Klartext​.NRW: Hohe Mieten – 122.000 Berufspendler im Rhein-​Kreis Neuss

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Klartext​.NRW – (IG BAU) Wenn Lebenszeit im Stau flö­ten geht: Die Zahl der Berufspendler im Rhein-​Kreis Neuss hat einen neuen Höchststand erreicht. 

Auf dem Weg zur Arbeit ver­lie­ßen im ver­gan­ge­nen Jahr rund 122.000 Menschen regel­mä­ßig die Grenzen des Kreises – das sind 26 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte der Kreis noch rund 97.000 soge­nannte Auspendler, wie die IG Bauen-​Agrar-​Umwelt mit­teilt. Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktu­elle Auswertung des Bundesinstituts für Bau‑, Stadtund Raumforschung (BBSR).

Gewerkschafterin Doris Jetten spricht von einem „alar­mie­ren­den Trend“. Eine Hauptursache für den Pendel-​Boom sei der Mangel an bezahl­ba­ren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. „Eine wach­sende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leis­ten. Aber genau dort sind in den letz­ten Jahren beson­ders viele Jobs ent­stan­den“, sagt die Bezirksvorsitzende der IG BAU Düsseldorf. Die Folge seien immer län­gere Staus und über­füllte Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus dem Rhein-​Kreis Neuss mitt­ler­weile gang und gäbe, betont Jetten. „Dabei geht nicht nur wert­volle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys ver­lo­ren. Auch die Umwelt lei­det unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-​Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch wei­ter vom Arbeiten ent­fer­nen. Nötig sei eine „dras­ti­sche Wende“ in der Wohnungsbaupolitik. „Die öffent­li­che Hand muss viel mehr als bis­her inves­tie­ren, um bezahl­ba­ren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaf­fen. Es feh­len vor allem Wohnungen im sozia­len und im bezahl­ba­ren Segment“, so Jetten.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unver­zicht­bar, um die Pendler zu ent­las­ten. „Vor allem beim Schienen‑, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Jetten deut­lich. Einen ent­schei­den­den Beitrag gegen den „Pendel-​Frust“ könn­ten zudem die Firmen leis­ten – indem sie es ihren Beschäftigten leich­ter machen, in Gleitzeit oder im Home-​Office zu arbeiten.

Die Pendler-​Problematik im Rhein-​Kreis Neuss ist Teil eines bun­des­wei­ten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pen­del­ten im letz­ten Jahr 39 Prozent aller sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen ande­ren Kreis zur Arbeit.

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