Pastoraler Zukunftsweg: Die Kirche soll im Dorf bleiben

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Die Kirche soll im Dorf blei­ben. So kann man in weni­gen Worten zusam­men­fas­sen, was Dr. Werner Kleine vom Erzbistum Köln jetzt beim Neujahrsempfang des Katholikenrates Rhein-​Kreis Neuss als Zukunftsperspektive präsentierte. 

Unter der Fragestellung „Was wird jetzt aus uns, Herr Bischof?“ berich­tete der Pastoralreferent über den aktu­el­len Stand des „Pastoralen Zukunftsweges“ für das Erzbistum Köln.
 
Nachdem in den ver­gan­ge­nen Jahren vie­ler­orts Pastoralverbünde gebil­det und Pfarreifusionen beschlos­sen wor­den waren, haben viele Gläubige die Sorge, dass die­ser Zentralisierungsprozess wei­ter­geht und sich die Kirche immer wei­ter von ihnen ent­fernt. Doch genau das soll im Erzbistum Köln nicht pas­sie­ren. Kleine nahm dazu eine klare Trennung der Begriffe Pfarrei und Gemeinde vor. Bislang wur­den sie oft im glei­chen Wortsinn gebraucht, doch das soll sich ändern:

Die Pfarrei wird in Zukunft eine Verwaltungsgröße sein, wie es etwa die welt­li­chen Städte und Gemeinden auch sind. Unter die­sem orga­ni­sa­to­ri­schen Dach soll es viele ver­schie­dene Gemeinden geben. Das kön­nen Gottesdienstgemeinden in einer Kirche sein, aber genauso gut auch Kitas, Krankenhäuser, Vereine oder Familienkreise. Diese Gemeinden sol­len in Zukunft durch Teams von ver­ant­wort­li­chen Laien gelei­tet werden.

Der Pfarrer – bis­her vie­ler­orts zen­trale Figur einer Gemeinde – wird in Zukunft mehr als Ermöglicher gefragt sein. Mit sei­ner Unterstützung sowie mit moder­nen Strukturen, pro­fes­sio­nel­ler Zuarbeit und guter Kommunikation soll der Einsatz der Laien geför­dert wer­den. Die größte Herausforderung dabei ist, das gestand Kleine ein, Haltungen zu ändern. Dazu müsse jeder bei sich selbst anfan­gen. „Die getauf­ten und gefirm­ten Christen sind in Zukunft nicht mehr die Schafe, die gehor­sam sein sol­len. Wir sol­len zu Schäferhunden wer­den, um das Wort Gottes in die Welt hin­aus zu bellen!“
 
Was Kleine vor­trug, ist der wesent­li­che Inhalt einer soge­nann­ten Zielskizze, eines ers­ten Entwurfs im Zuge des Arbeitsprozesses. Zurzeit wer­den Rückmeldungen dazu gesam­melt und aus­ge­wer­tet. Voraussichtlich im Herbst wird ein Zielbild ver­öf­fent­licht, das bis 2030 gül­tig blei­ben soll. Dessen Inhalt ist – dar­aus machte der Referent kein Geheimnis – auch eine Reaktion auf eine dra­ma­ti­sche Ausgangssituation: Die Zahl der Kirchenaustritte schnellt in die Höhe, bis 2060 wird sich die Zahl der Katholiken in Deutschland vor­aus­sicht­lich hal­biert haben. Bereits im Jahr 2030 ste­hen im Erzbistum nur noch die Hälfte der pas­to­ra­len Dienste zur Verfügung.
 
Der enga­gierte und humor­volle Vortrag wurde mit viel Applaus bedacht, rief aber auch Fragen her­vor. Cornel Hüsch, frü­he­rer Vorsitzender des Katholikenrates, ver­misste in der Zielskizze die gewähl­ten Laiengremien und warb dafür, ihnen auch in Zukunft einen fes­ten Platz zu geben. „Wer macht’s? Wer gestal­tet die Kirche vor Ort? Wie begeis­tern wir Menschen für diese Aufgabe?“, fragte Thomas Kaumanns, stell­ver­tre­ten­der Vorsitzender des Katholikenrates, und wies dar­auf hin, dass ehren­amt­li­ches Engagement heut­zu­tage nicht mehr selbst­ver­ständ­lich ist. Diese und wei­tere Fragen wird der Katholikenrat vor Ort auf­grei­fen und ver­tieft behan­deln. Die Vorsitzende Jutta Köchner kün­digte bereits für den März eine Folgeveranstaltung an.

(v.l.n.r.:) Adolf Thöne, Dr. Ulrike Nienhaus, Dr. Werner Kleine, Kreisdechant Monsignore Guido Assmann, Jutta Köchner und Thomas Kaumanns. Foto: katholisch-in-neuss
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