Meerbusch: Hauseigentümer und „Kanal-​TÜV” – pri­vate Abwasserleitungen prü­fen las­sen: Vorsicht bei „win­di­gen” Angeboten

Meerbusch – Die Aussage des Gesetzgebers ist denk­bar ein­fach: Das bun­des­weit gül­tige Wasserhaushaltsgesetz (WHG) schreibt vor, dass Abwasserleitungen dicht sein müs­sen.

Näheres regelt in Nordrhein-​Westfalen seit 2013 die „Selbstüberwachungsverordnung Abwasser“. Die Verordnung ersetzt bis­he­rige Regelungen zur Dichtheitsprüfung und schreibt Fristen vor, bis zu denen Privateigentümer ihre Abwasserleitungen über­prü­fen las­sen müs­sen. „Jeder Eigentümer ist ver­pflich­tet, den ord­nungs­ge­mä­ßen Zustand sei­ner Abwasseranlagen selbst zu über­wa­chen”, erklärt Michael Assenmacher, Technischer Beigeordneter der Stadt. Was vie­len Menschen nicht bekannt ist: „Kanalbetreiber” im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes sind nicht nur die Kommunen sowie Gewerbe- und Industriebetriebe, son­dern auch die pri­va­ten Grundstückseigentümer.

Die Ende 2015 abge­lau­fene Frist für alle Abwasserleitungen, die in einer Wasserschutzzone lie­gen, galt für alle Gebäude, die vor dem 1. Januar 1965 errich­tet wur­den. „Alle danach ver­leg­ten Leitungen in Wasserschutzzonen müs­sen bis Ende 2020 auf Dichtheit geprüft wer­den”, so Assenmacher. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Haus in einer Wasserschutzzone liegt, kann auf der Internetseite der Stadt, www​.meer​busch​.de, unter dem Suchwort „Dichtheitsprüfung” eine haus­num­mer­scharfe Straßenliste ein­se­hen. In Meerbusch sind die Wasserschutzzonen recht groß, betrof­fen sind Wohngebiete in allen Stadtteilen außer Büderich, Nierst und Langst-​Kierst.

Im Fachbereich Straßen und Kanäle der Stadtverwaltung bera­ten die Mitarbeiter Raphael Bahners und Joachim Beumer gerne Hauseigentümer, die unsi­cher sind. Beide raten drin­gend, für eine Kanaluntersuchung nur zuge­las­sene Fachfirmen mit Sachkundenachweis zu beauf­tra­gen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in (LANUV) bie­tet eine Liste aller ver­trau­ens­wür­di­gen und sach­kun­di­gen Firmen an. „Dazu emp­feh­len wir, sich im Vorfeld mög­lichst meh­rere Angebote ein­zu­ho­len”, so Bahners.

Schon in der Vergangenheit haben sich bei der Stadtverwaltung ver­mehrt Bürger gemel­det, die unse­riö­sen Firmen auf­ge­ses­sen waren. Das Vorgehen der so genann­ten „Kanal-​Haie” ist häu­fig ähn­lich. Zunächst werde eine so genannte „Leitungsüberprüfung” für einen güns­ti­gen Pauschalbetrag von teil­weise unter 80 Euro ange­prie­sen. Ein rea­lis­ti­scher Preis für die Prüfung der Schmutzwasserleitungen eines Einfamilienhauses liege aller­dings bei etwa 300 bis 500 Euro.

Dann teile die Firma – oft münd­lich und ohne ent­spre­chende Nachweise – mit, dass sich die Abwasserleitung in einem deso­la­ten Zustand befinde. Werde nicht sofort saniert, so die Drohung, mache sich der Eigentümer wegen Umweltverschmutzung straf­bar. „Im Sanierungsangebot über meh­rere tau­send Euro sind dann häu­fig Wucherpreise ange­setzt”, weiß Raphael Bahners, „und dies nicht sel­ten für unnö­tige und unsach­ge­mäße Leistungen.” Wer sich hier über­rum­peln lasse, zahle leicht dop­pelt. Denn: Pfusch bei der Sanierung kann teuer wer­den, weil unter Umständen sowohl die Dichtigkeitsprüfung als auch die gesamte Sanierung wie­der­holt wer­den müss­ten.

Kontakt zur Abteilung Grundstücksentwässerung:

Raphael Bahners
02150 – 916 210
E‑Mail: raphael.bahners@meerbusch.de

Joachim Beumer
02150 – 916 175
E‑Mail: joachim.beumer@meerbusch.de

Sprechzeiten:
diens­tags 8 bis 12 Uhr, don­ners­tags 14 bis 16 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Adresse: Wittenberger Straße 21
40668 Meerbusch – Lank-​Latum

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