Dormagen – Bundesverdienstkreuz am Bande für Hans Scholten

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Hans Scholten hat das Bundesverdienstkreuz am Bande ver­lie­hen bekom­men. Im Beisein von Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld über­reichte Landrat Hans-​Jürgen Petrauschke die Auszeichnung in klei­ner Runde im Kreisständehaus in Grevenbroich.

Das Bundesverdienstkreuz lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Leistungen, die beson­dere Bedeutung für unser Gemeinwesen haben; und es ist ein Symbol für den Respekt und die große Sympathie, die Hans Scholten in unse­rer Heimatregion und weit dar­über hin­aus ent­ge­gen gebracht wer­den – sei es als lang­jäh­ri­ger Direktor des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in Dormagen oder für sei­nen gro­ßen ehren­amt­li­chen Einsatz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene”, so Petrauschke in sei­ner Laudatio.

Hans Heinrich Scholten wurde in Saarbrücken gebo­ren und lebt heute in Neuss. Er ist ver­hei­ra­tet und hat drei erwach­sene Töchter. Bis zu sei­nem Eintritt in den Ruhestand 2017 war er 30 Jahre lang Leiter des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in Dormagen – eine Einrichtung, die Kinder, Jugendliche und deren Familien mit viel­fäl­ti­gen Hilfsangeboten unterstützt.

Seit Jahrzehnten ist Hans Scholten zudem ehren­amt­lich im Bundesverband katho­li­scher Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe e.V. (BVkE) tätig. Für die Ziele des Caritas-​Fachverbandes, der sich für viel­fach benach­tei­ligte Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien ein­setzt, hat er sich von 1990 bis 2002 und von 2006 bis 2017 auch im Vorstand engagiert.

Hans Scholten war und ist bundes- und euro­pa­weit einer der pro­fi­lier­tes­ten und viel beach­te­ter Verfechter einer moder­nen, auf christ­li­chen Grundsätzen basie­ren­den Pädagogik. Zum Thema Aufdeckung und Umgang mit Missbrauchsfällen bezog er stets eine offen­sive und klare Haltung. So setzte sich Hans Scholten dafür ein, dass sexu­el­ler Missbrauch in Einrichtungen immer benannt und die Opfer unter­stützt wur­den. Und das nicht nur mit einer mate­ri­el­len Entschädigung, son­dern auch mit einer umfas­sen­den öffent­li­chen Diskussion über die jewei­li­gen Missstände.

Hans Scholten hat viel Zeit und Energie in die Stärkung der Rechte von Kindern und in die Zukunftsentwicklung ihrer Erziehung inves­tiert. Er war Mitglied in zwei Enquete-​Kommissionen auf Bundes- und Landesebene, die sich damit befass­ten. Als Experte hat er der Deutschen Kinder- und Jugendhilfe posi­tive Impulse gege­ben. Dafür steht seine Mitarbeit in vie­len Fachgremien und Arbeitsausschüssen oder im Bundesvorstand des BVkE.

Außerdem hat Hans Scholten für den Bundesverband katho­li­scher Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe ein Weiterbildungskonzept in Erlebnispädagogik ent­wi­ckelt und umge­setzt. Über Jahre konnte sich so eine Vielzahl von Sozialpädagogen zusätz­lich für die Erlebnispädagogik qualifizieren.

Bundesverdienstkreuz am Bande ver­lie­hen: Landrat Hans-​Jürgen Petrauschke (r.) und Hans Scholten im Kreisständehaus in Grevenbroich. Foto: S. Büntig/​Rhein-​Kreis Neuss

Eine andere Initiative, die auf Hans Scholten zurück­geht, ver­knüpft Naturschutz und päd­ago­gi­sche Arbeit. So arbei­ten im Projekt „wil​de​wald​welt​.de” Fachleute aus der Jugendhilfe Hand in Hand mit Experten aus dem Forst- und Umweltbereich, um jun­gen Menschen den Lebensraum Wald zu ver­mit­teln. Dabei ler­nen sie auch prak­ti­schen Natur- und Tierschutz kennen.

Neue Wege ging Hans Scholten auch auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit. Transparenz und wech­sel­sei­ti­ger Dialog waren Ziel und Ergebnis einer behut­sa­men Öffnung, mit der er das Raphaelshaus, orts­an­säs­sige Unternehmen, Vereine und inter­es­sierte Bürger erfolg­reich zusam­men­ge­bracht und so im Herzen der Dormagener Gesellschaft ver­an­kert hat.

Hans Scholtens ehren­amt­li­che Tätigkeit auf den ver­schie­dens­ten Ebenen ist inhalt­lich immer auch vor sei­nem beruf­li­chen Hintergrund zu sehen. Für den Rhein-​Kreis Neuss, der dem Raphaelshaus über viele Jahre ver­bun­den ist, sprach Landrat Petrauschke daher auch einige sei­ner Verdienste an, die im Zusammenhang mit Kooperationen mit dem Kreis stehen.

Bereits 1992 hat Hans Scholten als Geschäftsführer mit dem Rhein-​Kreis Neuss eine Vereinbarung getrof­fen, Schülern aus dem Kreisgebiet im Raphaelshaus an der Förderschule auf­zu­neh­men. Damit wurde sei­ner­zeit der Förderschul-​Bedarf im Bereich emo­tio­nale und soziale Entwicklung gedeckt.

Dies wurde im Jahr 2000 durch eine wei­tere Vereinbarung zur Nachmittagsbetreuung für externe Schülerinnen und Schüler ver­tieft. Damit wurde im Kreis ein zusätz­li­ches päd­ago­gi­sches Angebot geschaf­fen, um Kinder und Jugendliche vor einer Verwahrlosung im hei­mi­schen Umfeld zu bewahren.

Im stark nach­ge­frag­ten „Werkstattjahr” unter der Leitung von Hans Scholten konn­ten die Kooperationspartner Kreis, Currenta und Jugendhilfezentrum Raphaelshaus von 2005 bis 2015 Jugendlichen ohne Schulabschluss ein berufs­vor­be­rei­ten­des Jahr mit Industrie- und Handelskammer-​Zertifikat anbieten.

Auch die Kunst hat Hans Scholten in die päd­ago­gi­sche Arbeit ein­ge­bun­den. Denn Kunst hilft, sich selbst zu erken­nen und beim Entdecken neuer Perspektiven.

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