Neuss: Suchtexperte der Caritas im Gespräch – „Alkoholmissbrauch betrifft immer die gesamte Familie“

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – In Deutschland gel­ten rund 1,8 Millionen Menschen zwi­schen 18 und 64 Jahren als alko­hol­ab­hän­gig. Im Jahr 2016 wur­den 16.770 Verkehrsteilnehmer durch Unfälle in Verbindung mit Alkohol verletzt. 

Anlässlich der dies­jäh­ri­gen Aktionswoche (18. bis 26. Mai 2019) wol­len Einrichtungen, Dienste und staat­li­che Stellen das Problem in das gesell­schaft­li­che Bewusstsein rufen.

Im Rhein-​Kreis Neuss laden das Straßenverkehrsamt des Kreises und der Arbeitskreis der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft – ein Netzwerk aus Einrichtungen, Selbsthilfegruppen und Fachdiensten zum Thema Sucht – zu einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 23. Mai 2019. Michael Weege ist Präventionsexperte der Caritas-​Fachambulanz für Suchtkranke und Teil der Arbeitsgemeinschaft. Er fin­det, dass die Gesellschaft sen­si­bler für Alkoholerkrankungen wer­den muss. Im Gespräch gibt er Tipps zum Umgang mit Menschen, die Probleme mit Ihrem Alkoholkonsum haben. 
 
Wie erkennt man alko­hol­kranke Menschen und pro­ble­ma­ti­sche Trinker?
 
Michael Weege: Es gibt die typi­schen Hinweise: Der Betroffene riecht nach Alkohol – auch vor­mit­tags oder mit­tags. Er gehört bei Partys und Feiern immer zu denen, die viel trin­ken und auf­fal­lend wer­den. Es gibt aber auch eine andere Gruppe. Diese ent­wi­ckelt viele Strategien, um die Erkrankung zu ver­schlei­ern. Bei die­sen Menschen Probleme zu erken­nen, ist für Angehörige und Freunde sehr schwierig.
 
Wie kann man Betroffene auf ihr Problem ansprechen?
 
Michael Weege: Ist man dem Menschen nahe, sollte man das Gespräch suchen. Die Rückmeldung, dass da ein Problem besteht, ist für den Betroffenen sehr wich­tig, um über­haupt ein Problembewusstsein zu schaf­fen. Das ist aber nur ein aller­ers­ter, sehr klei­ner Schritt.
 
Wie sollte man mit einem Alkoholkranken umgehen?
 
Michael Weege: Eine Alkoholerkrankung betrifft immer die gesamte Familie, denn auch Partner und Kinder lei­den unter dem Trinken eines Familienmitglieds. Zudem ist sie meist ein sehr lang­wie­ri­ger Prozess. Im Schnitt dau­ert es in Deutschland 15 Jahre bis ein alko­hol­kran­ker Mensch bereit ist, sich Hilfe zu holen. Das ist für Angehörige und Freunde oft ein gro­ßes Problem. Sie füh­len sich hilf­los im Umgang mit dem Erkrankten. Denn der Betroffene muss selbst die Einsicht ent­wi­ckeln, dass er Hilfe braucht. Einreden kann man ihm das nicht. Unsere Präventionsarbeit und auch die Aktionswoche zie­len dar­auf ab, Betroffene frü­her in die Beratung und in die Therapieangebote zu holen. Zur Einsicht hel­fen manch­mal dras­ti­sche Erfahrungen. Wenn der­je­nige etwa wegen einer Kleinigkeit von der Polizei im Straßenverkehr ange­hal­ten und sein Alkoholmissbrauch dabei ent­deckt wird. Polizisten sind sehr gut geschult darin, Alkoholmissbrauch zu erken­nen. Ein hoher Promillegehalt im Blut kann dras­ti­sche Strafen nach sich zie­hen. Das kann hilf­reich sein, um beim Betroffenen den Gedanken anzu­bah­nen: „Ja, ich habe ein Problem“.
 
Wo kann man sich pro­fes­sio­nelle Hilfe holen?
 
Michael Weege: Die zen­trale Anlaufstelle für Alkoholprobleme im Rhein-​Kreis ist die Caritas mit der Fachambulanz für Suchtkranke in Neuss, Grevenbroich und Dormagen. Hilfe gibt es aber auch beim Kreisgesundheitsamt und bei der Jugend- und Drogenberatung Neuss. Je nach Fall und Lage ver­mit­teln die Dienste an die rich­tige Stelle.
 
Infoveranstaltung zur Aktionswoche „Alkohol“
Straßenverkehrsamt des Rhein-​Kreis Neuss und Arbeitskreis der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (AK PSAG)
23. Mai 2019, 10.30 bis 18 Uhr
Lichthof Kreishaus Neuss
Oberstraße 91
41460 Neuss
Fahrsimulator: Erfahren wie Alkohol wirkt
Infos + Gespräche mit Vertretern des AK PSAG
Alkoholfreie Cocktails
 
Fachambulanz für Suchtkranke
Rheydter Str. 176
41464 Neuss
Telefon: 02131 889–170
Fax: 02131 889–182
E‑Mail: fachambulanz@caritas-neuss.de

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