Klartext​.NRW – Zukunftskommission Landwirtschaft ist eine große Chance

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Robert Schilken, Herausgeber



Klartext​.NRW – Anlässlich des Starts der Zukunftskommission Landwirtschaft am mor­gi­gen Montag ver­weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die Notwendigkeit eines gemein­sa­men land­wirt­schaft­li­chen Leitbildes, das in der Kommission erar­bei­tet wer­den muss. 

Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel kom­men am Montag die 31 Kommissionsmitglieder und ihr Vorsitzender zur ers­ten Sitzung im Bundeskanzleramt zusam­men. Die BUNDjugend wird durch ihr Vorstandsmitglied Myriam Rapior ver­tre­ten. Für den BUND wurde der Vorsitzende Olaf Bandt berufen. 

Ziel der Zukunftskommission muss es sein, einen ver­tief­ten Dialog und Ausgleich zwi­schen den Interessen der land­wirt­schaft­li­chen Betriebe und den gestie­ge­nen gesell­schaft­li­chen Anforderungen zu errei­chen. Das gelingt am bes­ten, wenn wir in die Zukunft schauen und uns auf ein mit­tel­fris­ti­ges Leitbild eini­gen“, so Bandt. „Wir brau­chen einen Systemwandel für eine sozial-​ökologische Zukunft der Landwirtschaft. Das heißt Schutz von Lebensräumen, des Grundwassers, eine tier­ge­rechte Nutztierhaltung in Verbindung mit dem Erhalt bäu­er­li­cher Betriebe. Neben der Diskussion zum Leitbild gehö­ren für mich auch kon­krete Schritte zu einer zukunfts­fä­hi­gen, gesell­schaft­lich akzep­tier­ten Landwirtschaft dazu.“

Die BUNDjugend begrüßt, dass sie als Jugendvertretung in der Kommission mit am Tisch sitzt und sich für die Anliegen von jun­gen Menschen und künf­ti­gen Generationen ein­set­zen kann. Hierzu Myriam Rapior, mit 24 Jahren jüngs­tes Kommissionsmitglied: „Als BUNDjugend gehen wir seit vie­len Jahren für einen Wandel in der Agrarpolitik auf die Straße. Die Kommission bie­tet eine Chance, gemein­sam mit allen Akteuren und Akteurinnen ein Zukunftsbild für die Landwirtschaft von mor­gen zu ent­wi­ckeln. Wir brau­chen eine sozial-​ökologische Transformation der Landwirtschaft. Dabei müs­sen das Wohl und die Bedürfnisse von land­wirt­schaft­li­chen Erzeugerinnen und Erzeugern, der Konsumentinnen und Konsumenten, der Natur und Tiere sowie kom­men­der Generationen welt­weit in Einklang gebracht werden.“ 

BUND und BUNDjugend rei­chen zu Beginn der Kommissionsarbeit allen Kommissionsteilnehmerinnen und ‑teil­neh­mern die Hand und hof­fen auf einen respekt­vol­len, offe­nen Umgang mit­ein­an­der. Rapior wei­ter: „Es muss darum gehen, gesell­schaft­li­che Konflikte auf­zu­bre­chen und kol­lek­tive Lösungen zu fin­den. Wir erwar­ten, dass die Ergebnisse der Kommission eine Zukunftsperspektive für junge Menschen und künf­tige Generationen bie­ten. Zudem muss sicher­ge­stellt wer­den, dass die Empfehlungen der Kommission von der Politik genutzt und umge­setzt wer­den. Aus Jugendperspektive ist es wich­tig, so schnell wie mög­lich mit dem Umbau der Landwirtschaft zu begin­nen und die drin­gend not­wen­dige Systemumstellung nicht län­ger in eine ferne Zukunft zu verschieben.“

Mit Blick auf die Bauernproteste der letz­ten Wochen und Monate ergänzt Olaf Bandt: „Die Anforderungen an die land­wirt­schaft­li­chen Betriebe – bei­spiels­weise im Tierschutz, Klimaschutz oder Umweltschutz – stei­gen kon­ti­nu­ier­lich. Ein gro­ßer Teil der land­wirt­schaft­li­chen Betriebe ist sehr offen für diese gro­ßen Herausforderungen. Viele sehen sich aber zum Beispiel durch zu geringe Erzeugerpreise nicht in der Lage, die­sen Anliegen nach­zu­kom­men.“ Unzureichende Marktordnungen sowie die Marktmacht des Handels ver­stär­ken aus Sicht des BUND die­sen Effekt zum Nachteil der Bäuerinnen und Bauern. „Anstatt die not­wen­dige Transformation aktiv zu beglei­ten, bleibt die Agrarpolitik weit­ge­hend unver­än­dert und bie­tet der Landwirtschaft nicht die not­wen­dige Unterstützung an“, kri­ti­siert Bandt. „Das muss sich ändern.“

Ein mas­si­ves Höfesterben, Imageverlust der Landwirtschaft, hoher Konkurrenzdruck am Weltmarkt, wei­tere Spezialisierung und Konzentration der Agrarproduktion sind die Folge der bis­he­ri­gen Agrarpolitik. „Um einen Ausweg aus die­ser miss­li­chen Lage zu fin­den, muss die bis­he­rige Agrarpolitik, die auf Agrarexporte, Produktion güns­ti­ger Agrarrohstoffe und eine immer inten­si­vere Landbewirtschaftung setzt, grund­sätz­lich hin­ter­fragt wer­den. Nur durch einen deut­li­chen Wandel in der Agrarpolitik kann der Landwirtschaft eine attrak­tive Zukunftsoption gebo­ten wer­den. Dieser Wandel muss die Veränderung auf den Betrieben ein­lei­ten, für die viel­fäl­ti­gen Agrarbetriebe zu fai­ren Erzeugerpreisen füh­ren und die gesell­schaft­li­chen Erwartungen mit berück­sich­ti­gen“, so Bandt.

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