Klartext​.NRW: Ministerpräsident Armin Laschet ver­leiht die Rettungsmedaille – Träger auch aus Neuss

Klartext.NRW – Die Staatskanzlei teilt mit: Ministerpräsident Armin Laschet hat am Freitag (16. November 2018) im Weltkulturerbe Zollverein 21 Retterinnen und Retter mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Alle haben unter Gefahr für sich selbst das Leben anderer Menschen gerettet. Zwei weitere Rettungshelfer ehrte der Ministerpräsident mit einer Öffentlichen Belobigung.

Bei einer Feierstunde dankte der Ministerpräsident für die selbstlosen Taten: „Unter Einsatz ihres Lebens haben die Retterinnen und Retter Mut und Entschlossenheit bewiesen. Sie haben Menschen in höchster Not geholfen und sind dabei in Situationen geraten, in denen sie sich selbst in höchste Gefahr gebracht haben. Dafür erhalten Sie heute die Anerkennung unseres Landes und meinen ganz persönlichen Dank. Und wir alle können froh sein, dass es Menschen wie Sie gibt. Sie sind echte Heldinnen und Helden und damit Vorbilder für die Menschen in ganz Nordrhein-Westfalen.“

Der Ministerpräsident weiter: „Mit der Rettungsmedaille wollen wir ein deutliches Zeichen setzen. Ein Zeichen für Hilfsbereitschaft, Zivilcourage und Mitmenschlichkeit. Liebe Retterinnen und Retter, genau dafür stehen Sie mit Ihren Taten und Ihren Namen. Sie verdienen unseren höchsten Respekt.“

Die Rettungsmedaille wird seit 1951 auf der Grundlage des Gesetzes über die staatliche Anerkennung für Rettungstaten des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Mit ihr werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens andere Menschen aus einer lebensbedrohlichen Notlage gerettet haben. Insgesamt wurde die Medaille aus massivem Silber bisher 1.265 Mal verliehen.

Darüber hinaus sieht das Gesetz auch die Möglichkeit einer sogenannten Öffentlichen Belobigung für diejenigen Helferinnen und Helfer vor, die ohne Einsatz ihres eigenen Lebens die Rettung unterstützt haben.

Die Rettungstaten in chronologischer Reihenfolge:

  • Ramo Begovic aus Bosnien-Herzegowina rettete am 22. Oktober 2016 eine junge Frau vor dem Ertrinken aus dem Rhein.
  • Kevin Persson, Polizeikommissar aus Essen, rettete am 27. Dezember 2016 in Sri Lanka zwei Personen vor dem Ertrinken.
  • Polizeioberkommissar Patrick Schäfer aus Kranenburg, Polizeikommissar Lutz Klösters aus Hamminkeln, Polizeioberkommissar Mike Raadts und
  • Polizeioberkommissar Volker Schmidt aus Kleve retteten am 8. Januar 2017 mehrere Bewohner aus einer brennenden Wohnung.
  • Sebastian Berger und Tarik Sayan aus Köln retteten am 7. März 2017 mehrere Bewohner aus einem brennenden Mehrfamilienhaus.
  • Jörg Rickers aus Goch rettete am 2. April 2017 einen verunglückten Autofahrer aus seinem brennenden Sportwagen.
  • Ahmad Scherzai und Guido Linnenbank aus Köln retteten am 23. April 2017 eine Frau vor dem Ertrinken aus dem Rhein. Herr Linnenbank erhält eine Öffentliche Belobigung. 
  • Oliver Rosenbaum aus Neuss rettete am 7. Juni 2017 mehrere Bewohner aus einem Mehrfamilienhaus, in dem die Dachgeschosswohnung brannte.
  • Marcel Neilson aus Alpen rettete am 19. August 2017 zwei Männer vor dem Ertrinken aus der Nordsee.
  • Ayhan Gül aus Herne und Uwe Ewert aus Essen retteten am 3. November 2017 einen Mann vor dem Ertrinken, der mit seinem Wagen in die Ruhr gefallen war. Herr Ewert erhält eine Öffentliche Belobigung.
  • Ahmed Demir und Abdullah Demir aus Altena griffen am 27. November 2017 ein, als der Bürgermeister von Altena von einem Mann mit einem Messer angegriffen wurde.
  • Polizeioberkommissarin Miriam Bork aus Alpen, Polizeikommissarin Christin Mindthoff aus Voerde und Polizeikommissar Jonas Remy aus Düsseldorf retteten am 8. Dezember 2017 eine junge Frau aus einer brennenden Wohnung.
  • Detlev Krüger aus Südbrookmerland (Niedersachsen) und Thomas Weiffen aus Paderbornretteten am 28. April 2018 zwei mit ihrem Kanu gekenterte
  • Angler vor dem Ertrinken aus dem Möhnesee.
  • Julius Pfeifer aus Köln rettete am 24. Mai 2018 seine Nachbarin aus ihrer brennenden Wohnung.

 

Rettungsmedaille für Oliver Rosenbaum aus Neuss
 
Am 7. Juni 2017 ist Oliver Rosenbaum mit seiner Tochter in seinem Auto auf der Rheydter Straße in Neuss unterwegs. Auf dem Gehweg sieht er einen Mann intensiv in Richtung des Dachgeschosses eines Mehrfamilienhauses schauen. Als Oliver Rosenbaum den Blicken folgt, sieht er aus dem Dachgeschoss Rauchschwaden aufsteigen. Oliver Rosenbaum hält sofort an und steigt aus seinem Fahrzeug aus.

An einem geöffneten Fenster der Dachgeschosswohnung steht ein scheinbar geistig verwirrter Mann. Oliver Rosenbaum ruft ihm zu, er solle das Haus verlassen. Doch der Mann weigert sich herauszukommen. Oliver Rosenbaum ruft Passanten auf der Straße zu, sie sollen die Feuerwehr alarmieren. Dann läuft er zu dem Mehrfamilienhaus und klingelt überall „Sturm“. Die Tür wird ihm geöffnet und im Hausflur kommt ihm eine Frau mit einem Kind auf dem Arm entgegen. Sofort fordert er sie auf, das Haus zu verlassen, weil es im Dachgeschoss brennt.

Foto: Land NRW / Uta Wagner

Zusammen mit einem Passanten läuft Oliver Rosenbaum von Etage zu Etage und hämmert an alle Wohnungstüren, um die Bewohner zu warnen und zum Verlassen des Hauses aufzufordern. Vor der Dachgeschosswohnung angekommen, in der der Brand ausgebrochen ist, schlagen und klopfen die beiden gegen die Tür.

Als niemand öffnet, treten die beiden gegen die Tür bis sie nachgibt und aufspringt. Den Männern kommt eine dicke Rauchschwade entgegen. Im Innern der Wohnung gibt es noch eine weitere Tür mit Glaseinsatz, die verschlossen ist. Oliver Rosenbaum tritt gegen den Glaseinsatz und kann die Tür öffnen. Er bittet den Passanten das Fenster zu öffnen, damit der Qualm abziehen kann. Doch im zur Straße liegenden Zimmer versperrt eine schwarze Wand aus Rauch die Sicht. Er ruft dem Mann zu, dass er herauskommen soll. Der aber antwortet, ihm sei alles egal und bleibt im verqualmten Zimmer. Trotzdem gibt Oliver Rosenbaum nicht auf und bittet den Mann noch einmal eindringlich, mit ihm nach draußen zu kommen. Und nun hat die Bitte Erfolg, denn plötzlich steht der Mann vor Oliver Rosenbaum und folgt ihm hinunter auf die Straße.
Im Erdgeschoss macht eine junge Frau Oliver Rosenbaum noch auf eine ältere Dame im Rollstuhl aufmerksam, die noch nicht aus ihrer Wohnung herausgekommen ist. Oliver Rosenbaum klingelt bei der Dame und sie wird durch andere Passanten mit ihrem Rollstuhl ins Freie gebracht.

Als die Feuerwehr eintrifft, ist das Treppenhaus des Wohnhauses bereits vollständig verraucht. Der Mann aus der Dachgeschosswohnung hat das Feuer offensichtlich selbst gelegt. Er wird noch vor Ort festgenommen und in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Oliver Rosenbaum, der bei seiner Rettungsaktion giftigen Rauch eingeatmet hat, musste im Krankenhaus behandelt werden, konnte es aber am selben Tag wieder verlassen. Der Passant, der ihm geholfen hatte, ist leider namentlich nicht bekannt.

Ohne den mutigen Einsatz von Oliver Rosenbaum wären die Bewohner in den unteren Etagen des Wohnhauses nicht auf den Brand im Dachgeschoss aufmerksam geworden. Auch der geistig verwirrte Mann hätte es bei der starken Rauchentwicklung nicht mehr rechtzeitig vor dem Eintreffen der Feuerwehr ins Freie geschafft.

Für sein vorbildliches Verhalten erhält Oliver Rosenbaum heute die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

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