Klartext​.NRW: Spendensammlungen: Wahre Wohltäter von fal­schen Fuffziger unterscheiden

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Robert Schilken, Herausgeber



Klartext​.NRW – Alle Jahre wie­der wird in der Weihnachtszeit zu Spenden auf­ge­ru­fen: Für Flüchtlinge, Notleidende in Krisengebieten, bedürf­tige Kinder, für kul­tu­relle Anliegen oder für Tier- oder Umweltschutz wer­den per Post, via Internet und mit der Sammelbüchse in der Hand wohl­tä­tige Gaben gesammelt.

Wer hel­fen möchte, sollte seine Spenden jedoch nicht allzu leicht­gläu­big ver­tei­len. „Nicht jede Organisation, die ver­spricht, mit Euro und Cent Gutes zu bewir­ken, ist so seriös, wie sie sich gibt“, erklärt Doorthea Khairat, Leiterin der Neusser Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW. Spender wol­len auch bei wohl­tä­ti­gen Projekten wis­sen, was mit ihrem Geld pas­siert. Ob eine Organisation mit Spendengeldern solide umgeht und sich auch offen in die Karten gucken lässt, dies nur zwei von einer Handvoll wei­te­rer Kriterien, die es Spendenwilligen erleich­tern, fal­sche Fuffziger von wah­ren Wohltätern zu unterscheiden:

Briefpost fürs Gefühl: Wer ein­mal gespen­det hat, erhält oft wie­der Post. Spendenorganisationen nut­zen auch kom­mer­zi­elle Adresshändler und bezie­hen Anschriften durch Preisausschreiben oder von Versandhändlern. Mit Hilfe von Angaben über Alter, Beruf, Geschlecht und Wert der bestell­ten Ware las­sen sich unter­schied­li­che Zielgruppen her­aus­fil­tern und anschrei­ben. Wer per Post um eine Spende gebe­ten wird, sollte sich bei Zweifeln an der Glaubwürdigkeit Zeit neh­men, die Organisation genauer unter die Lupe zu neh­men. Aufschluss bie­tet etwa ein Blick in den jewei­li­gen Jahresbericht, den seriöse Organisationen auf Anfrage zusen­den. Vorsicht ist hin­ge­gen gebo­ten, wenn die Werbepost – statt Daten und Fakten zu lie­fern – allein auf Gefühle zielt. Emotionsgeladene Texte und Mitleid erre­gende Fotos sind Kennzeichen unse­riö­ser Werbung. Glaubwürdig hin­ge­gen sind klare, aus­sa­ge­kräf­tige Informationen und authen­ti­sche Fotos mit einem erkenn­ba­ren Bezug zum jewei­li­gen Spendenzweck und trans­pa­rente Einblicke in die Spendenverwertung.

Mit der Büchse unter­wegs: In den meis­ten Bundesländern genügt es, einen Verein zu grün­den, sich eine Satzung zu geben und auf Sammeltour zu gehen. Gerade die direkte Ansprache auf der Straße oder an der Haustür kann dazu ver­füh­ren, rasch und unbe­dacht zu spen­den. Erst recht, wenn ver­sucht wird, mit Fotos angeb­li­cher Folteropfer, hun­gern­der Kinder oder gequäl­ter Tiere Mitleid zu erre­gen und Druck aus­ge­übt wird. Doch bei den grau­sa­men Bildern kann es sich um zweck­ent­frem­dete Aufnahmen han­deln. Besser ist des­halb, zunächst abzu­win­ken und sich in Ruhe über die jewei­lige Organisation zu infor­mie­ren. Wer seriös agiert, offen­bart in sei­nem Geschäftsbericht, wofür das Geld aus Spenden oder Mitgliedsbeiträgen aus­ge­ge­ben wird. Dort sollte klar ste­hen, wie viel in Verwaltung und Werbung fließt und dass der größte Batzen (60 bis 65 Prozent) für den guten Zweck ver­wen­det wird. Ist ein Verein oder eine Organisation als gemein­nüt­zig aner­kannt, ist dies ein Indiz für Glaubwürdigkeit. Karitativ aner­kannte Spenden kön­nen zudem als Sonderausgabe steu­er­lich abge­setzt werden.

Spendenwerber im Internet: Eine eigene Homepage ist hin­ge­gen kein Garant für die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation. Professionell gestal­tete Internetseiten kön­nen zwar vor­der­grün­dig einen glaub­wür­di­gen Eindruck erwe­cken. Doch bes­ser ist, hin­ter die Kulissen zu bli­cken und zu prü­fen, ob im Impressum ein Ansprechpartner sowie eine ordent­li­che Adresse genannt sind. Wer Zweifel hegt, sollte um Informationen – Satzung, Jahresbericht, Prospekte – bit­ten und gucken, was andere Quellen im Netz über die jewei­lige Organisation und ihre Aktivitäten äußern. Das gilt auch für die zahl­rei­chen über soziale Medien – etwa per Facebook – ver­brei­te­ten Spendenaufrufe. Dort tum­meln sich etli­che Organisationen, Vereine, aber auch Shops oder ein­zelne Personen, die vor­ge­ben, sich für eine wohl­tä­tige Aktion zu engagieren.

Die aus­ge­sen­de­ten Appelle rüh­ren mit mit­leid­erre­gen­den Fotos direkt ans Herz und somit an die eigene Spendenbereitschaft. Statt Information zum Spendensammler und Belegen zu des­sen sozia­lem Engagement, sprin­gen die jewei­li­gen Bankverbindungen für eine Überweisung meist jedoch sofort ins Auge. 

Vorsicht bei Fördermitgliedschaften: Viele unse­riöse Gruppen buh­len sogleich um feste Mitglieder oder drän­gen auf Überweisung einer Dauerspende. Meist sind die gewünsch­ten Beiträge hoch. Zudem bin­det man sich in der Regel für einen län­ge­ren Zeitraum. Denn im Unterschied zu sons­ti­gen Haustürgeschäften lässt sich die Verpflichtung zumeist nicht inner­halb von zwei Wochen wider­ru­fen. Oft fließt auch nur ein klei­ner Teil der Beträge in Hilfsprojekte. Den weit grö­ße­ren Teil der Spendengelder ver­schlu­cken meist Werbung und Verwaltung.

Wegweiser durch den Spendendschungel: Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ver­gibt an för­de­rungs­wür­dige Organisationen auf Basis einer jähr­li­chen Prüfung ein Spenden-​Siegel. Derzeit dür­fen sich damit rund 230 über­wie­gend soziale Organisationen schmü­cken. Allerdings: Geprüft wer­den nur Hilfswerke, die min­des­tens 25.000 Euro an Spenden in den ver­gan­ge­nen zwei Geschäftsjahren erhal­ten haben, sich außer­dem selbst beim DZI für eine Prüfung mel­den und die Kosten hier­für zah­len. Kleinere Organisationen kön­nen dies oft nicht leisten.

Wenn ein Verein in der DZI-​Liste fehlt, bedeu­tet dies nicht zwangs­läu­fig, dass er unse­riös ist. Trägt ein Spendenaufruf den DZI-​Sternenkranz, ist hin­ge­gen garan­tiert, dass die Organisation ein­deu­tig und sach­lich wirbt, spar­sam wirt­schaf­tet und nach­prüf­bar aus­weist, wie das Geld der Spender ver­wen­det wird.

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