Grevenbroich: Chemiecontainer undicht – Großeinsatz der Feuerwehr in Kapellen

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Robert Schilken, Herausgeber



Grevenbroich-​Kapellen – Der Austritt einer zunächst unbe­kann­ten Chemikalie aus einem Transportcontainer bei einem Kapellener Logistikunternehmen löste am Freitagnachmittag einen der auf­wän­digs­ten Gefahrguteinsätze der Grevenbroicher Feuerwehr in die­sem Jahr aus.

Rund 80 haupt- und ehren­amt­li­che Einsatzkräfte aus allen Löscheinheiten waren in der Nachmittagshitze gut sechs­ein­halb Stunden im Einsatz, um den Container zunächst unter Atemschutz und in schwe­rer Chemikalienschutzkleidung abzu­dich­ten, dann die Chemikalie zu iden­ti­fi­zie­ren und den Transportbehälter schließ­lich für den Abtransport gesi­chert zu lagern.

Kurz vor 14 Uhr, am Freitag den 29.06.2018, war einem Mitarbeiter des Unternehmens bei Arbeiten an einem abge­stell­ten LKW-​Wechselauflieger zunächst ein ste­chen­der Geruch auf­ge­fal­len. Beim Öffnen des Laderaums stellte er zudem fest, dass die­ser mit Chemikaliendämpfen gefüllt war und alar­mierte dar­auf­hin die Feuerwehr, die kurz dar­auf mit star­ken Kräften sowie Spezialausrüstung für Gefahrguteinsätze in Kapellen eintraf.

Bei einer ers­ten Kontrolle zeigte sich, dass der Container selbst offen­bar unbe­schä­digt war, dass aber ver­mut­lich auf­grund eines Defektes am Deckel Flüssigkeit aus dem Behälter geschwappt und von dort auf den Boden gelau­fen war. Die unter schwe­rer Schutzkleidung arbei­ten­den Einsatzkräfte konn­ten in einem ers­ten Schritt den Verschluss des Containers wech­seln und so ver­hin­dern, dass wei­ter Flüssigkeit austritt.

Als pro­ble­ma­tisch erwies sich für die Helfer aller­dings, „dass sich weder am Fahrzeug noch am Transportcontainer Frachtpapiere fan­den, aus denen ein­deu­tig her­vor­ging, um wel­che Substanz es sich bei dem Stoff genau han­delte”, so Einsatzleiter Schnabel. Und auch bei der Spedition lagen zunächst keine Dokumente vor, mit deren Hilfe sich die Substanz sofort hätte iden­ti­fi­zie­ren las­sen. Da somit unklar blieb, wel­cher Stoff aus­ge­tre­ten war und wel­che Gefahr davon aus­ging, kon­trol­lie­ren die Einsatzkräfte mit Prüfgeräten, ob und gege­be­nen­falls in wel­che Konzentration eine che­mi­sche Belastung der Umgebung fest­stell­bar wäre.

Die Messungen waren sämt­lich nega­tiv, sodass wäh­rend des Einsatzes keine Gefahr für Beschäftigte oder Anwohner bestand. Durch den Einsatz spe­zi­el­ler Analysetechnik gelang es den Grevenbroicher Einsatzkräften schließ­lich nach meh­re­ren Stunden, mit­hilfe des hin­zu­ge­zo­ge­nen Fachberaters Chemie der Feuerwehr Dormagen sowie in Rücksprache mit Fachleuten des Transport-​Unfall-​Informations- und Hilfeleistungssystems der che­mi­schen Industrie, die Substanz als Ammoniak zu identifizieren.

Ammoniak reagiert rei­zend und ätzend beim Einatmen. Haut und Augenkontakt ver­mei­den. Da damit – rund fünf Stunden nach Beginn des Einsatzes – end­lich fest­stand, von dem gesi­cher­ten und nun wie­der kor­rekt ver­schlos­se­nen Container keine wei­tere Gefahr aus­geht, konn­ten die Helfer den Behälter auf einem spe­zi­ell gesi­cher­ten Stellplatz ein­la­gern, wo er nun von einer Fachfirma zur Weiterverarbeitung abge­holt wird.

Insgesamt waren im Laufe des Nachmittages waren 7 Trupps unter schwe­rer Schutzkleidung und teil­weise bei Außentemperaturen an die 30 Grad Celsius im Einsatz. Ein Helfer musste zeit­wei­lig wegen Kreislaufproblemen vom Rettungsdienst begut­ach­tet wer­den, musste aber nicht zur Behandlung ins Krankenhaus. Am frü­hen Abend, als sich die Lage in Kapellen ent­spannt hatte, über­nah­men wie­der haupt- und ehren­amt­li­che Kräfte aus ver­schie­de­nen Grevenbroicher Einheiten den Grundschutz in Grevenbroich.

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