Neue Leitindikatoren zur Bewertung des Coronavirus-Infektionsgeschehens

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Robert Schilken, Herausgeber



Die (neuen) drei Leitindikatoren sind:

1. Leitindikator: 7‑Tage-​Hospitalisierung

Die Zahl misst, wie viele infi­zierte Personen pro 100.000 Einwohner inner­halb der letz­ten sie­ben Tage ins Krankenhaus auf­ge­nom­men wur­den. Sie ist damit ein Indikator für die Zahl der schwe­ren Krankheitsverläufe und kann einen frü­hen Hinweis auf eine dro­hende Überlastung des Gesundheits- und Krankenhaussystems geben.

Für den Hospitalisierungsindikator wer­den in Nordrhein-​Westfalen zwei Werte ausgewiesen:

Erstens der anhand der Vorgaben des RKIs berech­nete Wert. Dieser beruht auf den Meldungen der Gesundheitsämter, die den bereits von ihnen gemel­de­ten Infektionsfällen nach­träg­lich die nament­li­chen Einweisungsmeldungen aus den Krankenhäusern zuord­nen. Dieser Wert ist vor allem bedeut­sam, weil er bun­des­weit ein­heit­lich errech­net wird und damit eine bun­des­ein­heit­li­che Bewertung des Infektionsgeschehens ermög­licht. Allerdings erfor­dert der Wert eine Einzelfallbearbeitung jedes Infektionsfalles durch die Gesundheitsämter, die gerade in der aktu­el­len Belastungssituation manch­mal erst nach eini­gen Arbeitstagen abge­schlos­sen ist.

Um zusätz­lich einen aktu­el­le­ren Hinweis auf die Hospitalisierungen zu ermög­li­chen, wird zwei­tens zusätz­lich der Hospitalisierungsindikator aus­ge­wie­sen, der sich unmit­tel­bar aus den täg­li­chen (nicht nament­li­chen) Gesamtmeldungen der Krankenhäuser über die Aufnahme von Covid-​19-​Patienten im Informationssystem Gefahrenabwehr NRW (IG NRW) ergibt. Dieser Wert ermög­licht eine sehr aktu­elle Einschätzung, weicht aber natur­ge­mäß von dem RKI-​basierten Wert ab und wird am glei­chen Meldetag jeden­falls in Perioden eines anstei­gen­den Infektionsgeschehens in der Regel höher liegen.

2. Leitindikator: COVID-​Anteil an der Intensivkapazität

Dieser Indikator bil­det die Belastung der Intensivstationen ab und steht damit unmit­tel­bar für das Risiko einer Überlastung die­ser medi­zi­ni­schen Versorgungsstrukturen.

Der Anteil, mit dem Covid-​19-​Patientinnen und ‑Patienten die inten­siv­me­di­zi­ni­schen Behandlungskapazitäten aus­las­ten, wird durch die Zahl der neu auf­ge­nom­me­nen Patienten bestimmt, sie ist aber auch abhän­gig von der Dauer der not­wen­di­gen Hospitalisierung (Liegezeit) und der (per­so­nel­len) Aufwände bei der Behandlung.

Anhand des Grades der Auslastung der Intensivstationen kön­nen Schutzmaßnahmen vor allem so aus­ge­rich­tet wer­den, dass andere erfor­der­li­che medi­zi­ni­sche Behandlungen (schwere Operationen etc.) nicht auf­grund einer Überlastung der Bettenkapazitäten ver­scho­ben wer­den müssen.

Die Berechnung erfolgt auf Basis der Daten aus dem Register der Fachgesellschaft der Intensivmediziner (DIVI) als Prozentanteil der Covid-​19-​Patienten auf den Intensivstationen an den betreib­ba­ren Erwachsenen-​Intensivbetten. Auch hier ist durch den Rückgriff auf das DIVI-​Register eine Vergleichbarkeit mit den Bundeswerten gegeben.

3. Leitindikator: 7‑Tage-​Inzidenz

Auch die bereits bekannte 7‑Tage-​Inzidenz der Neuinfektionen bleibt ein wich­ti­ger Indikator.

Steigt die­ser Wert, bedeu­tet das, dass sich die Infektion schnel­ler und brei­ter in der Bevölkerung aus­brei­tet. Insbesondere die alters­be­zo­ge­nen Inzidenzen sind nach wie vor ein guter Maßstab dafür, in wel­chem Ausmaß vul­nerable Bevölkerungsgruppen betrof­fen sind. Anhand der Inzidenz kann die Wirksamkeit von Corona-​Schutzmaßnahmen rela­tiv zeit­nah abge­le­sen werden.

Zudem bleibt die 7‑Tage-​Inzidenz ein guter Indikator dafür, in wel­chem Maß eine Kontaktpersonennachverfolgung noch mög­lich ist. Die 7‑Tage-​Inzidenz ist dar­über hin­aus ein wich­ti­ger Frühindikator für das Geschehen in den Krankenhäusern.

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