Archäologisches Fenster“ – Einblicke in die Vergangenheit

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Robert Schilken, Herausgeber



Rommerskirchen – Wer in Rommerskirchen einen Spaten in den Boden steckt, kann sicher sein, dass archäologische Funde nicht lange auf sich warten lassen.

Das geflügelte Wort von Manfred Hundt, dem Beauftragten der Gemeinde für die Bodendenkmalpflege, hat sich 2014 bis 2017 auch im damaligen Baugebiet „Steinbrink II“ bestätigt. Dies ist nicht unbedingt verwunderlich, gilt doch der vor mehr als 800 Jahren erstmals erwähnten Steinbrinker Hof als Keimzelle der Entwicklung des Dorfs Eckum – dessen Gebiet freilich seit der Jungsteinzeit stark besiedelt war.

Für einen Teilbereich eines damals gefundenen Kanals will die Gemeinde ein sogenanntes „Archäologisches Fenster“ einrichten. Solche „Fenster“ werden dort installiert, wo archäologisch interessante Strukturen im Boden belassen, gleichwohl jedoch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.

Sie sind zumeist so aufgebaut, dass sie die “Fundstücke“ einerseits vor Wettereinflüssen und (un)beabsichtigten Beschädigungen schützen, gleichzeitig aber ermöglichen, sie von außen durch eine Glasscheibe oder ein Gitter zu betrachten.

Der Kanal gehört aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer „villa rustica“, einem römischen Gutshof. Überreste von dessen Hauptgebäude hatte ein Team der Universität Köln bei einer geophysikalischen Untersuchung des Areals schon vor Beginn der eigentlichen Grabungen entdeckt. Mit solchen „villae rusticae“ war die Gegend des heutigen Rommerskirchen während der bis ins fünfte Jahrhundert andauernden Römerzeit im Rheinland geradezu übersät, was in erster Linie auf die bis in die Gegenwart hinein überaus fruchtbaren Böden am Gillbach zurückzuführen ist.

Die „villa rustica“ am Steinbrink wies den Experten zufolge eine Länge von 110 Metern auf und war mindestens 35 Meter breit. Frühestens im ersten Jahrhundert erbaut, befand sie sich bis in die Spätantike hinein an der aufgefundenen Stelle. Die Wasserleitung hat neben dem Regenwasser wohl auch Brauchwasser vom Hauptgebäude des Gutshofs in Richtung des Gillbachs abgeleitet. Den Experten aus Köln zufolge, hat sich am südlichen Ende des Hauptgebäudes wo-möglich ein Badetrakt befunden.

Der aus „opus caementitium“, einer spezifisch römischen Betonsubstanz, gefertigte Abwasserkanal, saß auf einer dünnen Kiesschicht auf und war an Sohle und Innenwänden sorgfältig glatt verputzt. Er war zum Teil gut erhalten und verfügte einst über eine Abdeckung aus Ziegelplatten, von denen sich jedoch nur noch geringe Reste erhalten haben. Er konnte über eine Länge von etwas mehr als 71 Metern dokumentiert werden, wobei seine Erhaltung hangabwärts nach und nach schlechter wurde. Ursprünglich reichte er höchstwahrscheinlich bis zum Gillbach.

Mitte des Jahres nun soll ein Teilstück des Kanals gehoben werden, ein technisch überaus kompliziertes Verfahren, das die renommierte Restauratorin Heike Krainitzki, der Archäologe Stefan Ciesielski, Grabungstechniker Frank Jäger und ein weiterer Helfer glücklich zu vollenden hoffen. „Eine 100-prozentige Gewährleistung einer erfolgreichen Bergung im Vorhinein der Maßnahme ist leider nicht möglich“, betont Ciesielski, der für die Kölner Fachfirma ABS nicht nur im Bereich des Steinbrinks schon öfter in Rommerskirchen tätig war.

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