Klartext​.NRW: Im Rheinischen Revier ent­steht ein Wärmespeicherkraftwerk

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Klartext​.NRW – Mehrere tau­send Tonnen hei­ßer Salzschmelze hel­fen bald dabei, unre­gel­mä­ßig anfal­len­den Strom aus rege­ne­ra­ti­ven Energien in gro­ßem Stil zu speichern: 

Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der FH Aachen plant RWE Power ein Pilotprojekt zur Energiespeicherung auf Flüssigsalz-​Basis. Dabei wird ein bestehen­des Kohlekraftwerk im Rheinischen Revier zu einem Wärmespeicherkraftwerk umge­rüs­tet. Das Land NRW unter­stützt den Projektvorschlag und hat ihn als Leitprojekt in das Sofortprogramm „Das Rheinische Zukunftsrevier“ aufgenommen.

Für die Planungsarbeiten zur ers­ten Anlage die­ser Art stellt NRW im Rahmen sei­nes Förderprogramms „pro​g​res​.nrw“ 2,9 Millionen Euro bereit. Zudem beab­sich­ti­gen die Projektpartner, eine Förderung durch den Bund für die Realisierung zu beantragen.

Das Projekt hat gro­ßes Potenzial – nicht nur mit Blick auf Energiewende und Versorgungssicherheit, son­dern auch für den Strukturwandel im Rheinischen Revier“, betont Dr. Lars Kulik, Vorstandsmitglied der RWE Power AG. „Wenn sich die Technik bewährt, könn­ten Wärmespeicher ebenso dazu bei­tra­gen, dass unsere Kraftwerksstandorte in der Region auch nach Ende der Kohleverstromung eine wich­tige Rolle in der Energieversorgung spielen.“

So funk­tio­niert ein Wärmespeicherkraftwerk: In einem elek­tri­schen Erhitzer wird mit über­schüs­si­gem Strom flüs­si­ges Salz auf bis zu 600 Grad auf­ge­heizt und dann in einem Tank gespei­chert. Bei erhöh­tem Strombedarf wird diese Salzschmelze zur Dampferzeugung über einen Wärmetauscher gelei­tet. Das Salz kühlt dabei auf 250 bis 300 Grad ab und wird in einem wei­te­ren Tank zwi­schen­ge­spei­chert. Der dabei ent­ste­hende Dampf wird zur Stromerzeugung in die Turbine des Kraftwerkblocks ein­ge­speist. Dort ersetzt er einen Teil der ansons­ten mit Braunkohle erzeug­ten Dampfmenge.

Mit dem fort­schrei­ten­den Ausbau der Erneuerbaren Energien kann die Kapazität des Wärmespeichers schritt­weise erwei­tert und damit im Gegenzug der Einsatz von Braunkohle wei­ter ver­rin­gert wer­den. Nach dem Auslaufen der Kohleverstromung kann das Wärmespeicherkraftwerk voll­stän­dig mit Erneuerbaren Energien betrie­ben wer­den. Indem es Schwankungen bei der Einspeisung aus rege­ne­ra­ti­ven Energien aus­gleicht, leis­tet es einen wich­ti­gen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Dazu sagt Prof. Dr.-Ing. Karsten Lemmer, DLR-​Vorstand für die Bereiche Energie und Verkehr: „Mit Blick auf die Versorgungssicherheit muss das Energiesystem auf allen Ebenen stark fle­xi­bi­li­siert wer­den, um Stromerzeugung und ‑nach­frage auch bei hohen Anteilen schwan­ken­der Erzeugung Erneuerbarer Energien auf­ein­an­der abzu­stim­men. Dazu gehört auch die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Dabei sind Energiespeicher für eine bedarfs­ge­rechte Energieversorgung uner­läss­lich und ermög­li­chen es, Kohlekraftwerke schon mit­tel­fris­tig zu Speicherkraftwerken umzubauen.“

Der genaue Standort für die Pilotanlage steht noch nicht fest, wird aber im Rheinischen Revier lie­gen. Dortige Kraftwerke sind beson­ders geeig­net, da sie bereits über einen Netzanschluss und not­wen­dige Infrastruktur, wie z. B. Turbinen, Generatoren, Transformatoren und Kühltürme, ver­fü­gen. Das spart Zeit und Kosten. Etwa Anfang der 2020er Jahre könnte mit dem Bau der Anlage begon­nen werden.

Zu die­ser Meldung äußerte sich auch der Grevenbroicher Bürgermeister, Klaus Krützen.

... Es freut mich sehr, dass die­ses inno­va­tive Projekt im Rheinischen Revier ange­sie­delt wird und damit kurz­fris­tig eine kon­krete Perspektive für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung im Bereich der Energiewirtschaft auch über das Ende der Braunkohleverstromung hin­aus bie­tet. Das ist ein star­kes Signal in die Region, in der in Teilen eine große Unsicherheit dar­über herrscht, wie es in Zukunft wei­ter­ge­hen wird, auch in Grevenbroich.

Grevenbroich ist ein eta­blier­ter Kraftwerksstandort, der alle Voraussetzungen für die Ansiedlung die­ses Pilotprojektes mit sich bringt. Die Infrastruktur, Flächen und die Akzeptanz in der Bevölkerung sind vor­ha­ben. Nennenswerte planungs- oder bau­recht­li­che Hindernisse sehe ich eben­falls nicht.

Seitens der Stadt Grevenbroich sage ich Ihnen jeg­li­che Unterstützung zur Realisierung die­ses Projektes zu und biete Ihnen an, hier­über in einen Austausch einzutreten. ...”

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