Neuss: 20-​jähriges Bestehen – Ökumenischen Notfallseelsorge im Rhein-​Kreis Neuss

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Die „Ökumenische Notfallseelsorge im Rhein-​Kreis Neuss“ (ÖNFS) fei­ert am 8. November 2019 ihr 20-​jähriges Bestehen mit einem öku­me­ni­schen Gottesdienst um 18.00 Uhr in St. Quirinus in Neuss.

Wer von Notfallseelsorge (NFS) hört, denkt zunächst an die gro­ßen Katastrophen und Szenarien, die wir aus den Medien ken­nen: Zugunglücke, Terroranschläge, Flugzeugabstürze. Hierauf berei­ten sich Notfallseelsorger und Notfallseelsorgeassistenten vor und ste­hen für sol­che Situationen ehren­amt­lich den betrof­fe­nen Menschen zur Seite.

Allerdings gibt es auch – viel häu­fi­ger – die kleine Katastrophe in der Familie, im Betrieb, im Freundes- oder Bekanntenkreis: plötz­li­cher Tod zu Hause, Suizid, töd­li­cher Verkehrsunfall oder Arbeitsunfall. Hier die Betroffenen in den ers­ten Stunden nach einem sol­chen Ereignis zu unter­stüt­zen und für sie prä­sent zu sein, hat sich die NFS ebenso zur Aufgabe gemacht.

Notfallseelsorge“ ist ein kirch­li­cher Dienst, der im Rhein-​Kreis Neuss von der evan­ge­li­schen und der katho­li­schen Kirche getra­gen wird. Dabei geht es um pro­fes­sio­nelle Begleitung, Hilfestellung, Stützung und psy­cho­so­ziale Notfallversorgung von Menschen, die durch Notsituationen getrof­fen wur­den, die sich in außer­ge­wöhn­li­chen Lagen befin­den oder die lebens­ge­fähr­dende, bedroh­li­che oder lebens­ge­fähr­li­che Situationen erle­ben. Hierbei sind die Notfallseelsorger und Notfallseelsorgeassistenten für Angehörige, Trauernde und Betroffene da. Es ist ein Dienst für alle Menschen in Notsituationen im Rhein-​Kreis Neuss, unab­hän­gig von Religion, Konfession oder Lebensweise, sofern der Notfallseelsorgeeinsatz durch die Kreisleitstelle der Feuerwehr Neuss aus­ge­löst wird.

Die Notfallseelsorge Neuss ent­stand im Jahre 1999 durch Gespräche von Pfarrerin Angelika Ludwig (Krankenhausseelsorge Lukaskrankenhaus) mit Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Nicht sel­ten stell­ten die Rettungskräfte nach einem Rettungseinsatz fest, dass sie betrof­fene Angehörige nach einem Einsatz allein zu Hause – ohne Betreuung durch Familie, Nachbarn oder Freunde – zurück­las­sen muss­ten. Sie spür­ten, dass das nicht die rich­tige Weise sei, um mit die­ser Situation umzu­ge­hen. Daneben zeigte sich durch grö­ßere Katastrophen in Deutschland, wie z.B. das ICE-​Unglück Eschede 1998 und das Flugtag-​Unglück von Ramstein 1988, dass es auch zu sol­chen schlim­men Ereignissen viel Handlungsbedarf zur Unterstützung von betrof­fe­nen Menschen gab.

Die ers­ten Planungen began­nen im Januar1999, so dass im Dezember 1999 die Ökumenische Notfallseelsorge Neuss gegrün­det wer­den konnte und sie dar­auf­hin auch ein­satz­fä­hig war. Neben Pfarrerin Angelika Ludwig und dem katho­li­schen Koordinator Michael Völkel waren Pfarrer Jochen König als Stadtdechant, sowie der Verbandsvorsitzende auf evan­ge­li­scher Seite, Pfarrer Hermann Schenck betei­ligt. In Kooperation mit Deutschem Roten Kreuz und dem St. Alexiuskrankenhaus konn­ten Einsatzbereitschaft, Notfallseelsorgefahrzeug, Notfallseelsorgeassistent, Einsatzplan, Übergabestellen des Notfallseelsorgehandys und mit dem gro­ßen ehren­amt­li­chen Engagement und vie­len Hilfestellungen von unter­schied­li­chen Seiten die Ökumenische Notfallseelsorge Neuss ans Laufen gebracht werden.

  • Nach dem ers­ten Jahr konn­ten bereits über 60 Einsätze ver­zeich­net werden.
  • Seit dem wer­den jähr­lich etwa 160 bis 180 Einsätze über­nom­men, das sind fast 3 Einsätze pro Woche im Schnitt.

Seit dem Jahr 2012 steht die Ökumenische Notfallseelsorge auf eige­nen Füßen und hat dazu auch ihr eige­nes Notfallseelsorgekraftfahrzeug, wel­ches gerade in kom­ple­xen Einsätzen bis zu 5 Betroffene auf­neh­men kann und als Rückzugsort für Notfallseelsorgegespräche gilt. Daneben beglei­ten Notfallseelsorgeassistenten, spe­zi­ell geschulte Mitarbeiter aus dem Rettungswesen, den Notfallseelsorger logis­tisch in sei­nem Einsatz.

Seit Beginn 1999 gab es grö­ßere Notfallseelsorgeeinsätze mit vie­len Betroffenen: 2007 Kraftwerkunglück Neurath, Juli 2010 Loveparade Duisburg, September 2012 Jobcenter-​Einsatz Neuss (Tödlicher Angriff auf eine Sachbearbeiterin).

Heute gibt es ca. 60 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Ökumenischen Notfallseelsorge im Rhein-​Kreis Neuss. Sie kom­men aus den unter­schied­lichs­ten Arbeitsbereichen oder Berufsgruppen, nicht sel­ten auch aus Feuerwehr und Rettungsdienst, und sind auf die Notfallseelsorge auf­merk­sam gewor­den. Neue Seelsorger und Assistenten wer­den in einem Seminar mit 80 Stunden auf ihre Aufgabe vor­be­rei­tet, wel­ches auch Praktika im Einsatzdienst, im Rettungsdienst sowie bei der Feuerwehr umfasst. Monatliche Dienstabende mit Fortbildung und Einsatznachbesprechungen, Übungen intern oder mit Feuerwehr und Rettungsdienst, sowie Gottesdienste tra­gen zu einer pro­fes­sio­nel­len Notfallseelsorge im Rhein-​Kreis Neuss bei.

Geleitet wird die Ökumenische Notfallseelsorge im Rhein-​Kreis Neuss der­zeit von der ev. Koordinatorin, Pfarrerin Angelika Ludwig, dem kath. Koordinator, Pfarrer Gregor Ottersbach und dem orga­ni­sa­to­ri­schen Koordinator Peter Zimmermann. Daneben gibt es einen Führungskreis bestehend aus Notfallseelsorgeassistenten und Notfallseelsorgern.

Im Herbst 2018 wurde der „Förderverein für die Notfallseelsorge im Rhein-​Kreis Neuss e.V“ gegrün­det. Mit dem Vorstand und Marcel Kübel an der Spitze des Vereins ist die Ökumenische Notfallseelsorge Neuss nun gut auf­ge­stellt. Dankbarkeit gilt jenen, die den Förderverein mit ins Leben geru­fen haben und sehr enga­giert die not­wen­di­gen Aufgaben ange­gan­gen sind.

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