Korschenbroich: Zeelink Pipeline läuft acht Kilometer durch das Stadtgebiet

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Robert Schilken, Herausgeber



Korschenbroich – An der Kreisstraße 4 bei Glehn ist in Höhe des Brückenbauwerks in Richtung Kleinenbroich in den ver­gan­ge­nen Wochen eine breite Schneise entstanden. 

Sie setzt sich über die Kläranlage an der B230 fort. Hierbei han­delt es sich um die Zeelink-​Trasse. Diese Fernleitung soll künf­tig Erdgas vom bel­gi­schen Zeebrügge ins deut­sche Netz leiten.

Die Pipeline hat eine Gesamtlänge von etwa 215 Kilometern. Das Korschenbroicher Stadtgebiet ist auf einer Trassenlänge von ca. acht Kilometern betrof­fen. Im ers­ten Arbeitsschritt wird dabei der Mutterboden auf einer Breite von rund 30 Metern abge­ho­ben und seit­lich an der Trasse in Mieten gela­gert. Je nach Mutterbodenstärke müs­sen hier durch­schnitt­lich 15 Kubikmeter Mutterboden pro lau­fen­den Meter Trasse bewegt wer­den. Hochgerechnet auf die acht Kilometer Trassenlänge muss man also von 120.000 Kubikmetern Mutterboden aus­ge­hen, der zunächst abge­ho­ben und zum Abschluss der Arbeiten wie­der ange­deckt wird. Fügt man den Erdaushub für den Rohrgraben- und Baugrubenaushub hinzu, so ergibt sich eine gesamte Bodenbewegung von ca. 180.000 Kubikmetern auf dem Gebiet der Stadt Korschenbroich.

Zum Einsatz kom­men Baumaschinen zur Erdbewegung, ins­be­son­dere Bagger mit spe­zi­el­len Schaufeln zum Abtragen der ein­zel­nen Bodenschichten. Darüber hin­aus gibt es spe­zi­elle Geräte zur Rohrverlegung, soge­nannte Seitenbäume. Hiermit wer­den in der Regel meh­rere ver­schweißte Rohre in den Rohrgraben ein­ge­ho­ben. Großbohranlagen sor­gen für eine gra­ben­lose Unterquerung der vor­han­de­nen Infrastrukturen (Bahnlinien, Autobahnen und Bundesstraßen etc.). Spezielle Rohrtransporter brin­gen die die Rohre von den Lagerplätzen auf die Baustelle. Insgesamt sind 50 Großgeräte und etwa 200 Personen auf dem „Baulos 3“ der Zeelink zwi­schen St. Hubert und Hochneuenkirch eingesetzt.

Im März 2021 soll die gesamte ZEELINK-​Pipeline in Betrieb genom­men wer­den. Sie ermög­licht die zuk­zes­sive Umstellung von „L‑Gas“ auf „H‑Gas“. (Je nach Förderquelle unter­schei­det sich die che­mi­sche Zusammensetzung von Gas. Das L‑Gas aus den deut­schen und nie­der­län­di­schen Quellen hat einen nied­ri­ge­ren Brennwert als das H‑Gas aus der Nordsee und den GUS-​Staaten. Das L‑Gas wird in den kom­men­den Jahren immer begrenz­ter zur Verfügung ste­hen und in Deutschland bis zum Jahr 2030 um etwa 90 Prozent zurück­ge­hen. Importe aus etwa Norwegen, Großbritannien oder Russland wer­den dann den Bedarf decken.)

Foto: Stadt

Die Hauptarbeiten im „Baulos 3“ – dazu gehört auch Korschenbroich – wer­den bis Ende 2019 fer­tig­ge­stellt. Rekultivierungsmaßnahmen schlie­ßen sich vor­aus­sicht­lich im Frühjahr 2020 an. Natürlich läuft die Trasse nicht durch „Niemandsland“. Vielmehr sind nach Angaben der aus­füh­ren­den Baufirma vom Landwirt über den Bewirtschafter bis hin zum Garten einer Privatperson alle Eigentumsverhältnisse dabei. Allen Beteiligten wur­den zei­tig infor­miert. „Selbstverständlich wer­den die betrof­fe­nen Grundstückseigentümer im Rahmen der gesetz­li­chen Vorgaben ent­schä­digt. Mit inbe­grif­fen ist auch der Ernteausfall für Landwirte. Im Bereich der Landwirtschaft tref­fen wir im Vorfeld Vereinbarungen mit den ört­li­chen Landwirtschaftskammern“, so ein Sprecher der aus­füh­ren­den Firma „Open-​Grid-​Europe“. Das Land werde anschlie­ßend wie­der voll land­wirt­schaft­lich nutz­bar sein, dürfe aber in einem Schutzstreifen jeweils fünf Meter links und rechts des Leitungsverlaufs nicht bebaut wer­den. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Korschenbroich ver­laufe reibungslos.

Die Zeeelinktrasse mit ihren ins­ge­samt 215 Kilometern zwi­schen Aachen und Legden im Münsterland ist in fünf regio­nale „Baulose“ unter­teilt, die in unter­schied­li­chen Zeiträumen par­al­lel bear­bei­tet wer­den. Wenn die Arbeiten in Korschenbroich abge­schlos­sen sind, geht es im „Baulos 5“ von Legden in Richtung Süden wei­ter. Zeitgleich zu die­sen Arbeiten wird in den Baulosen 1, 2 und 4 gearbeitet.

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