38 Prozent aller Neueinstellungen im Rhein-​Kreis Neuss befristet

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Wenn der Job zur Zitterpartie wird: Infolge der Corona-​Pandemie tra­gen Beschäftigte, die im Rhein-​Kreis Neuss einen befris­te­ten Arbeitsvertrag haben, ein beson­ders hohes Risiko, ihre Stelle zu verlieren. 

Davor warnt die IG BAU. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten 38 Prozent aller Neueinstellungen im Kreis ein Verfallsdatum. Von rund 7.700 Arbeitsverträgen, die im zwei­ten Quartal neu abge­schlos­sen wur­den, waren etwa 2.900 befris­tet, so die Gewerkschaft unter Verweis auf eine aktu­elle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Zahlen zei­gen, dass auf dem hei­mi­schen Arbeitsmarkt etwas aus dem Ruder gelau­fen ist. In der Corona-​Krise kön­nen Befristungen für die Betroffenen leicht zur Falle wer­den, wenn Unternehmen sol­che Stellen nicht mehr ver­län­gern“, sagt Uwe Orlob, Bezirksvorsitzender der IG BAU Düsseldorf.

Nach Beobachtung des Gewerkschafters sind befris­tete Stellen in Branchen wie der Gebäudereinigung und der Landwirtschaft stark ver­brei­tet. Junge Beschäftigte seien beson­ders häu­fig betrof­fen. „Wer als Berufseinsteiger eine Wohnung fin­den oder einen Kredit auf­neh­men will, der hat mit einem befris­te­ten Vertrag schlechte Karten. Wegen der Unsicherheit muss manch­mal sogar der Wunsch nach eige­nen Kindern ver­tagt wer­den“, kri­ti­siert Orlob.

Die IG BAU for­dert die Bundesregierung dazu auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzu­set­zen und Befristungen ohne einen soge­nann­ten Sachgrund ein­zu­däm­men. Als Sachgründe gel­ten etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine Probezeit.

Ein aktu­el­ler Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht vor, dass sach­grund­lose Befristungen künf­tig nur maxi­mal 18 anstatt bis­her 24 Monate andau­ern und in die­sem Zeitraum nur noch ein­mal statt wie bis­her drei­mal ver­län­gert wer­den dür­fen. In Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten sol­len sol­che Verträge auf höchs­tens 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden.

Bisher stand die Union bei die­sem Vorhaben auf der Bremse. Aber das Gesetz ist über­fäl­lig – und es blei­ben nur noch wenige Wochen, um es in die­ser Legislaturperiode durch den Bundestag zu brin­gen“, betont Gewerkschafter Orlob. Die Pandemie habe gezeigt, dass neben den kaum abge­si­cher­ten Minijobs und Leiharbeitsverhältnissen auch Befristungen alles andere als kri­sen­fest seien.

Nach Angaben des WSI waren im zwei­ten Quartal ver­gan­ge­nen Jahres im bun­des­wei­ten Durchschnitt gut 39 Prozent aller Neueinstellungen befris­tet. In der Altersgruppe bis 25 Jahren hat­ten knapp 51 Prozent aller neu abge­schlos­se­nen Verträge ein Ablaufdatum (Azubis nicht mit­ge­rech­net). Frauen sind häu­fi­ger von Befristungen betrof­fen als Männer, auch ein Migrationshintergrund wirkt sich nega­tiv aus, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den befris­tete Verträge laut IAB sel­te­ner ver­län­gert, die Personalabgänge nach Befristungsende stie­gen an und die Zahl der Übernahmen in unbe­fris­tete Beschäftigung sank deutlich.

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