Klartext​.NRW: Paritätischer Armutsbericht 2019 zeigt ein vier­ge­teil­tes Deutschland

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Klartext​.NRW – 30 Jahre nach Mauerfall ist Deutschland ein regio­nal und sozial tief zer­klüf­te­tes Land, so der Befund des aktu­el­len Armutsberichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

Trotz eines erfreu­li­chen Rückgangs der bun­des­wei­ten Armutsquote auf 15,5 Prozent (2018) zeich­nen sich besorg­nis­er­re­gende Entwicklungen und neue Problemregionen ins­be­son­dere in Westdeutschland ab. Der Verband spricht von einer Vierteilung Deutschlands und for­dert einen Masterplan zur Armutsbeseitigung.

Die Kluft zwi­schen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der ande­ren Seite wächst ste­tig und deut­lich und der Graben ver­läuft längst nicht mehr nur zwi­schen Ost und West“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Bei genaue­rer Betrachtung zeige sich Deutschland bei der Armut inzwi­schen vier­ge­teilt. Dem wohl­ha­ben­den Süden (Bayern und Baden-​Württemberg mit einer Armutsquote von zusam­men 11,8 Prozent), ste­hen NRW mit einer Armutsquote von 18,1 Prozent und der Osten (17,5 %) gegen­über. Dazwischen lie­gen die wei­te­ren Regionen Westdeutschlands mit einer Armutsquote von zusam­men 15,9 Prozent. „Der Armutsbericht zeigt, dass auch der Westen Deutschlands tief gespal­ten und weit ent­fernt ist von Einheitlichkeit oder gleich­wer­ti­gen Lebensbedingungen“, so Schneider.

Der Verband unter­sucht in der vor­lie­gen­den Studie die Armutsentwicklung auf Länder- und Regionalebene. In 35 von 95 Regionen ist die Armut laut Bericht zwi­schen 2008 und 2018 gesun­ken, dar­un­ter über­wie­gend ost­deut­sche Regionen. In gut einem Viertel aller Regionen ist die Armut im glei­chen Zeitraum um mehr als 20 Prozent gestie­gen. Insbesondere das Ruhrgebiet bleibe mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent bei 5,8 Millionen Einwohner*innen Problemregion Nummer 1. Der Paritätische iden­ti­fi­ziert dar­über hin­aus eine Reihe neuer Problemregionen („Die Abgestiegenen“), die, von guter Ausgangslage in 2008 gestar­tet, inzwi­schen eben­falls Armutsquoten auf­wei­sen, die über dem Bundesdurchschnitt lie­gen. Besonders schlecht stellt sich die Entwicklung in Hessen dar: Gehörte das Bundesland vor zehn Jahren noch zum wohl­ha­ben­den Süden, ist die Armut in Hessen seit­dem um 24 Prozent gestie­gen und damit so stark wie in kei­nem ande­ren Bundesland.

Der Paritätische weist schließ­lich auf die beson­dere Dynamik bei der Entwicklung von Altersarmut und der Armut Erwerbstätiger hin: Die Armut von Rentner*innen ist in den letz­ten zehn Jahren um 33 Prozent und damit so stark wie bei kei­ner ande­ren Gruppe ange­stie­gen. Von den erwach­se­nen Armen seien 29 Prozent in Rente und 32 Prozent erwerbs­tä­tig. Jedes fünfte Kind lebt in Armut.

Der Verband for­dert in sei­nem Bericht einen dezi­dier­ten Masterplan zur Armutsvermeidung, der die Politikfelder Arbeit, Wohnen, Alterssicherung, Pflege, Gesundheit, Familie, Bildung und Teilhabe umfasst. Neben einem armuts­fes­ten Mindestlohn und einer deut­li­chen Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV seien ins­be­son­dere Reformen der Altersgrundsicherung und die Einführung einer Kindergrundsicherung erfor­der­lich, um Armut wirk­sam vor­zu­beu­gen. Voraussetzung zur Realisierung sei dabei ein muti­ges Umsteuern in der Steuerpolitik.

Den Bericht, wei­tere Infos und eine detail­lierte Suchfunktion nach Postleitzahlen fin­den Sie am 12.12.2019 im Internet unter: www​.der​-pari​ta​e​ti​sche​.de/​s​c​h​w​e​r​p​u​n​k​t​e​/​a​r​m​u​t​s​b​e​r​i​cht

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