Rhein-​Kreis Neuss: Nitratbelastung im Brunnenwasser zu hoch – inten­sive Landwirtschaft verantwortlich

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Rhein-​Kreis Neuss – Der VSR-​Gewässerschutz e.V musste lei­der wie­der Bürgern mit­tei­len, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat ent­hält. Viele Menschen kamen in der Hoffnung, dass ihr Brunnenwasser nicht von den Nitratbelastungen betrof­fen ist, an den Informationsstand im September in Neuss.

Jeder zehnte Brunnenbesitzer wurde ent­täuscht und musste erfah­ren, dass der Grenzwert der deut­schen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in sei­nem Brunnen über­schrit­ten ist.

Insgesamt wurde das Wasser von 115 pri­vat genutz­ten Brunnen aus dem Raum Neuss – Kaarst – Korschenbroich analysiert.

Ein Grund für die hohen Belastungen ist die inten­sive Landwirtschaft. Diese hat sich in den letz­ten Jahrzehnten immer wei­ter aus­ge­brei­tet. Die bis­he­ri­gen Düngeverordnungen ermög­lich­ten der Agrarindustrie zu wach­sen und ihre land­wirt­schaft­li­chen Flächen auf Kosten der Umwelt zu über­dün­gen.“ so Susanne Bareiß-​Gülzow, Vorsitzende im VSR-​Gewässerschutz. Die umwelt­ver­träg­li­che Form der Landwirtschaft, zu der viele bäu­er­li­chen Betriebe zäh­len, ver­schwin­den dage­gen immer mehr.

Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern bei ihrem Einkauf bewusst dar­auf zu ach­ten, dass die Produkte von Landwirten stam­men, wel­che die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen.

Dipl. Phys. Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-​Gewässerschutz und Milan Toups, Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst, fan­den bei den Untersuchungen 129 Milligramm Nitrat pro Liter in einem pri­vat genutz­ten Brunnen in Hoisten. Weitere mit Nitraten stark ver­schmutzte Brunnen stell­ten die Umweltschützer in Korschenbroich (Ort) mit 58 mg/​l, in Kleinenbroich mit 81 mg/​l, in Büttgen mit 70 mg/​l und in Lanzerath mit 64 mg/​l fest.

Am Informationsstand und auch bei der tele­fo­ni­schen Beratung zeig­ten viele Brunnenbesitzer, dass sie über die Nitratbelastungen der Region wütend sind. Sie möch­ten es nicht mehr ein­fach hin­neh­men, dass ihr Brunnenwasser nur ein­ge­schränkt nutz­bar ist.

Ärgerlich ist ins­be­son­dere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeig­net ist. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen kön­nen anschlie­ßend zu Fischsterben füh­ren. Auch beim Gießen des selbst ange­bau­ten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung füh­ren. Der ein­zelne Brunnenbesitzer kann eine Anreicherung ver­mei­den, wenn er die Nitratbelastung des Brunnenwassers in die Düngeberechnung ein­be­zieht. Hierfür ist es aller­dings drin­gend nötig die Nitratkonzentration im Brunnenwasser zu kennen.

Die gemein­nüt­zige Umweltschutzorganisation hat auf ihrer Homepage https://www.vsr-gewässerschutz.de/ viele Tipps rund um das Thema Brunnenwasser zusam­men­ge­stellt. Hier fin­det man auch Informationen wie man den zuge­führ­ten Stickstoff durch das Gießwasser ausrechnet.

Die erneut anste­hende Novellierung der Düngeverordnung zeigt, dass etwas mäch­tig schief gelau­fen ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser blieb auf­grund von zu laschen Düngeverordnungen unver­än­dert hoch. „Die Agrarlobby sorgte über Jahrzehnte dafür, dass so gedüngt wer­den durfte, dass auf den Feldern die höchst mög­li­chen Erträge erzielt wer­den kön­nen und die Gülleentsorgung der Massentierhaltungen mög­lichst geringe Kosten ver­ur­sacht.“ so Susanne Bareiß-Gülzow.

So wur­den auch im Raum Neuss viel zu hohe Düngemengen auf­ge­bracht. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft zu immer grö­ße­ren Betrieben in denen Investoren die Vorgaben machen, kam ein extre­mer Preisdruck auf die bäu­er­li­che Landwirtschaft zu. Teilweise ver­suchte diese mit den gro­ßen Betrieben mit­zu­hal­ten und genau so güns­tig zu pro­du­zie­ren. Leider kam es dadurch eben­falls zu star­ken Grundwasserbelastungen. Doch eine regio­nale Vermarktung stellt nun für diese Betriebe eine gute Chance dar wie­der stär­ker die Lebensmittelqualität und eine umwelt­ver­träg­li­che Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.

Harald Gülzow (links im Bild) nimmt eine Wasserprobe von einer Brunnennutzerin am Labormobil ent­ge­gen. Foto: VSR

Gerade die vie­len Massentierhaltungen und ihre enorme Belastung für das Grundwasser wol­len viele Menschen nicht mehr unter­stüt­zen und kau­fen ihre Produkte bei ihrem hei­mi­schen Landwirt mit dem sie im Kontakt ste­hen. Das sind bäu­er­li­che Betriebe mit weni­ger Tieren. Das Futter wird selbst oder von ande­ren Landwirten in der Region ange­baut. Viele die­ser Höfe haben inzwi­schen auch auf öko­lo­gi­schen Landbau umge­stellt. Der direkte Einkauf beim Landwirt wird immer belieb­ter – die Menschen fah­ren zum Hofladen, auf den Markt oder las­sen sich Lebensmittel nach Hause liefern.

Die ande­ren ach­ten beim Einkauf im Discounter dar­auf, dass die Produkte aus der hei­mi­schen bäu­er­li­chen Landwirtschaft stam­men. Die Menschen kau­fen in den sel­tens­ten Fällen bewusst Produkte einer Massentierhaltung. Denn hier wer­den sie als Kunde mit ihren Wünschen nicht ernst genom­men. Diese pro­du­zie­ren für einen anony­men Handel. Hier spielt die Grundwasserqualität der Region, die Gesundheit der Verbraucher und das Tierwohl nur im gesetz­li­chen Rahmen eine Rolle. Das reicht vie­len Verbrauchern nicht mehr aus – sie han­deln selbst. Viele kau­fen des­halb auch bewusst öko­lo­gi­sche Produkte. Hier gel­ten wesent­lich stren­gere Regeln bezüg­lich der Tierhaltung und der Düngung auf den Feldern.

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