NGG: 13.300 Menschen im Rhein-​Kreis Neuss sind auf einen Zweitjob angewiesen

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Klartext​.NRW – Wenn ein Job zum Leben nicht reicht: Im Rhein-​Kreis Neuss haben rund 13.300 Menschen einen Minijob im Nebenberuf. Damit ist die Zahl der Zweitjobber in den letz­ten zehn Jahren um 43 Prozent gestiegen. 

Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten mit. Die NGG Krefeld-​Neuss beruft sich auf neue Zahlen der Arbeitsagentur: „Gerade das Gastgewerbe ist eine echte Multijobber-​Branche. Der Vollzeitjob in der Küche, im Service oder an der Rezeption reicht immer sel­te­ner, um über die Runden zu kom­men. Dann müs­sen sich viele Beschäftigte etwas hin­zu­ver­die­nen“, so NGG-​Geschäftsführer Karim Peters. Vor die­sem Hintergrund for­dert die Gewerkschaft bei der lau­fen­den Tarifverhandlung für die rund 8.200 Beschäftigten in Gaststätten, Restaurants und Hotels im Rhein-​Kreis Neuss ein Lohn-​Plus von sechs Prozent.
 
Die NGG ruft den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf, in der nächs­ten Tarifverhandlung ein „ver­nünf­ti­ges Lohn-​Angebot“ zu machen. An die­sem Freitag ver­han­deln Gewerkschaft und Arbeitgeber bereits zum drit­ten Mal über die Löhne für die NRW-​weit rund 390.000 Beschäftigten. „Bisher hat der Dehoga für die unte­ren Lohngruppen ein Plus von nur einem Prozent gebo­ten. Das gleicht nicht ein­mal die Teuerungsrate aus und ver­stärkt das Armutsrisiko heute und im Alter“, sagt Peters. Auch gelernte Kräfte sol­len nach dem Willen der Arbeitgeber bei der Erhöhung kaum über der Inflation lie­gen. Dieses „Magerangebot“ dürfte nach Einschätzung der NGG Krefeld-​Neuss den Fachkräftemangel in der Branche wei­ter ver­schär­fen. In den ver­gan­ge­nen Wochen hatte die Gewerkschaft in hei­mi­schen Betrieben dar­über infor­miert, wie nied­rige Löhne und stei­gende Lebenshaltungskosten das Armutsrisiko erhöhen.
 
„Wenn die Löhne nicht rasch kräf­tig stei­gen, dann droht Tausenden der direkte Weg in die Altersarmut“, sagt Peters. So kann ein gelern­ter Koch nach NGG-​Angaben selbst nach 45 Arbeitsjahren nur mit einer Rente von 823 Euro im Monat rech­nen. Noch dra­ma­ti­scher sehe es für Hilfskräfte aus. „Am Monatsanfang die Miete zu bezah­len, wird für immer mehr Beschäftigte der Branche zu einem enor­men Kraftakt“, so Peters.
 
Steigende Wohnkosten dürf­ten auch für die Zunahme bei den Zweitjobs ent­schei­dend mit­ver­ant­wort­lich sein, schätzt der Gewerkschafter: „Die Löhne stei­gen längst nicht so schnell wie die Mieten. Damit sind viele auf einen Nebenverdienst ange­wie­sen.“ Das werde aller­dings auch für die Arbeitgeber zum Problem. Denn allein mit Minijobbern und Hilfskräften lasse sich die aktu­elle Nachfrage in der Branche – von der Familienfeier über Geschäftsessen und Tagungen bis zur Hotelübernachtung von Touristen – nicht stem­men. „Gastronomie und Hotellerie brau­chen Fachkräfte in Vollzeit – doch die gewinnt man nur, wenn sie von ihrer Arbeit auch leben kön­nen“, betont Peters.

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