Verbraucherzentrale NRW:

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Klartext​.NRW – Verbraucherzentrale NRW – Von der Zahnspange bis hin zum makel­lo­sen Gebiss: Kieferorthopäden schlie­ßen häu­fig Zahlungsvereinbarungen ab für geplante Behandlungen, die über die gesetz­li­che Kassenleistung hinausgehen. 

Patienten oder Eltern ste­hen dann vor einem Dilemma: Sie wol­len das Beste für sich oder ihr Kind und ver­lie­ren oft­mals die Kostenkontrolle, wenn sie sich auf Raten- oder Vorschusszahlungen der ärzt­li­chen Extras ein­las­sen. „Die Abschläge müs­sen monat­lich gezahlt wer­den, ohne dass der Patient weiß, wel­che kon­kre­ten kie­fer­or­tho­pä­di­schen Leistungen damit abge­rech­net wer­den. Im Unterschied zu ande­ren Ratenzahlungsverträgen ist die Leistung des Kieferorthopäden näm­lich oft noch nicht oder nicht voll­stän­dig erbracht“, erklärt die Verbraucherzentrale NRW.

Gerade bei lan­gen Behandlungszeiträumen, wie sie in der Kieferorthopädie üblich sind, fällt es Patienten schwer, den Überblick zu behal­ten und zu wis­sen, wel­cher Behandlungsschritt schon bezahlt ist.“ Denn bei einem mög­li­chen Wechsel des Kieferorthopäden kön­nen Patienten zu viel gezahl­tes Geld even­tu­ell zurück­ver­lan­gen. Raten- und kom­plette Vorauszahlungen für kie­fer­or­tho­pä­di­sche Zusatzleistungen durch vor­for­mu­lierte Vereinbarungen sind viel­fach unzu­läs­sig, da sie Patienten unan­ge­mes­sen benachteiligen.

Diese Rechtsposition hat die Verbraucherzentrale NRW inzwi­schen vor dem Oberlandesgericht Hamm erfolg­reich erstrit­ten (AZ: I‑4 U). Folgende Tipps sagen Patienten und Eltern, wor­auf sie bei einer kie­fer­or­tho­pä­di­schen Behandlung im Vorfeld ach­ten sollten:

Leistungen der gesetz­li­chen Krankenkasse: Kieferorthopädische Leistungen bei Kindern und Jugendlichen wer­den von den gesetz­li­chen Kassen über­nom­men, falls es medi­zi­nisch not­wen­dig ist. Hierzu erstellt der Arzt vor Beginn einen Behandlungsplan, der von der Krankenkasse geneh­migt wer­den muss. Bieten Kieferorthopäden dar­über hin­aus wei­tere pri­vate Zusatzleistungen an, soll­ten sich Eltern den indi­vi­du­el­len Mehrwert vom Arzt erklä­ren las­sen und sich zu Hause in Ruhe infor­mie­ren. Ein Zahnarzt darf eine Kassenbehandlung nicht ver­wei­gern und diese auch nicht von pri­va­ten Zuzahlungen abhän­gig machen. Wer sich bewusst für Zusatzleistungen ent­schei­det, muss dann die Mehrkosten dafür selbst tra­gen. Behandlungsschritte und Kosten der ärzt­li­chen Extras soll­ten in einem schrift­li­chen Vertrag ver­ein­bart wer­den. Das glei­che gilt für erwach­sene Patienten, die eine kie­fer­or­tho­pä­di­sche Behandlung bis auf wenige Ausnahmen immer aus eige­ner Tasche bezah­len müssen.

Crux von Ratenzahlungsvereinbarung: Wer vor Beginn einer oft lang­wie­ri­gen Behandlung eine Raten- oder Vorauszahlungsvereinbarung unter­schreibt, der kann leicht den Überblick ver­lie­ren, wel­che Leistungen bereits erbracht und bezahlt wor­den sind. Die Verbraucherzentrale NRW rät, sol­che Vereinbarungen nicht zu unter­schrei­ben. Stattdessen soll­ten Kieferorthopäden nach jedem Behandlungsschritt eine Rechnung für die jewei­lige Leistung erstel­len. Sollten Kieferorthopäden auf Vorauskasse oder Ratenzahlung bestehen, ist es rat­sam, sich von der Krankenkasse bera­ten zu las­sen und über einen Wechsel nachzudenken.

Falls Vorschuss- oder Ratenzahlungsvertrag besteht: Patienten oder Eltern, die bereits eine sol­che Vereinbarung abge­schlos­sen haben, soll­ten den Kieferorthopäden auf­for­dern nach jeder Behandlung die erbrachte Leistung und die ange­fal­le­nen Kosten geson­dert aus­zu­wei­sen und ihnen mit­zu­tei­len. Dies erleich­tert Patienten, den Überblick zu behal­ten – auch über einen lan­gen Behandlungszeitraum hin­weg. Wer mit der Behandlung des Kieferorthopäden unzu­frie­den ist und einen Arztwechsel wünscht, muss den Vertrag zu den ver­ein­bar­ten Zusatzleistungen schrift­lich kün­di­gen. Für die Endabrechnung muss der bis­he­rige Arzt eine detail­lierte Übersicht über bereits erfolgte Behandlungsschritte und bereits ent­stan­dene und abge­rech­nete Kosten vor­le­gen. Aus die­ser Übersicht ergibt sich, ob Patienten Geld zurück ver­lan­gen kön­nen oder ob der Kieferorthopäde auf eine Nachzahlung pochen kann. Im Zweifel sollte am bes­ten ein Fachanwalt für Medizinrecht die Abrechnung kontrollieren.

Arztwechsel nur mit Zustimmung der Krankenkasse: Die jewei­lige Kasse muss einem Wechsel des Kieferorthopäden und damit auch der Kündigung der Kassenleistung zustim­men. Ein schwer­wie­gen­der Grund etwa liegt vor, wenn das Vertrauensverhältnis zum Arzt schwer erschüt­tert ist oder ernste Behandlungsfehler pas­siert sind. Fehler soll­ten anhand von Unterlagen und per­sön­li­chen Notizen nach­ge­wie­sen werden.

(826 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)