Klartext​.NRW: NGG legt Rentenprognose vor – 66.000 Arbeitnehmer unter der Grundsicherung

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Klartext​.NRW – Dem Rhein-​Kreis Neuss droht Altersarmut – in einem grö­ße­ren Ausmaß als bis­lang ange­nom­men. Das befürch­tet die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten (NGG).

Rund 66.000 Arbeitnehmer im Rhein-​Kreis Neuss wür­den – so, wie sie heute arbei­ten – nur eine Rente unter­halb der staat­li­chen Grundsicherung bekom­men. Und das, wenn sie nach immer­hin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gin­gen. Das sind 38 Prozent aller Beschäftigten im Kreis.

Die Schwelle für „Alters-​Hartz-​IV“ liegt im Rhein-​Kreis Neuss bei aktu­ell 794 Euro im Monat. Dabei sind ins­be­son­dere die Kosten fürs Wohnen berück­sich­tigt. Dies geht aus einer Renten-​Analyse des Pestel-​Instituts her­vor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amt­li­che Statistiken ausgewertet.

Demnach könnte die Zahl armuts­ge­fähr­de­ter Rentner im Rhein-​Kreis Neuss künf­tig noch deut­lich stei­gen – näm­lich dann, wenn die durch­schnitt­li­che Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfal­len sollte. Dann gäbe es mehr als 74.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unter­halb der Grundsicherung lan­den, so das Pestel-​Institut. Karim Peters, Geschäftsführer der NGG-​Region Krefeld-​Neuss, spricht von „alar­mie­ren­den Zahlen“.

Wer ein Leben lang gear­bei­tet habe, müsse spä­ter auch von sei­ner Rente leben kön­nen. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staat­li­che Altersvorsorge und damit der gesell­schaft­li­che Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis ledig­lich 2025 ver­ein­bart. „Das reicht nicht aus“, so Peters. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau län­ger­fris­tig sta­bi­li­sie­ren und mög­lichst anheben.
 
Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-​Löhnen keine Spitzen-​Renten wer­den“, betont Peters. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müss­ten im Rhein-​Kreis Neuss viele Beschäftigte im Alter auf­sto­cken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durch­aus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit weni­gen Wochenstunden zu set­zen, soll­ten sie regu­läre Vollzeitstellen schaf­fen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hät­ten zwar das Glück, dass der Partner mehr ver­diene und so die Haushaltskasse im Rentenalter auf­bes­sere. Doch häu­fig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mage­ren Rentenbescheid“ ein­stel­len. Frauen seien davon beson­ders häu­fig betroffen.

Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-​Instituts aktu­ell rund jeder Vierte im Rhein-​Kreis Neuss einen Rentenanspruch von weni­ger als 1.000 Euro monat­lich – nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarif­li­che Altersvorsorge könne zwar dabei hel­fen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer gerin­ge­res Rentenniveau der gesetz­li­chen Rentenversicherung aus­zu­glei­chen“, so Peters. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetz­li­che Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie ange­wie­sen. Und die Arbeitgeber müs­sen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genie­ßen können.“

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