Rhein-​Kreis Neuss: Gewerkschaft NGG warnt vor extre­men Arbeitszeiten

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Überstunden, Arbeiten am Wochenende und in der Nacht: Im Rhein-​Kreis Neuss ist das für die rund 3.800 Beschäftigten des Gastgewerbes alles andere als ungewöhnlich.

Ebenso wenig für die 3.400 Mitarbeiter in der Ernährungsindustrie. Damit die Belastung jedoch erträg­lich bleibt, schreibt das Arbeitszeitgesetz maxi­male Arbeitsstunden und Ruhepausen vor. Genau darum fürch­tet nun die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die NGG Krefeld-​Neuss warnt mit Blick auf die lau­fen­den Koalitionsverhandlungen zwi­schen Union und SPD davor, dass es zu einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes „durch die Hintertür“ kom­men könnte – mit erheb­li­chen Folgen für Tausende Beschäftigte in der Region.

Flexibilität im Job kann nicht ein­sei­tig auf Kosten der Beschäftigten gehen“, macht NGG-​Geschäftsführerin Manja Wiesner deut­lich. Auf dem hei­mi­schen Arbeitsmarkt sei hier längst etwas aus der Balance gera­ten: So leis­te­ten Arbeitnehmer in Nordrhein-​Westfalen im vor­letz­ten Jahr 186 Millionen Überstunden – 58 Prozent davon unbe­zahlt. Dies geht aus einer aktu­el­len Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-​Bundestagsabgeordneten Jutta Krellmann her­vor (Bundestags-​Drucksache 19/​70). Rechnet man die Überstunden in Vollzeit-​Jobs um, ent­spricht das in NRW dem­nach 114.000 Arbeitsplätzen.

Auch im Rhein-​Kreis Neuss sub­ven­tio­nie­ren Beschäftigte jeden Tag Unternehmensgewinne durch Gratis-​Stunden. Statt immer wie­der zu for­dern, die Arbeitszeiten zu lockern, soll­ten die Arbeitgeber die vor­han­dene Mehrarbeit lie­ber auf mehr Schultern ver­tei­len und neues Personal ein­stel­len“, for­dert Wiesner. An die GroKo-​Verhandler von CDU/​CSU und SPD appel­liert die Gewerkschafterin, kein „Herumdoktern“ am Arbeitszeitgesetz zuzu­las­sen. Im 28‑seitigen Sondierungspapier ist von einem neuen „Rahmen“ die Rede, um den „viel­fäl­ti­gen Wünschen in der Arbeitszeitgestaltung gerecht wer­den zu können“.

Für Wiesner steht fest: „Das Arbeitszeitgesetz legt Mindeststandards für den Schutz von Gesundheit und Privatleben fest. Hier brau­chen wir keine neuen Experimentierräume.“ Flexible Lösungen im Betrieb lie­ßen sich per Tarifvertrag ver­ein­ba­ren. In der Gastronomie hät­ten sich etwa Arbeitszeitkonten bewährt, so Wiesner. „Damit kann eine Hochzeitsfeier im Lokal auch mal län­ger gehen – ohne dass Köche und Kellner vor Arbeit umfallen.“

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