Rhein-​Kreis Neuss – Brunnenbesitzer im Raum Neuss: Nitratbelastung im Grundwasser

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Der VSR-​Gewässerschutz e.V. musste lei­der wie­der vie­len Bürgern mit­tei­len, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat ent­hält. Das frus­triert gerade die Familien, die ihren Garten gerne nutzen.

Im Sommer wird dort viel Wasser benö­tigt, um das selbst ange­baute Gemüse zu gie­ßen oder das Planschbecken für die Kinder zu fül­len. Dafür möch­ten viele Gartenbesitzer kein Leitungswasser ver­schwen­den, son­dern ihren Brunnen nut­zen. Ob das ohne Gesundheitsgefährdung mög­lich ist, woll­ten in die­sem Jahr 70 inter­es­sierte Bürger wis­sen und lie­ßen ihre Wasserproben am Informationsstand am 03. August in Neuss untersuchen.

Fast jeder fünfte Brunnenbesitzer aus dem Raum Kaarst – Neuss – Korschenbroich – Grevenbroich – Dormagen wurde ent­täuscht: Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe über­schrei­tet den Grenzwert der deut­schen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Die Ursache für die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist die inten­sive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so wach­sen konnte.

Die EU-​Agrarpolitik för­dert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an ers­ter Stelle ste­hen und die Verringerung der Nitratbelastung nur läs­tige Auflagen sind, die sie ver­su­chen zu umge­hen“, so Susanne Bareiß-​Gülzow, Vorsitzende im VSR-​Gewässerschutz. Die gemein­nüt­zige Organisation for­dert von der Politik, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewäs­ser­scho­nen­den Bewirtschaftung gezahlt werden.

Dipl.-Phys. Harald Gülzow und Milan Toups fan­den bei den Untersuchungen 184 Milligramm Nitrat pro Liter in einem pri­vat genutz­ten Brunnen in Korschenbroich. Weiteren mit Nitraten stark ver­schmutzte Brunnen stell­ten die Umweltschützer in Lüttenglehn (Korschenbroich) mit 131 Milligramm pro Liter (mg/​l), in Furth mit 94 mg/​l, in Weckhoven (jeweils Neuss) mit 91 mg/​l, in Gohr mit 105 mg/​l und in Straberg (jeweils Dormagen) mit 83 mg/​l fest.

Am Informationsstand und auch bei der tele­fo­ni­schen Beratung zeig­ten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die Nitratbelastung der Region. Sie möch­ten es nicht mehr ein­fach hin­neh­men, dass ihr Brunnenwasser nur ein­ge­schränkt nutz­bar ist. Vielen Bürgern wurde durch ihr eige­nes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belas­tet ist und möch­ten eine Änderung.

Der VSR-​Gewässerschutz for­dert die Agrarpolitik auf die anste­hende EU-​Agrarreform so zu gestal­ten, dass die Nitratbelastung unse­rer Gewässer ver­rin­gert wird. Die Subventionen an Betriebe, die das Grundwasser stark belas­ten, haben große Probleme geschaf­fen. Nur die gro­ßen Betriebe konn­ten mit inten­si­ver Bewirtschaftung den Dumpingpreisen der Discounter stand­hal­ten. Die bäu­er­li­che Landwirtschaft wurde ver­drängt und die öko­lo­gi­sche Landwirtschaft konnte nicht so wach­sen, wie es für eine gesunde Umwelt not­wen­dig wäre. Hier wird auf den Einsatz von chemisch-​synthetischen Stickstoffdüngern verzichtet.

Die Zahl der Tiere ori­en­tiert sich an der Fläche, die dem Betrieb zur Verfügung steht. So wer­den Nährstoffüberschüsse best­mög­lich ver­mie­den. Der öko­lo­gi­sche Landbau kann die von der Agrarindustrie her­vor­ge­ru­fene Nitratbelastung erheb­lich ver­rin­gern. Er bedarf daher wesent­lich mehr Unterstützung. „Die Agrarlobby darf nun die wich­ti­gen Entscheidungen zu einer gewäs­ser­scho­nen­den Landwirtschaft nicht wie­der unter­gra­ben“, so Susanne Bareiß-​Gülzow. „Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer öko­lo­gi­schen Verantwortung bewusst ist und eine umwelt­ver­träg­li­che und nach­hal­tige Landwirtschaft fördert.“

Auf einer inter­ak­ti­ven Nitratkarte ver­an­schau­licht der VSR-​Gewässerschutz in wel­chen Regionen die Nitratbelastungen beson­ders hoch sind (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung). Durch die große Unterstützung der Brunnennutzer konn­ten die Umweltschützer auch im Raum Neuss die Nitratbelastung im ober­flä­chen­na­hen Grundwasser bestimmen.

Wer den Termin am Labormobil ver­passt hat, kann eine Wasserprobe vom eige­nen Brunnen per Post an die Umweltschützer sen­den. Auf der Homepage der Gewässerschutzorganisation fin­den sich dazu alle nöti­gen Informationen.

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