Rhein‐​Kreis Neuss: Betrüger rufen mit 110 an – Die Masche mit der Notrufnummer

Rhein‐​Kreis Neuss (ots) – NUR Betrüger nut­zen die Notrufnummer 110 als Anruferkennung, die „echte” Polizei nie­mals!

Die Masche ist inzwi­schen nicht mehr neu, aber immer noch sehr ver­brei­tet: Das Telefon klin­gelt und im Display steht „110” (even­tu­ell auch mit orts­üb­li­cher Vorwahl, zum Beispiel: 02131110). Der Anrufer stellt sich auch prompt als Polizei‐ bezie­hungs­weise Kripobeamter vor.

Der fal­sche Beamte ver­sucht im Folgenden anhand einer frei erfun­de­nen Geschichte, Informationen über die Vermögensverhältnisse oder Bankdaten sei­nes Opfers zu gewin­nen.

Am Montag (19.03.) sind der Polizei im Rhein‐​Kreis Neuss, ins­be­son­dere im Kaarster Stadtgebiet, meh­rere aktu­elle Fälle bekannt gewor­den, die zum Glück alle im Versuch ste­cken blie­ben. Die Angerufenen hat­ten Verdacht geschöpft und keine per­sön­li­chen Daten preis­ge­ge­ben.

Wie gehen die Betrüger vor? Sie erzäh­len zum Beispiel, dass Einbrecher fest­ge­nom­men wur­den, die einen Zettel mit der Anschrift des Opfers dabei gehabt hät­ten. Um einem mög­li­chen Diebstahl vor­zu­beu­gen, bestünde die Möglichkeit, Wertsachen und Bargeld in amt­li­che Verwahrung zu geben. Aber Achtung! Wer eine Übergabe ver­ein­bart, geht Betrügern auf den Leim und sieht sein Hab und Gut meist nie wie­der.

Eine andere Masche ist es, das Opfer zu einer Geldanweisung zu ver­an­las­sen, oder die Kontodaten zu erfra­gen, um ein angeb­li­ches Strafverfahren abzu­wen­den.

Der Einfallsreichtum der Betrüger ist schier uner­schöpf­lich. Aus die­sem Grund gilt immer: Die Polizei ruft nicht mit der Anruferkennung „110” an und stellt auch keine Geldforderungen oder erfragt Bankdaten am Telefon!

Die Täter nut­zen eine Computersoftware, die im Display der Angerufenen die 110 erschei­nen lässt. Mit dem soge­nann­ten Call ID‐​Spoofing kann jede belie­bige Nummer am Telefon des Opfers ange­zeigt wer­den und so eine fal­sche Identität vor­täu­schen.

Was tun im kon­kre­ten Fall? Keine per­sön­li­chen Daten gegen­über dem Anrufer preis­ge­ben. Das Telefonat been­den. Selber den Notruf 110 wäh­len (so kön­nen Sie sicher sein, die „echte” Polizei am Draht zu haben) und den Sachverhalt schil­dern.

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1 Kommentar

  1. Es ist mehr als trau­rig das der Staat hier in Form der Bundesnetzagentur taten­los zuschaut, wie mit Call‐​ID Spoofing (so lau­tet der Begriff im Artikel, tech­nisch gemeint ist wahr­schein­lich User Provided CLIP) wahl­los ange­ru­fene Bürger ver­un­si­chert und damit Betrügereien oder PC‐​Social‐​Hacks (vgl. Security‐​Anrufe mit der US‐​Rufnummer 00111290) ein­fachst rea­li­siert wer­den.

    Die Bundesnetzagentur müsste über eine Verfügung alle phy­si­schen TK‐​Netzbetreiber ver­pflich­ten, einen Veränderungszugriff auf die User‐​Provided‐​Option nur in beson­ders begrün­de­ten und dann von den tan­gierte Vermittlungscarrier selbst zu über­prü­fen­den Umsetzung regu­la­to­risch vor­schrei­ben. Eine sol­che Prüfung erfolgt dabei stets an den eige­nen Übernahmestellen aus ande­ren TK‐​Netzen. Denn nur dort kön­nen User‐​Provided‐​Optionen (die im Falle der signa­li­sier­ten 110 nicht stim­men kön­nen) für die wei­tere Vermittlung, ggf. gestaf­felt, „über­ge­ben” wer­den. Es sei denn die intern ange­schlos­se­nen „Kunden” des TK‐​Netzbetreibers machen das auch, was aber der Netzbetriebsaufsicht des ver­ant­wort­li­chen TK‐​Netzbetreiber (vgl. u.a. § 6, TKG) nicht ver­bor­gen bleibt.
    Aber die tele­fo­ni­sche Variante eines gewerb­lich for­cier­ten Identitätsdiebstahls wird, wie viele andere Defizite auch, selbst von Staatsanwaltschaften ein­fach nur hin­ge­nom­men.
    Dies ist die Konsequenz for­mal unkla­ren for­mu­lier­ter bzw. inter­pre­tier­ten Zuständigkeiten, gepaart mit über­wie­gen­dem Nichtwissen was eigent­lich im tech­no­lo­gi­sche Hintergrund pas­siert und wo segens­rei­che, und vor allen Dingen kos­ten­güns­ti­gere Stellschrauben exis­tie­ren.
    Es war mal klas­si­sche Aufgabe von Journalisten hier par­ti­ell nach­zu­ha­ken, oder bis zu einer akzep­ta­blen Veränderung dran zu blei­ben!

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