Erntezeit beginnt vor Ostern: Dormagener Spargelbauern suchen drin­gend Arbeitskräfte

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Robert Schilken, Herausgeber



Dormagen – Auf den Feldern rund um Dormagen wächst der Spargel. Bei ver­hält­nis­mä­ßig war­mem und son­ni­gem Wetter sprießt das könig­li­che Gemüse jetzt förm­lich, doch ob es in den kom­men­den Wochen abge­ern­tet und ver­kauft wer­den kann, ist mehr als ungewiss.

Seit dem 25. März gilt bun­des­weit ein vom Bundesinnenministerium ver­häng­tes Einreiseverbot für aus­län­di­sche Saisonarbeiter, das eben jene ost­eu­ro­päi­schen Erntehelfer betrifft, die jedes Jahr zur Spargel- und Erdbeerernte ins Rheinland kom­men. Der Einreisestopp soll zwar nun gelo­ckert und zunächst im April 40.000 Arbeitern die Einreise ermög­licht wer­den. Die aku­ten Probleme der Landwirte in Dormagen, die am Wochenende mit der Spargelernte begin­nen, löst diese poli­ti­sche Entscheidung indes nicht. 

Auf dem Grenzhof in Zons ist es laut Landwirtin Petra Berchem „jeder zweite Helfer, den wir erset­zen müs­sen“. Gemüse, das nicht pünkt­lich geern­tet wer­den kann, ver­dirbt auf dem Feld. Ohnehin fällt durch die Restaurantschließung die Gastronomie als gro­ßer Abnehmer weg. „Wir wis­sen noch gar nicht, ob wir alle Felder beern­ten wer­den“, sagt Berchem.

Neue Regelung macht Saisonarbeit auch für Kurzarbeiter attraktiv

Damit ist die Corona-​Krise in einer wei­te­ren Branche, der als kri­ti­sche Infrastruktur ein­ge­stuf­ten Landwirtschaft, ange­kom­men. Bund und Interessenverbände haben auf die Notlage vie­ler Obst und ‑Gemüsebetriebe reagiert. Sie betrei­ben Internetplattformen, auf denen land­wirt­schaft­li­che Betriebe ihren Bedarf an Arbeitskräften lis­ten kön­nen – und Freiwillige wie­derum ihre Bereitschaft zur „Feldarbeit“ bekun­den. Besonders Menschen, die aktu­ell in Kurzarbeit sind, will der Gesetzgeber für die Ernte gewin­nen, hat die Regelungen für Zuverdienst gelo­ckert und die Maximal-​Dauer einer sozi­al­ver­si­che­rungs­freien Beschäftigung von 70 auf 115 Arbeitstage ausgeweitet.

Auf www​.das​land​hilft​.de, dem offi­zi­el­len Portal des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, hatte Petra Berchem ein Gesuch geschal­tet und etli­che Rückmeldungen erhal­ten. Einfach ist ihr Problem trotz­dem nicht zu lösen.

Idealerweise brau­che ich Leute, die von Anfang April bis Ende Juni blei­ben kön­nen und denen es bes­ten­falls mög­lich ist, 35 Stunden in der Woche zu arbei­ten“, skiz­ziert die Landwirtin ihr Anforderungsprofil. Die Begründung lie­fert sie gleich mit: „Wir müs­sen jede Kraft ent­spre­chend anler­nen, und geern­tet wird an sie­ben Tagen in der Woche.“

Insbesondere fürs Sortieren des Spargels nach den unter­schied­li­chen Qualitätsklassen und die Konfektionierung von Bestellungen wird der Grenzhof schon einige Hilfswillige pro­be­ar­bei­ten las­sen. Eventuell wird in die­sem Bereich wei­tere Verstärkung gebraucht.

Ich finde die Solidarität der Leute klasse“

Auch Ute Feiser vom Spargelhof in Broich wird ein Dutzend Bewerber zur Probearbeit tref­fen. „Es sind nette, moti­vierte Leute, die sich gemel­det haben, und die uns beim Spargelstechen unter­stüt­zen sol­len“, sagt Feiser. Fraglich sei jedoch, wie lange die Erntehelfer blei­ben kön­nen. Denn wenn nach dem Corona-​Shutdown die nor­male Wirtschaftstätigkeit wie­der hoch­ge­fah­ren wird, gehen jene, die jetzt in Kurzarbeit sind, an ihre Arbeitsstellen zurück. Die Landwirtschaft jedoch macht wei­ter. Nach dem Spargel kom­men die Erdbeeren, und par­al­lel dazu beginnt die Pflanzzeit für Gemüse. „Kurzarbeiter ein­zu­set­zen, das ist von der Politik gut gedacht, aber für uns in der Landwirtschaft kaum prak­ti­ka­bel. Trotzdem finde ich die Solidarität der Leute klasse“, so Feiser.

Das Anforderungsprofil: belast­bar, wet­ter­fest und verlässlich

Alle Spargelhöfe in Dormagen haben der­zeit Bedarf an Saisonkräften. Wer unter­stüt­zen kann, „gesund, kör­per­lich belast­bar, aus­dau­ernd und wet­ter­fest“ ist – so for­mu­liert es Helena Kallen vom Forsterhof aus Stürzelberg in ihrem Facebook-​Aufruf -, mel­det sich am bes­ten bei einem Landwirt in sei­ner Nähe. Die Bereitschaft zu regel­mä­ßi­gen Einsätzen an fes­ten Tageszeiten ist ebenso wich­tig. Gezahlt wird der Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

Weitere Informationen gibt es hier:

www​.das​land​hilft​.de

www​.pro​vin​zi​al​ver​band​.de

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