Meerbusch: Gleich drei Praktikanten und ein Ehrenamtler unter­stüt­zen Stadtarchivar

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Robert Schilken, Herausgeber



Meerbusch – Harald Goldkamp bringt mit einem Lächeln auf den Punkt, was ihn an der Arbeit im Stadtarchiv begeis­tert: „Was hier an Informationen und Dokumenten über unsere Vergangenheit auf­be­rei­tet wird, kann man nicht googeln. 

Hier ent­deckt man die his­to­ri­sche Wirklichkeit hin­ter der vir­tu­el­len Welt. Infos auf Mausklick gibt’s nicht.” Der ehe­ma­lige Fachbereichsleiter der Volkshochschule Neuss kommt an zwei Vormittagen pro Woche ins Stadtarchiv, um ehren­amt­lich mit­zu­ar­bei­ten. „Als ich vor ein­ein­halb Jahren nach Meerbusch gezo­gen bin, suchte ich ein Ehrenamt. Hier habe ich genau das rich­tige für mich gefunden.”

Unter Anleitung von Stadtarchivar Michael Regenbrecht küm­mert sich Goldkamp um die rund 150 so genann­ten Deposita – Akten, Fotos und Dokumente, die Vereine, Verbände, Parteien oder Privatleute dem Archiv zur Aufbewahrung über­las­sen haben. Am Anfang jeder Aktenaufbereitung steht immer eine wahre Sisyphos-Arbeit:

Aus allen Dokumenten müs­sen fein säu­ber­lich Büro- und Heftklammern ent­fernt wer­den, um das betagte Papier vor dem gefürch­te­ten Rostfraß zu bewah­ren. Entkernung nen­nen die Fachleute die Prozedur. Anschließend wer­den die Inhalte geord­net, beschrif­tet und in säu­re­freie Mappen und Kartons gepackt. „Nur so kön­nen wir das Material für die Forschung erschlie­ßen und lang­fris­tig erhal­ten”, sagt Michael Regenbrecht. „Diese Arbeit gehört zum Handwerkszeug jedes Archivars.”

Neben „sei­nem” Ehrenamtler” ste­hen dem Historiker in Stadtdiensten der­zeit gleich drei Praktikanten zur Seite. Vom Berufsförderungswerk Oberhausen ist Manfred Lenden ans Stadtarchiv ver­mit­telt wor­den. Lenden, der zur­zeit eine Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten durch­läuft, hat sich im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr inten­siv in die Meldekarteien des Archivs ein­ge­ar­bei­tet. Anfragen von pro­fes­sio­nel­len Erbensuchern, Rentenversicherungsämtern und Ahnenforschern kön­nen nur ver­läss­lich beant­wor­tet wer­den, wenn das Meldewesen über Jahrhunderte bes­tens sor­tiert ist. Die inzwi­schen im Bundesarchiv Berlin auf­ge­gan­gene „Wehrmachtserfassungsstelle (WASt), die im Auftrag von Angehörigen nach dem Verbleib gefal­le­ner Soldaten bei­der Weltkriege sucht, greift gerne auf Dienste des Meerbuscher Stadtarchivs zurück. Polizeibehörden aus ganz Deutschland las­sen im Stadtarchiv „Blitzerfotos” mit Passunterlagen abglei­chen, um Verkehrssünder zu iden­ti­fi­zie­ren. „So bin ich stets gut beschäf­tigt”, sagt Lenden.

Ann-​Cathrin Delissen, die durch eine Sehbehinderung gehan­di­capt ist, kam über das Berufsförderungswerk Düren nach Meerbusch. Die Beratungsstelle hat sich dar­auf spe­zia­li­siert, blinde und seh­be­hin­derte Menschen in den Arbeitsmarkt ein­zu­füh­ren. „Die Arbeit hier macht mir sehr viel Spaß”, sagt Ann-​Cathrin Delissen. „Ich kann mir auch gut vor­stel­len, im Archivdienst eine Berufseinstiegschance zu suchen.”

Melanie Graf besucht die zehnte Klasse am Städtischen Meerbusch-​Gymnasium. Derzeit absol­viert sie ein zwei­wö­chi­ges Schülerpraktikum im Archiv an der Karl-​Borromäus-​Straße. „Meine Mutter hat frü­her hier gear­bei­tet und mir das Praktikum emp­foh­len”, sagt sie. Und tat­säch­lich sei das Arbeiten in so his­to­ri­scher Umgebung weit­aus span­nen­der als gedacht. Melanie wer­tet his­to­ri­sche Lokalzeitungen aus, sichert Beiträge über für Meerbusch bedeut­same Ereignisse und Persönlichkeiten. Aber auch an ihrem Arbeitsplatz hat sich ein beacht­li­cher Berg ros­ti­ger Heftklammern auf­ge­türmt. „Entkernen ist keine Strafarbeit, son­dern auch für Schülerpraktikanten eine Pflichtübung”, sagt Michael Regenbrecht lächelnd.

Über tat­kräf­tige Unterstützung darf er sich auch in den nächs­ten Wochen und Monaten freuen: Die nächs­ten Bewerbungen für Praktika lie­gen schon auf sei­nem Schreibtisch.

Spaß bei der Arbeit ist aus­drück­lich erlaubt: (von links) Manfred Lenden, Melanie Graf, Ann-​Cathrin Delissen, Harald Goldkamp und Michael Regenbrecht. Foto: Stadt
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