Grevenbroich: Uhu „Karlchen“ wurde ausgewildert

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Robert Schilken, Herausgeber



Grevenbroich – Sonntagnachts 23.30 Uhr, das Telefon klin­gelt, die Werksfeuerwehr des RWE-​Frimmersdorf bit­tet um Hilfe bezüg­lich einer Eule, der es „nicht gut“ gehe. 

Da Telefondiagnosen in sol­chen Fällen nahezu unmög­lich sind, ent­schlos­sen wir uns, vor Ort nach dem Rechten zu schauen. Wir tra­fen uns mit den dor­ti­gen Mitarbeitern und fuh­ren in dem weit­läu­fi­gen Gelände im Gewirr von Rohrleitungen, Treppen und Kabelsträngen den Fundort an. Dort fan­den wir Karlchen ziem­lich gries­grä­mig unter einer Treppe sit­zend vor, es han­delte sich um einen nur wenige Wochen alten Junguhu.

Nachdem wir am Fundort eine halb­ver­daute, aus­ge­würgte Ratte gefun­den hat­ten und eine Vergiftung nicht aus­zu­schlie­ßen war ent­schlos­sen wir uns, den Vogel zunächst zur Beobachtung zu ber­gen. Zu Hause etwas zur Ruhe gekom­men zeigte der Vogel keine Ausfallerscheinungen, er wurde dun­kel unter­ge­bracht und mit Futter in sei­ner Box ver­sorgt. Gespannt schau­ten wir am nächs­ten Morgen nach, alle ange­bo­te­nen Ratten und Mäuse waren aufgefressen.

Jetzt hieß es noch sicher­heits­hal­ber die Gewölleproduktion abzu­war­ten, nach­dem auch die­ses unauf­fäl­lig und gesund aus­sah ent­schlos­sen wir uns, den Jungvogel in Brutplatznähe auf das Dach ober­halb des Fundortes zurück­zu­füh­ren. Dies ist bei Vögeln pro­blem­los mög­lich, sie wer­den von den Altvögeln sehr schnell wie­der ange­nom­men. Die Rückführung auf das Dach über­nah­men hier die sehr enga­gier­ten Mitarbeiter des RWE, die dann auch am nächs­ten Tag erfreut mit­teil­ten, dass der Junguhu wohl den Neststandort wie­der­ge­fun­den habe und dort an einer gro­ßen Beute fres­send säße

Das wie­derum ver­wirrte uns etwas, junge Uhus in die­sem Alter zer­tei­len große Beute noch nicht selb­stän­dig, so dass ein Foto der Situation erbe­ten wurde. Auf dem über­sand­ten Foto war nun ein­deu­tig zu erken­nen, der Jungvogel saß neben einem toten Altvogel und ver­suchte ziem­lich offen­sicht­lich, die­sen um Futter anzubetteln.

So konnte das nicht blei­ben, Karlchen sollte nicht ver­hun­gern, schließ­lich han­delt es sich in hie­si­ger Gegend um eine sel­tene und auch bun­des­weit um eine streng geschützte Art. Also musste der Uhu wie­der run­ter vom Dach und auf­ge­zo­gen wer­den. Nach einer Vielzahl an Telefonaten mit Behörden und befreun­de­ten Greifvogel- und Eulenspezialisten erklärte sich unser Freund Martin Hagemann von der Falknerei vom Löwenbrunnen spon­tan bereit, sich um den Junguhu zu kümmern.

Martin hält selbst in sei­ner Falknerei ein Uhu-​Weibchen namens Gretel, das zu die­sem Zeitpunkt zwei Jungvögel auf­zog, sodass wir Gretel unse­ren Jungvogel zur Ammenaufzucht bei­setz­ten. Das klappte her­vor­ra­gend und hat natür­lich den ent­schei­den­den Vorteil, dass der Jungvogel nicht zahm wird und der Ammenvogel dem Jungtier alle art­ei­ge­nen Verhaltensweisen bei­bringt, die man als Junguhu im Leben eben so braucht.

Nach wochen­lan­ger, für­sorg­li­cher Pflege durch Gretel unter Martins Aufsicht war jetzt der Zeitpunkt der Freilassung gekom­men, aus Karlchen war ein gesun­der, kräf­ti­ger und wun­der­schö­ner, wild­bahn­fä­hi­ger Uhu gewor­den, den wir dann in der letz­ten Woche erfolg­reich in unmit­tel­ba­rer Nähe sei­nes Geburtsortes wie­der frei­las­sen konnten.

Norbert Wolf, Umweltbeauftragter der Stadt Grevenbroich (Text/​Fotos)

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