Erft bei Neuss-​Gnadental wird natur­nah umgestaltet

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – (Bez-reg.-Düsseldorf) Mit Planfeststellungsbeschluss vom 02.03.2020 hat die Bezirksregierung Düsseldorf die Renaturierung der Erft im Bereich Neuss-​Gnadental genehmigt. 

Der Erftverband kann damit den begra­dig­ten und tech­nisch aus­ge­bau­ten Erftunterlauf vom Mündungsbereich in den Rhein bis zur A 57 natur­nah ausbauen.

Die Erft wird dabei in die noch vor­han­de­nen Relikte des ehe­ma­li­gen Flusslaufes (Altwasserstrukturen) zurück­ver­legt und Auenbereiche wer­den reak­ti­viert. Um die öko­lo­gi­schen Durchgängigkeit zu errei­chen, wird die für Wasserlebewesen nicht pas­sier­bare Sohlschwelle zu einer durch­wan­der­ba­ren Sohlgleite umgebaut.

Die Renaturierung ist erfor­der­lich, um das öko­lo­gi­sche Potenzial der Erft zu ver­bes­sern. Sie ist ein wich­ti­ger Schritt, um die Vorgaben der EU-​Wasserrahmenrichtlinie bis zum Jahr 2027 zu erfül­len. Zudem ist die Ausbaumaßnahme ein Baustein der 23 Planungsabschnitte des Erftperspektivkonzeptes. Dieses Konzept beschreibt, wel­che struk­tu­rel­len Maßnahmen not­wen­dig sind, um das Gewässer an die gerin­ge­ren Wasserabflüsse nach Ende des Braunkohletagebaus anzupassen.

Mit Ende des Kohleabbaus wird auch die Einleitung von Sümpfungswasser ein­ge­stellt, wodurch sich der Wasserabfluss der Erft deut­lich ver­rin­gert. Bis zur Stilllegung der Tagebaue muss die Erft des­halb in vie­len Bereichen ange­passt wer­den. Das ursprüng­lich mit dem Enddatum 2045 vor­ge­se­hene Erftperspektivkonzept muss durch den beschlos­se­nen vor­zei­ti­gen Kohleausstieg nun bedeu­tend schnel­ler umge­setzt werden.

Der natur­nahe Gewässerausbau fin­det bei der Bevölkerung grund­sätz­lich große Zustimmung. Für den Abschnitt der Erft bedeu­ten der Kohleausstieg und die Renaturierung jedoch auch, dass die Nutzung als Kanugewässer künf­tig nur noch ein­ge­schränkt mög­lich ist. Im Ausbaubereich befin­den sich für den Kanusport genutzte Wehre und die Slalomstrecke. Diese Anlagen bie­ten für Sportler und Vereine eine der weni­gen Trainingsmöglichkeiten des Kanusportes in NRW. Auch wird der Erftabschnitt für orga­ni­sierte Raftingtouren bis in den Rhein genutzt.

Während der Baumaßnahme und nach Abschluss der Renaturierung wird der Kanusport auf der Erft nicht mehr in heu­ti­gem Umfang mög­lich sein. Das für Kanu-​Freestyle genutzte Wiesenwehr wird dann voll­stän­dig über­strömt, sodass sich die für diese Disziplin erfor­der­li­che Wasserwalze nicht mehr bildet.

Wildwasserrennen wer­den in dem rena­tu­rier­ten Erftverlauf eben­falls nicht mehr mög­lich sein. Die Slalomstrecke bleibt bestehen, wird jedoch weni­ger Fließgeschwindigkeit haben. Die Durchfahrt zum Rhein wird durch die erfor­der­li­che Sohlgleite behin­dert. Solange der Wasserabfluss der Erft durch die Einleitung von Sümpfungswasser gestützt wird, bleibt die Ausübung des Kanusportes im Erftunterlauf grund­sätz­lich möglich.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wur­den des­halb viele Einwendungen von Kanuten, Vereinen, Verbänden und gewerb­li­chen Anbietern erho­ben und der Erhalt der Kanustrecken gefor­dert. Der Erftverband hat des­halb mit dem Kanu-​Verband NRW eine Erklärung zur Herstellung alter­na­ti­ver Kanustrecken unter­zeich­net, um die Folgen für den Kanusport zu mildern.

Der Planfeststellungsbeschluss samt Planunterlagen kann vom 16. bis 30. März auf der Internetseite der Bezirksregierung ein­ge­se­hen wer­den: http://​url​.nrw/​o​f​f​e​n​l​age.

Im glei­chen Zeitraum erfolgt die Offenlage bei der Stadt Neuss, Amt für Stadtplanung, Rathaus, Zimmer 3.802, Mo.-Mi. 8:30 – 16:00 Uhr, Do. 8:30 – 18:00 Uhr, Fr. 8:30 – 12:30 Uhr. 

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