Jüchen: Lebensbedingungen für Insekten dras­tisch ver­schlech­tert – Grünflächen in Wildblumenwiesen umwandeln

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Robert Schilken, Herausgeber



Jüchen – Vor dem Hintergrund sich dras­tisch ver­schlech­tern­der Lebensbedingungen für Insekten hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss der Stadt Jüchen im Februar 2019 beschlos­sen, aus­ge­wählte Grünflächen durch Umwandlung in Wildblumenwiesen öko­lo­gisch aufzuwerten.

In den nächs­ten Wochen sol­len zunächst rund 8.000 m² arten­arme Rasenflächen mit regio­na­lem Saatgut, das über 30 ver­schie­dene Kräuterarten ent­hält, ein­ge­sät wer­den. Weitere kom­mu­nale Flächen von rund 5.000 m² wer­den im Spätsommer folgen.

Seit 2005 ver­folgt die Stadt Jüchen eine nach­hal­tige Strategie bei ihren Grünflächen. So wur­den auf einer Vielzahl von öko­lo­gi­schen Ausgleichsflächen an den Ortsrändern und in der freien Landschaft exten­siv gepflegte Wildkräuterwiesen in einer Größenordnung von 16 Hektar ange­legt. Kontinuierlicher Neuerwerb von land­wirt­schaft­li­chen Grundstücken ermög­licht in naher Zukunft die Schaffung wei­te­rer Blühwiesen, die punk­tu­ell mit insek­ten­freund­li­chen Baum- und Strauchgehölzen, ins­be­son­dere Wildobstarten, ange­rei­chert wer­den. Hierdurch wer­den auch Habitatstrukturen geschaf­fen, die für sonst im Offenland lebende Tierarten, dar­un­ter viele Feldvögel und Kleinsäuger wich­tig sind.

Um die Artenvielfalt lang­fris­tig zu stei­gern, koope­riert die Stadt Jüchen mit Pferdehaltern, die das Mähgut grö­ße­rer zusam­men­hän­gen­der Wiesen ver­wer­ten. Dadurch kön­nen die Böden aus­ge­ma­gert und somit die Wuchsbedingungen für die Kräuter ver­bes­sert wer­den, was wie­derum das Nahrungsangebot für die Insekten stei­gert. Auf sehr nähr­stoff­rei­chen Standorten kann unter Umständen auch eine sehr frühe Mahd dazu bei­tra­gen, die oft­mals domi­nan­ten Gräser zu unter­drü­cken. Durch diese Maßnahme spart die Stadt Pflege- und Entsorgungskosten und führt den Aufwuchs einer sinn­vol­len Verwendung zu.

Ein gelun­ge­nes Beispiel für die natur­nahe Gestaltung und Entwicklung einer öko­lo­gi­schen Ausgleichsfläche stellt das zwi­schen Otzenrath und Spenrath gele­gene Areal dar, wo im Rahmen der Umsiedlung ein viel­fäl­tig struk­tu­rier­ter Grünzug mit Wiesen, Gebüschen und Feuchtzonen ent­stan­den ist, der die Lebensraumansprüche vie­ler Tier- und Pflanzenarten inmit­ten einer durch Landwirtschaft gepräg­ten Kulturlandschaft erfüllt. Auch die fast einen Hektar große Blumenwiese am NABU-​Naturlehrpfad zwi­schen Jüchen und Herberath zeigt bereits zwei Jahre nach der Einsaat eine bemer­kens­werte pflanz­li­che Vielfalt. Und nicht zuletzt bil­det das jüngst rea­li­sierte Initialprojekt des „Grünen Bandes“ am Tagebaurand süd­lich Jüchen mit sei­nen unter­schied­li­chen Biotoptypen ein Refugium für Insekten, Amphibien, Eidechsen und Vögel.

Neben den meist groß­flä­chi­gen Wiesen spie­len in der Stadt Jüchen mitt­ler­weile auch klei­nere Parkanlagen und selbst Pflanzbeete und Baumscheiben eine Rolle bei der Förderung von Insektenpopulationen. So fin­den dort viel­fach Blühstauden, Lavendel oder Wildblumenmischungen Verwendung bei der Neu- oder Umgestaltung. Der öffent­li­che Straßenraum lie­fert somit auch Vorbilder für die pri­vate Vorgartengestaltung und kann dem uner­freu­li­chen Trend zur „Verschotterung“ entgegenwirken.

Nicht nur im öffent­li­chen Grün, son­dern auch auf pri­va­ten land­wirt­schaft­li­chen Nutzflächen ist in den letz­ten Jahren eine Tendenz zur Anlage von dau­er­haf­ten Blühwiesen oder ein­jäh­ri­gen Blühstreifen erkenn­bar. Hierfür gibt es im Stadtgebiet zahl­rei­che Beispiele, die zum Teil in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden und der Kommune zustande gekom­men sind.

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