Rommerskirchen – Artensterben von Insekten: Diplom ‑Ökologe Helmut Kessler sprach im Ratssaal

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Robert Schilken, Herausgeber



Rommerskirchen – Wegen des gro­ßen Interesses wurde die Wanderausstellung „Insekten- gefähr­dete Vielfalt – was nun?” bis zum 20. September 2020 verlängert. 

Zu sehen ist die Ausstellung wäh­rend der Öffnungszeiten im Rathaus, Dienstleistungszentrum, 1. OG. Auf 16 Tafeln sind beson­ders gefähr­dete Insektenarten wie Tagpfauenauge, Grashüpfer und Waldmaikäfer in ihrem natür­li­chen Lebensraum abge­bil­det. Der Diplom-​Ökologe Helmut Kessler ver­wies jetzt bei einem Vortrag im Ratssaal dar­auf, dass der in den ver­gan­ge­nen Jahren ver­stärkt dis­ku­tierte Rückgang der Artenvielfalt bei Insekten mit­nich­ten ein neues Phänomen ist.

Wissenschaftler kon­sta­tie­ren die­sen näm­lich bereits seit Beginn der 1970-​er Jahre, wobei nicht nur viele Arten kom­plett aus­ge­stor­ben, son­dern auch die nach wie vor exis­tie­ren­den Populationen gerin­ger gewor­den sind. Konkret: Von den einst in Deutschland anzu­tref­fen­den 560 Bienenarten sind rund die Hälfte gefähr­det oder schon aus­ge­stor­ben. Die Ursachen hier­für lie­gen zumeist beim Menschen, wie Kessler in sei­nem Vortrag erläuterte.

Gleiches gilt für die Ameisenarten, bei den Tagfaltern sind es sogar über 60 Prozent der hei­mi­schen Arten, die gefähr­det oder aus­ge­stor­ben sind. „Der Verlust von exten­siv genutz­ten Flächen, die Strukturarmut der ver­blie­be­nen Freiflächen, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Giften sowie der Nährstoffeintrag neh­men vie­len Arten die Lebensgrundlage”, betonte der Experte mit einem kri­ti­schen Blick auf die Landwirtschaft, wie sie heut­zu­tage betrie­ben wird. In der jün­ge­ren Vergangenheit habe sich die­ser schon län­ger anhal­tende Trend noch ein­mal dra­ma­tisch ver­schärft, wie Helmut Kessler deut­lich machte.

Kessler, der die Ausstellung kon­zi­piert und gestal­tet hat, beließ es indes nicht bei einer dras­ti­schen Beschreibung des Status Quo, son­dern gab viel­mehr unter Hinweis auf die Empfehlungen des Sachverständigenrats für den Artenrückgang auch Tipps, wie sich dem ver­schärf­ten Negativtrend ent­ge­gen­wir­ken lässt. Nicht zuletzt geht es nach Kesslers Worten darum, „die Landnutzung insek­ten­freund­li­cher zu gestal­ten”. Die Agrarförderung müsse an öko­lo­gi­schen Belangen aus­ge­rich­tet wer­den. Zudem soll­ten wie­der viel­fäl­tige Landschaftsstrukturen ermög­licht werden.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse ebenso redu­ziert wie Nährstoffeinträge ver­rin­gert wer­den, for­derte Helmut Kessler. Bestehende Schutzgebiete gelte es zu stär­ken und den Flächenverbrauch für Neubauten und Verkehrsprojekte zurück­zu­fah­ren, lau­tet eine sei­ner Forderungen an die Politik. Um die Bevölkerung zu sen­si­bi­li­sie­ren sei es neben manch ande­rem auch nötig, Wissenslücken zu schlie­ßen, so der Ökologe.

Die Wanderausstellung leis­tet hierzu einen über­aus nütz­li­chen Beitrag. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich die Ausstellung bereits ange­schaut und haben sich den inter­es­san­ten Vortrag von Herrn Kessler ange­hört. Die Gemeinde möchte auch in Zukunft den ein­ge­schla­ge­nen Weg wei­ter­ge­hen und ver­mehrt etwas gegen das Artensterben und für den Umweltschutz tun“, so Bürgermeister Dr. Martin Mertens abschließend.

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