Neuss – zweit­äl­tes­tes archäo­lo­gi­sches Museum im Rheinland: 175 Jahre Archäologie

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Vor 175 Jahren wurde das „Museum für Alterthümer der Umgegend“ gegrün­det, aus dem das heu­tige Clemens Sels Museum Neuss her­vor­ging. Es ist damit das zweit­äl­teste archäo­lo­gi­sche Museum des Rheinlandes. 

1839 ermun­terte der preu­ßi­sche König Friedrich Wilhelm IV. die Neusser bei einem Besuch der Qurinusstadt, ihre römi­sche Geschichte zu erfor­schen. Noch im sel­ben Jahr grün­dete der Neusser Arzt Dr. Hermann Jäger zusam­men mit eini­gen gleich­ge­sinn­ten Bürgern die Gesellschaft zur Veranstaltung von Nachgrabungen auf gemein­schaft­li­che Kosten. Mit dem jähr­li­chen Mitgliedsbeitrag von zwei Talern soll­ten Ausgrabungen finan­ziert werden.

Im Winter 1839/​40 began­nen Jäger und seine Mitstreiter an der Kölner Straße mit der Freilegung ers­ter römi­scher Gräber. Doch bereits vor­her gab es bedeu­tende Funde in der Quirinusstadt. 1836 wur­den beim Ausbaggern des Hafenbeckens Waffen von der Belagerung durch Karl den Kühnen 1474/​75 gefunden.

Eine Besonderheit, wie Dr. Carl Pause, Archäologe im Clemens Sels Museum Neuss, weiß: „Es sind zwar viele mit­tel­al­ter­li­che Schlachten in Europa bekannt, aber es gibt nur sehr wenige Funde. Die meis­ten kom­men aus Frankreich oder England, ins­be­son­dere in Deutschland sind jedoch kaum Schlachtfelder vor­han­den. Daher kön­nen wir uns mit die­sen Fundstücken euro­pa­weit messen.“

Stammen noch aus der Sammlung des „Museum für Alterthümer der Umgegend“: Ein Schwert von der Belagerung durch Karl den Kühnen 1474/​75 und Keramiken aus römi­schen Gräbern. Alle Fundstücke des ehe­ma­li­gen Museums sind im Inventarbuch ver­zeich­net. Foto: Stadt

Von 1844 an unter­stützte der preu­ßi­sche König die Ausgrabungen mit einer jähr­li­chen Zahlung von 100 Talern. Er for­derte, die Bodenfunde zusam­men mit der bereits vor­han­de­nen städ­ti­schen Altertumssammlung in ein Museum zu über­füh­ren. 1845 wurde in einem Raum des Kollegiums, dem Vorgänger des Quirinusgymnasiums, das „Museum für Alterthümer der Umgegend“ eröff­net. Es war nicht nur das erste Museum in Neuss, son­dern nach dem 1820 gegrün­de­ten Antiquitäten-​Museum in Bonn, aus dem das spä­tere LVR-​Landesmuseum Bonn her­vor­ging, auch das älteste archäo­lo­gi­sche Museum im Rheinland.

Das von Jäger erstellte Inventarbuch des Museums, das sich noch heute im Clemens Sels Museum Neuss befin­det. ent­hält 571 Einträge und umfasst neben römi­schen Münzen, Bronzen und Gefäßen auch Waffen aus der bur­gun­di­schen Belagerung von Neuss. Einige die­ser Waffen sind heute im Obertor ausgestellt.

Nach Jägers plötz­li­chem Tod 1848 löste sich der Altertumsverein auf. Auch das Museum nahm nicht den von Jäger beab­sich­tig­ten Aufschwung. Es sollte noch ein hal­bes Jahrhundert dau­ern, bis 1912 dann mit der Stiftung des Nachlasses von Clemens Sels das erste eigene Museumsgebäude errich­tet wurde.

(111 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)