Dadurch können sie ein Verständnis dafür entwickeln, dass das gezeigte Verhalten des Kindes auch ein Ruf nach emotionaler Unterstützung durch die Bezugspersonen sein kann. NEFTA setzt bereits im Vor- und Grundschulalter an, um der Zuspitzung der Symptome und Belastungen vorbeu­gend entgegenzuwirken.

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