Klartext​.NRWVBE NRW-​Ergebnisse der Schulleitungsumfrage: Weckruf für die Landesregierung

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Klartext​.NRW – Die Arbeitsmotivation der Schulleiterinnen und Schulleiter ist im Zuge der Corona-​Krise und ihren Folgen für den Schulalltag deut­lich gesunken. 

Denn wäh­rend im März 2019 noch über die Hälfte der Schulleitungen in Nordrhein-​Westfalen ihren Beruf sehr gerne aus­üb­ten, ste­hen im November 2020 nur noch 25% der befrag­ten Schulleiterinnen und Schulleiter zu die­ser Aussage. Dies zeigt die reprä­sen­ta­tive forsa-​Umfrage unter Schulleitungen in Nordrhein-​Westfalen, die der VBE in Auftrag gege­ben hat.

Dieser Wert muss ein Weckruf für die Landesregierung sein“, kom­men­tiert Stefan Behlau, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW, die Ergebnisse.

Im Auftrag des VBE hat das Meinungsforschungsinstitut forsa in den Monaten Oktober und November eine Befragung unter Schulleiterinnen und Schulleitern in Deutschland durch­ge­führt. Die Schulleitungen wur­den u. a. zu den größ­ten Problemen im Schulalltag wäh­rend der Corona-​Pandemie, zu ihrer Arbeitszufriedenheit und ‑moti­va­tion sowie zur der­zei­ti­gen Ausstattung der Schulen befragt.

Als die größ­ten Probleme an den Schulen im Zuge der Corona-​Pandemie benen­nen die befrag­ten Schulleitungen in NRW die feh­lende Digitalisierung (38%), und erneut den Personalmangel (29%). Ebenfalls als gro­ßes Problem wurde die Umsetzung der Corona-​Maßnahmen an den Schulen bewer­tet: Für jede vierte Schulleitung in NRW (26%) stellt die Einhaltung der Abstandsregeln bzw. die beengte Raumsituation ein Hindernis dar. „Schulleitungen müs­sen in die­sen Zeiten mit allen Akteuren im Gespräch blei­ben, den Überblick über stän­dig wech­selnde Organisationsszenarien behal­ten, Nachverfolgung bele­gen und doku­men­tie­ren, Abfragen zu Statistiken und Nachfragen der Gesundheitsämter bedie­nen, mit Eltern beru­hi­gend und infor­mie­rend kom­mu­ni­zie­ren, Hygiene- und Schutzmaßnahmen umset­zen, Maskenpflicht durch­set­zen, Lüftung gewähr­leis­ten, Worst-​Case-​Szenarien vor­hal­ten, digi­tale Endgeräte kon­zep­tio­nell inte­grie­ren, Unterricht für Schülergruppen in Quarantäne oder prin­zi­pi­ell in Distanz orga­ni­sie­ren, aber neben­her eben auch den Lehrbetrieb in Präsenz aufrechterhalten.

Die Schulleitungen sind am Limit, so kann es nicht wei­ter gehen“, stellt Behlau fest. Mehr als 38% der befrag­ten Schulleitungen sehen sich der Umfrage zufolge aktu­ell nur gele­gent­lich oder sogar nie in der Lage, ihre beruf­li­chen Aufgaben zu ihrer eige­nen Zufriedenheit zu erfül­len. Und 95% geben sogar an, dass sie nur 50 – 80 Prozent ihrer Aufgaben in der zuge­wie­se­nen Leitungszeit erle­di­gen kön­nen. „Wer mehr Aufgaben über­trägt, muss auch mehr Zeit zur Verfügung stel­len“, for­dert der Landesvorsitzende. 

85% der Schulleiterinnen und Schulleiter füh­len sich in ihrer Tätigkeit durch das Lehrerkollegium unter­stützt, aber nur 3% durch die Schulministerin. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen zei­gen in die­ser Krise, dass es nur gemein­sam gehen kann, die Herausforderungen zu stem­men. Von die­sem Zusammenhalt sollte sich die Politik drin­gend eine Scheibe abschnei­den“, erklärt Behlau. Deshalb ist es wohl auch nicht ver­wun­der­lich, dass die Schulleitungen in NRW die Schulpolitik mit einer 4- bewer­ten und damit nicht nur deut­lich schlech­ter als im gesam­ten Bundesdurchschnitt, son­dern auch ekla­tant schlech­ter als noch im März 2020 oder im Vorjahr.

Verhalten opti­mis­tisch stim­men teil­weise die Einschätzungen der befrag­ten Schuleiterinnen und Schulleiter bezüg­lich der all­ge­mei­nen Ausstattung der Schule. Hier sind durch­aus posi­tive Entwicklungen seit der Corona-​Krise zu erken­nen, sei es beim Breitbandausbau, der WLAN-​Ausstattung oder der Versorgung mit digi­ta­len Endgeräten. So geben 58% der Schulleitungen aus NRW an, Mittel aus dem Digitalpakt zu erhal­ten – immer­hin eine Steigerung von 23% im Vergleich zur Zeit vor der Corona-​Krise. Und sogar bei den lange ver­nach­läs­sig­ten sani­tä­ren Schulanlagen zeich­net sich eine Verbesserung ab. „Die Versäumnisse der Vergangenheit machen den Schulen immer noch zu schaf­fen, doch es bleibt zu hof­fen, dass die not­wen­di­gen Investitionen in die Schulen und die Bildung auch nach Corona ver­ste­tigt wer­den, nicht nur um eine Pandemie zu über­ste­hen, son­dern um unsere Schulen ins­ge­samt zukunfts­fest zu machen“, hofft Behlau. 

Schule mit Corona war und bleibt eine Mammutaufgabe. Die Schulen und die Schulleitungen müs­sen täg­lich vor Ort die Quadratur des Kreises aus schu­li­scher Bildung, ver­läss­li­cher Betreuung und Infektionsschutz gestal­ten – ohne eine aus­rei­chende Personaldecke, mit einer unzu­läng­li­chen Ausstattung und gewürzt durch eine stark ver­bes­se­rungs­wür­dige Informationspolitik“, fasst Behlau die Ergebnisse der Umfrage zusam­men. „Schulleitungen und die Kollegien brau­chen jetzt die Rückenstärkung durch die Politik, trans­pa­rente Entscheidungen und gelin­gende Kooperation vor Ort.“

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