Schuldnerberatung rech­net mit vie­len neuen Fällen ab Frühjahr 2021

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Rhein-​Kreis Neuss – Seit Jahren ver­zeich­net die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Caritas in Grevenbroich eine stei­gende Zahl Hilfesuchender. 

Bisher schlage sich die Corona-​Pandemie als Ursache für eine wirt­schaft­li­che Schieflage jedoch noch wenig bei ihren Klienten nie­der, so Hans-​Joachim Kremmers von der Beratungsstelle. Er und seine Kollegen befürch­ten aller­dings im Frühjahr viele neue Privatinsolvenzen. Zudem ist zum Ende des Jahres 2020 die Neuregelung des Insolvenzrechtes in Kraft getreten.

Das soge­nannte Restschuldbefreiungsverfahren ist damit von zuvor meist sechs auf nun drei Jahre ver­kürzt wor­den. Auch des­halb rech­net die Beratungsstelle mit vie­len neuen Klienten.

Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Zahl der Senioren, die nach Hilfe suchen, in der Grevenbroicher Beratungsstelle gestie­gen. Die Gründe für deren finan­zi­ell bedroh­li­che Lage kön­nen dabei sehr unter­schied­lich sein. Durch Krankheit unter­bro­chene Berufsbiografien, Erwerbsminderungs- und Frühverrentung mit gerin­gem Renteneinkommen. „Auch ehe­ma­lige Selbständige, Einzelkaufleute, Freiberufler, die keine aus­rei­chende pri­vate Rentenvorsorge getrof­fen haben, sind von Altersarmut und Überschuldung betrof­fen“, so Kremmers.

Generell nehme die Zahl der Menschen mit Beratungsbedarf auch in ande­ren Altersgruppen kon­ti­nu­ier­lich zu. Dies sei aber eine lang­fris­tige Entwicklung. Neu sei nun, dass sich vor allem Veranstaltungstechniker, Freelancer und Menschen aus der Gastronomie – hier beson­ders Studenten in Minijobs – in den ver­gan­ge­nen Monaten bei der Beratungsstelle gemel­det haben. Berufsgruppen, die von der Corona-​Pandemie beson­ders betrof­fen waren.

Die Befürchtungen der Beratungsstelle gehen nun Richtung Frühjahr. Viele Betriebe seien bereits bei der ers­ten Corona-​Welle in die roten Zahlen gerutscht. Eine Hypothek, die sie nun oft vor sich her­schö­ben. Sollte sich her­aus­stel­len, dass die Ausgleichszahlungen des Bundes für viele Gastronomen nicht aus­kömm­lich sind, rech­net er mit Entlassungen und damit auch für seine Beratungsstelle mit einer Vielzahl neuer Klienten. „Dann erwar­ten wir eine Insolvenzwelle“, so der Schuldnerberater.

Zudem sehe das neu­ge­re­gelte Insolvenzrecht unter ande­rem die Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens auf höchs­tens drei Jahre vor. Schuldner kön­nen sich also schnel­ler aus nicht erfüll­ten Verbindlichkeiten befreien und einen wirt­schaft­li­chen Neuanfang star­ten. Die Änderungen gel­ten rück­wir­kend für alle Verfahren, die seit dem 1. Oktober 2020 bean­tragt wor­den sind. „Wir sind uns sicher, dass die Neuregelung sehr viele Menschen mit Schuldenproblematik inter­es­sie­ren wird. Auch des­halb rech­nen wir 2021 mit vie­len neuen Gesichtern in unse­rer Beratungsstelle“, so Kremmers.

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