Dormagen: Feuerretter tra­gen im Einsatz bis zu 40 Kilogramm Ausrüstung

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Robert Schilken, Herausgeber



Dormagen – Die Atemluftflasche wiegt schwer auf dem Rücken. Unter der Schutzkleidung bil­den sich die ers­ten Schweißtropfen. Es ist heiß in der Wohnung auf der drit­ten Etage. 

Feuerwehrmann Kai Boßems (24) und seine Kollegen sind zu einem Küchenbrand geru­fen wor­den. Der Raum ist vol­ler Rauch. Unter den Schutzmasken ist das ange­strengte Atmen der Einsatzkräfte zu hören. „Bei einem Küchenbrand ist das Löschen an sich recht schnell erle­digt“, erläu­tert Boßems, der seine Ausbildung zum Brandmeister im Juni erfolg­reich abschlos­sen hat. Aber egal, ob Küchen- oder Lagerhallenbrand: Im Einsatz tra­gen die Feuerwehrleute Ausrüstung und Schutzkleidung, die ins­ge­samt rund 40 Kilogramm wiegt. 

Allein die Schutzkleidung wiegt mehr als zehn Kilogramm. Sie besteht aus Helm, Schutzmantel und Schutzhose, Stiefeln und Handschuhen. Je nach Einsatzszenario kommt wei­te­res Equipment hinzu. Bei einem Zimmerbrand gehö­ren zum Beispiel Funkgerät, Handlampe, Atemschutzausrüstung, Rettungsmesser, Feuerwehraxt und Wärmebildkamera dazu. Das Schlauchpaket, das die Retter tra­gen, wiegt alleine rund acht Kilogramm.

Gerade bei die­sen som­mer­li­chen Temperaturen for­dert die­ses Gewicht den Feuerwehrleuten Höchstleistungen ab. „Wenn es in nor­ma­ler Kleidung schon warm ist, ist es im Schutzanzug beson­ders warm – Wärme XXL sozu­sa­gen“, sagt Boßems mit einem Lächeln und fügt jedoch erns­ter hinzu: „Im Einsatz sind wir es gewohnt, bei sehr hohen Temperaturen zu arbei­ten. Jeder Feuerwehrmann muss aber dafür sor­gen, dass sein Flüssigkeitshaushalt nicht aus dem Gleichgewicht kommt. Deshalb trin­ken wir – wenn mög­lich – auf der Fahrt zum Einsatz bis zu einem hal­ben Liter Wasser.“

Um im Einsatz Höchstleistung brin­gen zu kön­nen, trai­nie­ren die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner täg­lich. Einsatzübungen, aber auch Sport gehö­ren dazu. „Rund andert­halb Stunden Kraft- und Ausdauertraining sowie Physiotherapie ste­hen auf dem Programm“, erläu­tert Hauptbrandmeister und Nachwuchs-​Koordinator Stefan Kemper. Zudem wird auch bei den ehren­amt­li­chen Einheiten ein­mal in der Woche ein Einsatz simu­liert. In die­sen Einsatzübungen wer­den alle mög­li­chen Szenarien durch­ge­spielt: vom Zimmerbrand über die Rettung von ein­ge­klemm­ten Personen etwa bei Verkehrsunfällen bis hin zu Gefahrstoffaustritt. Auch wer­den regel­mä­ßig Tier‑, Höhen- oder Tiefenrettung trainiert. 

Die Übungen die­nen neben der Wiederholung von wich­ti­gen Abläufen auch dazu, dass unsere Feuerwehrleute ein Gefühl für ihre Schutzkleidung und die Geräte bekom­men“, erläu­tert Kemper. „Wer sich wäh­rend der Einsatzübung in eine bestimmte Situation schon mal hin­ein­ge­dacht hat, weiß im Einsatz schnel­ler, was zu tun ist. Wir wol­len keine Superhelden, son­dern Profis, die einen küh­len Kopf bewah­ren und in Extremsituationen die rich­ti­gen Entscheidungen treffen.“

Bei einem Zimmerbrand rücken drei Fahrzeuge mit zehn Feuerwehrleuten der Hauptwache aus. Unterstützt wer­den sie von zwei ört­li­chen Einheiten der frei­wil­li­gen Feuerwehr. Am Einsatzort ein­ge­trof­fen, erkun­det zunächst der Einsatzleiter die Zugangswege und befragt Hausbewohner und Nachbarn, ob noch jemand im Haus ist. „Die Vorab-​Erkundung kann für Menschen und Tiere, die sich etwa in der Wohnung auf­hal­ten, lebens­wich­tig sein“, betont Kemper. Währenddessen berei­ten sich die übri­gen Feuerwehrleute auf den Löschangriff vor und war­ten auf den Einsatzbefehl. 

Die wich­tigste Regel: „Wir gehen erst in ein bren­nen­des Gebäude, wenn alle Einheiten vor Ort sind. Ein Sicherheitstrupp bleibt als Reserve drau­ßen. Die Kameraden sind unsere Lebensversicherung, sollte uns etwas pas­sie­ren“, erläu­tert Kemper. 

Im Haus wer­den die Rettungsleinen aus einem umge­häng­ten Beutel genom­men und ein­ge­hakt. „Sie die­nen zur Menschen- und Selbstrettung. Zudem sichern sie den Feuerwehrleuten den Rückweg“, erläu­tert Kemper. Für Personen, die in einem rauch­ver­han­ge­nen Zimmer ein­ge­schlos­sen sind, tra­gen Feuerwehrleute eine Brandfluchthaube bei sich. Dies ist eine Art Atemmaske mit Filter für die Betroffenen. 

Die Dauer eines Einsatzes vari­iert. „Von der Ankunft bis zum Löschen eines Zimmerbrands ver­ge­hen durch­schnitt­lich viel­leicht rund 15 Minuten“, über­schlägt der 47-​jährige Kemper. „Bei außer­ge­wöhn­lich gro­ßen und kom­ple­xen Lagen natür­lich mehr.“ Boßems nickt zustim­mend. Der junge Feuerwehrmann wurde mit 13 Jahren Mitglied der Jugendfeuerwehr und machte sein Hobby spä­ter zum Beruf. Neben sei­ner haupt­amt­li­chen Tätigkeit ist er wei­ter Mitglied der frei­wil­li­gen Feuerwehr in Norf. „Ein biss­chen feu­er­wehr­ver­rückt, ich weiß. Aber für mich gibt es nichts Schöneres“, sagt der frisch­ge­ba­ckene Brandmeister.

Wenn ein Wohnungsbrand gelöscht ist, ist der Einsatz noch längst nicht been­det. „Es muss erst noch ent­lüf­tet und geprüft wer­den, ob Wasserschäden ent­stan­den sind. Außerdem mes­sen wir den CO-​Gehalt der Raumluft“, berich­tet Kemper. Wenn eine Wohnung nicht mehr bewohn­bar ist, unter­stüt­zen die Florianer bei der Suche nach einer vor­über­ge­hen­den Unterkunft für die Betroffenen.

Zurück in der Wache beginnt die Nachbereitung. Die Schutzkleidung muss gewa­schen und des­in­fi­ziert, das Equipment geprüft und die Schläuche gewa­schen wer­den. „Atemschutzmasken wer­den aus­ein­an­der­ge­nom­men, gerei­nigt und anschlie­ßend in der Werkstatt wie­der zusam­men­ge­setzt und geprüft“, sagt Kemper. „Das wird mit der aller­größ­ten Sorgfalt gemacht. Denn im Ernstfall ermög­li­chen uns diese Geräte das Atmen, wo eigent­lich keine Luft zum Atmen mehr ist.“ So ein biss­chen Superhelden sind sie also doch.

Foto: Stadt

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