Dormagen: Freie Formen des Jugendstrafvollzugs am Ende?

Düsseldorf/ Dormagen – (Landtag NRW) Nach schwerwiegenden Regelverstößen hat Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) das im Dormagener Raphaelshaus laufende Modellprojekt zum freien Vollzug für straffällige Jugendliche gestoppt.

In der Einrichtung eines freien Trägers haben dort zuletzt fünf jugendliche Straftäter ihre Strafe unter intensiver sozialpädagogischer Betreuung in einer sogenannten freien Form anstelle einer Haftstrafe in einer Justizvollzugsanstalt verbüßt. Im Rechtsausschuss des Landtags begründete der Minister heute seine Entscheidung der fristlosen Aufkündigung des Projekts.

Einem von sieben Mitarbeitern im Modellprojekt im Raphaelshaus werden erhebliche Pflichtverletzungen vorgeworfen. Er soll - teils minderjährigen - Jugendlichen einen Bordellbesuch ermöglicht, in der Silvesternacht die Jugendlichen erst gegen vier Uhr morgens stark alkoholisiert zurückgebracht, ihnen Geld geliehen und sie mit seinem eigenen Mobiltelefon Privatgespräche geführt haben lassen. Um nicht aufzufallen, habe er Dokumentationen gefälscht.

Nun seien vier der fünf betroffenen Jugendlichen wieder zur regulären Haftstrafe in die Jugendstrafvollzugsanstalt in Wuppertal-Ronsdorf zurückgebracht worden - einer jedoch habe kurz zuvor bei einem Gespräch über die Vorfälle aus dem Raphaelshaus kurz vor Rückführung in die JVA fliehen können. Angeblich seien die Jugendlichen bezüglich des anstehenden Gesprächs aus informierten Kreisen gewarnt worden. In diesem Zusammenhang habe der Geflüchtete seine Fluchtpläne bekanntgemacht. Dies sei auch an einen Mitarbeiter im Raphaelshaus weitergegeben worden, von dort aber nicht an andere Justizvollzugsbeamten. Sonst wären weitergehende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, erklärte der Minister. Der Straftäter wurde bisher nicht gefasst.

>>weiter lesen

(1 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)