Neuss – Ausstellung im Clemens-​Sels-​Museum: Geschichte der Fischerei an Rhein und Erft

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Fisch gehört zu den ältes­ten Nahrungsmitteln des Menschen. Ob Lachs, Hecht, Karpfen oder Brassen – in Flüssen und Seen fand der Mensch in frü­he­ren Jahrhunderten reich­lich Nahrung. 

Auch der Rhein und die Erft waren fisch­rei­che Gewässer. Wie sich die Fischerei auch in Neuss seit der letz­ten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren bist heute ent­wi­ckelt hat, beleuch­tet die neue Ausstellung „Fisch Land Fluss – eine Zeitreise durch die Fischereigeschichte“ im Clemens-​Sels-​Museum Neuss, Am Obertor, die von Sonntag, 27. September 2020, bis zum 31. Januar 2021 zu sehen ist. „Nach Altbier, Eis und Naschwaren wid­men wir uns jetzt einem unzwei­fel­haft gesun­den Nahrungsmittel“, so Museumdirektorin Dr. Uta Husmeier-Schirlitz.

Spannende Exponate und viele ori­gi­nal­ge­treue Nachbildungen ent­füh­ren die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung in wun­der­bare Wasserwelten und mehr als zehn­tau­send Jahre Fischereigeschichte. „Früher gab es neben dem Hauptarm des Rheins viele Nebenarme mit teil­weise fast ste­hen­den und seich­te­ren Gewässern, die wich­tige Laichgründe für ver­schie­dene Fischarten boten“, erläu­tert Dr. Carl Pause, Kurator der Ausstellung. Das zog Wanderfische wie Lachse, Maifische und Aale an, die „Brotfische” und damit die Haupteinnahmequellen der Neusser Rheinfischer. Im Rhein und sei­nen Nebenflüssen wur­den auch Weißfische wie Barben, Nasen, Döbel oder Brassen gefangen.

Die Grundformen der heu­ti­gen Fischereigeräte, die noch heute in der Berufsfischerei gebräuch­lich sind, – Angeln, Netze, Reusen und Speere – waren schon vor über 8.000 Jahren bekannt. In römi­scher Zeit deck­ten erst­mals Berufsfischer die immense Nachfrage nach Fisch. Durch die Einführung ver­bes­ser­ter Fischereitechniken erlebte die Fischerei unter den Römern einen Aufschwung. Bedingt durch die lan­gen Fastenzeiten, in denen kein Fleisch geges­sen wer­den durfte, war Fisch im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit ein gefrag­tes Nahrungsmittel.

Frischer Fisch stand aber nur rei­chen Bürgern und Adligen zur Verfügung, der ein­fa­che Mann musste sich mit Salzheringen und Stockfisch begnü­gen. Störe und Hechte waren als „Herrenfische” sogar dem Adel vor­be­hal­ten. Zum Fang der Fische setz­ten die Rheinfischer vor allem Zugnetze, also Waden oder Zegennetze, ein. Daneben wur­den auch Karpfen in Teichen und Gräften gezüch­tet. Mit der in den Niederlanden ent­wi­ckel­ten Schokkerfischerei wurde der Aal Anfang des 20. Jahrhunderts zum Hauptfangfisch im Rhein.

Die mit der Industrialisierung ein­her­ge­hende Wasserverschmutzung ent­zog im 20. Jahrhundert den Berufsfischern zuneh­mend die Grundlagen. In den 1940er Jahren ver­schwan­den Lachs und Maifisch aus dem Rhein. In den 1970er Jahren stell­ten dann die meis­ten Aalschokker ihren Betrieb ein.
Seitdem haben Umweltschutzmaßnahmen die Wasserqualität im Rhein erheb­lich ver­bes­sert. Lachs und Maifisch wur­den wie­der ange­sie­delt. Durch den Fernschiffverkehr und die Öffnung des Rhein-​Main-​Donau-​Kanals gelang­ten viele fremde Tiere und Pflanzen in den Rhein und seine Nebengewässer. Sie ver­dräng­ten zum Teil ein­hei­mi­sche Arten.

(58 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)