Europatag des Kreises beleuch­tete Strukturwandel und Klimaschutz

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Der Europatag 2021 des Rhein-​Kreises Neuss hat wegen der Corona-​Pandemie im Internet statt­ge­fun­den und stand unter dem Leitwort „Nachhaltige Zukunft im Rhein-​Kreis Neuss: 

Wie kann der European Green Deal die Umsetzung des Strukturwandels unter­stüt­zen?” Landrat Hans-​Jürgen Petrauschke begrüßte zu der Veranstaltung, die ganz im Zeichen der Umsetzung des European Green Deals, der Möglichkeiten des EU-​Klimapakts und von Zukunftsprojekten in der hei­mi­schen Region stand.

Bis 2050 will Europa zum ers­ten kli­ma­neu­tra­len Kontinent wer­den. Der dem zugrunde lie­gende Green Deal zielt auch auf Wachstumsstrategien für eine Ressourcen effi­zi­en­tere und dau­er­haft wett­be­werbs­fä­hige Wirtschaft. „Mit dem gesetz­lich fest­ge­leg­ten Ausstieg aus der Kohleverstromung leis­tet das Rheinische Revier einen wesent­li­chen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität und trägt damit auch zu den Zielen der Europäischen Union bei, mit dem euro­päi­schen Green Deal glo­ba­ler Vorreiter beim Klima- und Ressourcenschutz zu wer­den“, sagte Petrauschke.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, so Petrauschke, habe nun in Deutschland eine wei­tere Konkretisierung der Reduktionsziele nach 2030 ver­langt und for­dere alle Ebenen auf, die Zielmarken neu zu defi­nie­ren. Er sei jedoch – wie die Europäische Kommission – opti­mis­tisch, dass Klimaschutz und Wachstum keine Gegensätze bil­de­ten, und betonte, wie wich­tig in die­sem Zusammenhang der Gründergeist sei: „Als Landrat des euro­pa­ak­ti­ven Rhein-​Kreises Neuss freue ich mich auf viele gute und neue Ideen, um neben dem Bestandserhalt auch neue Unternehmen anzu­sie­deln und neue Arbeitsplätze zu schaf­fen.“ Die Voraussetzungen dafür seien im Rheinischen Braunkohlenrevier jeden­falls gut.

Jochen Pöttgen, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn, stellte eben­falls her­aus, dass der nach­hal­tige Wandel nicht nur die Umwelt schüt­zen, son­dern auch neue Industriebereiche und damit neue Arbeitsplätze schaf­fen könne. In 31 Regionen in elf EU-​Mitgliedstaaten wür­den heute noch fos­sile Brennstoffe abge­baut. Als Unterstützungsinstrument sei des­halb 2017 die Initiative für kohle- und koh­len­stoff­in­ten­sive Übergangsregionen ins Leben geru­fen – im Mai 2020 folgte der Mechanismus für einen gerech­ten Übergang, der für den Zeitraum bis 2027 min­des­tens 100 Milliarden Euro für betrof­fene Regionen zur Verfügung stellt. Damit sol­len sozio-​ökonomischen Auswirkungen abge­fe­dert wer­den, z.B. durch die finan­zi­elle Unterstützung von Unternehmen und Arbeitnehmern.

Die Frage, wie in Deutschland die Klimawende gelin­gen kann, so Professor Manfred Fischedick, wis­sen­schaft­li­cher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Energie, Umwelt, habe sein Institut im ver­gan­ge­nen Jahr gemein­sam mit Prognos genauer unter­sucht und dafür drei not­wen­dige Schritte iden­ti­fi­ziert: Den vehe­men­ten Ausbau von erneu­er­ba­ren Energien, den Ausbau von Elektromobilität sowie Gebäudesanierungen und den CO2-​neutralen Neubau.

Kreisdirektor Dirk Brügge stellte in sei­nem Vortrag meh­rere inno­va­tive Zukunftsprojekte des Rhein-​Kreises Neuss und des Rheinischen Reviers vor, die die mit dem European Green Deal ver­bun­de­nen Ziele bereits ange­gan­gen seien. Mit dem Projekt „ALU-​Valley 4.0 Rheinisches Revier“ wolle der Rhein-​Kreis Neuss gemein­sam mit der Industrie ein Engineering Lab und ein Innovationszentrum Aluminium und Kreislaufwirtschaft auf­bauen: Die 1. Phase des Netzwerkaufbaus mit allen wich­ti­gen Akteuren aus Wirtschaft und Industrie sowie der Forschungs- und Wirtschaftsinstitutionen sei erfolg­reich abge­schlos­sen. Für die 2. Phase sei ein Förderantrag für eine Machbarkeitsstudie gestellt wor­den. Eine Förderentscheidung werde in Kürze erwartet.

Im Rahmen des Projekts „Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft (Hydro´s LOOP)“ gehe es um die Umstellung von Primär- auf Sekundäraluminium mit dem Ziel des gerin­ge­ren Ressourcenverbrauches. Auch das Thema Wasserstoff sei im Rhein-​Kreis Neuss und in der Region schon weit vor­an­ge­kom­men. Mit der „Kompetenzregion Wasserstoff Düssel.Rhein.Wupper“ wurde mit den benach­bar­ten Städten, Kreisen und dem Unternehmen Air Liquide der Wettbewerb des Landes NRW als „Modellregion Wasserstoffmobilität NRW“ gewon­nen. Im „Wasserstoff-​Hub Rhein-​Kreis Neuss/​Rheinland e.V.“ wer­den öffent­li­che und pri­vate Kräfte gebün­delt; der Verein wurde Ende 2020 gegrün­det. Hauptziel sei, den Rhein-​Kreis Neuss und das Rheinland als bedeu­ten­den Standort für die Wasserstoffindustrie zu etablieren.

Weitere Anknüpfungspunkte im Rhein-​Kreis Neuss seien unter ande­rem das Projekt HECTOR im Chempark Dormagen mit der welt­weit größ­ten Anlage zur Speicherung von grü­nem Wasserstoff, die Erarbeitung einer „Wasserstoff-​Roadmap“, das Projekt Global Entrepreneurship Centre (GEC) for sus­tainable Chemistry und ein Launch Center für die Lebensmittelindustrie (LCL), des­sen Ziel die Herstellung von Lebensmitteln aus pflanz­li­chen (Vor-)Produkten ist.

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