Im Rhein-​Kreis Neuss ver­die­nen Frauen 17 Prozent weni­ger als Männer

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Klartext​.NRW – Gleiche Arbeit, unter­schied­li­che Bezahlung: Im Rhein-​Kreis Neuss ver­die­nen Frauen, die in Vollzeit arbei­ten, 17 Prozent weni­ger als Männer. 

Das hat die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am kom­men­den Freitag (8. März) mit­ge­teilt. Sie ver­weist hier­bei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach kom­men Männer mit einer Vollzeitstelle im Rhein-​Kreis Neuss auf ein durch­schnitt­li­ches Bruttoeinkommen von 3.670 Euro pro Monat – Frauen hin­ge­gen nur auf 3.034 Euro. In Nordrhein-​Westfalen beträgt der Verdienstunterschied bei Vollzeit zwi­schen den Geschlechtern 13 Prozent (Männer: 3.464 Euro, Frauen: 3.004 Euro). Dies liege teils an nied­ri­ge­ren Positionen, die Frauen häu­fig hät­ten, ins­be­son­dere aber auch an der man­geln­den Zahlungsbereitschaft von Unternehmen, so die NGG Krefeld-Neuss.

Gewerkschafter Karim Peters spricht von einer „Diskriminierung per Lohnzettel“. Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz glei­cher Arbeitszeit sys­te­ma­tisch den Kürzeren zögen, so der NGG-​Regionalchef. „Dabei sind es immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem lan­gen Arbeitstag um Familie und Haushalt küm­mern – und das unbezahlt.“

Auch des­halb seien sie oft gezwun­gen, weni­ger zu arbei­ten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktu­ell 72 Prozent aller Teilzeitstellen im Rhein-​Kreis Neuss weib­lich. „Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass sie nur eine halbe Stelle haben – oder noch weni­ger“, kri­ti­siert Peters. Allein das Gastgewerbe beschäf­tigt laut Arbeitsagentur im Kreis 4.550 Minijobber. 2.590 von ihnen sind Frauen.

Die Folgen seien spä­tes­tens im Rentenalter „dra­ma­tisch“, so die NGG. „Wer über Jahrzehnte wenig ver­dient und etwa wegen Kindern Unterbrechungen im Erwerbsleben hat, der bekommt kaum Rentenpunkte. Das führt dann zu Armutsrenten, die der Staat auf­sto­cken muss“, betont Peters. Am Ende zahl­ten Steuerzahler die Quittung für die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Damit müsse Schluss sein. „Unternehmen, die Frauen und Männer für den glei­chen Job unter­schied­lich bezah­len, soll­ten mit Konsequenzen rechnen.“

Die Möglichkeit dazu biete zwar das soge­nannte Entgelttransparenzgesetz, das seit gut einem Jahr gilt. Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern das Recht zu erfah­ren, was ein Kollege in ver­gleich­ba­rer Position ver­dient. Chefs müs­sen dann bestehende Unterschiede abschaf­fen. Doch laut einer Untersuchung der Hans-​Böckler-​Stiftung wird das Gesetz bis­her kaum genutzt. Nach Einschätzung von Karim Peters liegt das auch daran, dass kleine Betriebe vom Gesetz aus­ge­nom­men sind – „obwohl die Lohnunterschiede dort beson­ders groß sind“. Die NGG macht sich für einen gesetz­li­chen Anspruch auf „glei­ches Geld für glei­che Arbeit“ stark. 

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