Rhein-​Kreis Neuss: Immer mehr Menschen auf Zweitjob angewiesen

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Rhein-​Kreis Neuss – Wenn ein Job nicht reicht: Rund 14.400 Menschen im Rhein-​Kreis Neuss haben neben ihrer regu­lä­ren Stelle noch einen Minijob. 

Damit stieg die Zahl der Zweitjobber inner­halb von zehn Jahren um 46 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten mit­teilt. Die NGG Krefeld-​Neuss beruft sich hier­bei auf neue Zahlen der Arbeitsagentur. Danach sind ZusatzJobs in Restaurants, Gaststätten und Hotels im Rhein-​Kreis Neuss beson­ders ver­brei­tet: In der Branche gab es im Juni 2019 knapp 1.800 Zweitjobber – das sind 64 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Gewerkschafter Karim Peters spricht von einer Schieflage auf dem Arbeitsmarkt: „Im Schatten des Booms der ver­gan­ge­nen Jahre sind viele sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tige Stellen ent­stan­den, die oft kaum zum Leben rei­chen. Nebenjobs müs­sen dann die Haushaltskasse auf­bes­sern. Aber wer auf einen Zweitjob ange­wie­sen ist, der arbei­tet meist am Limit – auf Kosten von Familie, Freunden und Freizeit“, so der Geschäftsführer der NGG Krefeld-Neuss.

Dabei treffe der Boom bei den Nebenjobs lang­fris­tig auch die hei­mi­sche Wirtschaft. „Gastronomen und Bäckermeister, die über den Fachkräftemangel kla­gen, aber gleich­zei­tig auf 450-​Euro-​Kräfte set­zen, schnei­den sich ins eigene Fleisch. Minijobber kön­nen keine Hotelfachleute erset­zen“, betont Peters. Doch Fachkräfte gewinne man nur mit ordent­li­chen Löhnen – „so hoch, dass die Beschäftigten kei­nen Zweitjob mehr brau­chen“. Über deut­li­che Lohnerhöhungen ver­han­delt die NGG aktu­ell bei Fast-​Food-​Ketten von McDonald’s bis Vapiano: Statt den Mindestlohn von 9,35 Euro sol­len die Beschäftigten in der Branche künf­tig min­des­tens zwölf Euro pro Stunde bekommen.

Entscheidend sei aber auch, dass sich Unternehmen stär­ker um Nachwuchs küm­mern. „Eine Lehre im Lebensmittelhandwerk oder im Gastgewerbe kommt für Schulabgänger nur infrage, wenn der Lohn und die Ausbildungsbedingungen stim­men“, so Gewerkschafter Peters.

Die NGG sieht aber auch die Politik in der Verantwortung. Die Zunahme der Zweitjobs sei auch das Ergebnis einer ver­fehl­ten Arbeitsmarktpolitik der Nullerjahre. „Mit einer Reform könnte die Bundesregierung Minijobs voll in die Sozialversicherung ein­be­zie­hen. Allerdings soll­ten die Arbeitgeber den größ­ten Teil der Beiträge zah­len. Das macht regu­läre Stellen attrak­ti­ver und ver­schafft den Minijobbern heute eine bes­sere Absicherung“, so Peters.

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