Rhein-​Kreis Neuss: 55 Prozent mehr Bezieher von „Alters-​Hartz-​IV“

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Altersarmut auf dem Vormarsch: Die Zahl der Menschen, die im Rhein-​Kreis Neuss neben ihrer Rente auf Grundsicherung ange­wie­sen sind, ist in den ver­gan­ge­nen zehn Jahren um 55 Prozent gestiegen.

4.313 Bezieher von „Alters-​Hartz-​IV“ zählte der Kreis zuletzt. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten mit. Die NGG Krefeld-​Neuss bezieht sich hier­bei auf Angaben des Statistischen Landesamts. NGG-​Geschäftsführerin Manja Wiesner nennt die Zahlen einen „Weckruf“ und for­dert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.

Zwar ist die Rentenkasse so gut gefüllt wie lange nicht, aber Geringverdiener pro­fi­tie­ren kaum von der nächs­ten Erhöhung“, so Wiesner. Gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vie­ler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häu­fig nicht erspart.

Verschärfen dürfte sich die Lage in den nächs­ten zwei Jahrzehnten: Nach einer aktu­el­len Studie der Bertelsmann-​Stiftung wird das Armutsrisiko beson­ders für die gebur­ten­star­ken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-​Jahre anstei­gen – von aktu­ell 15 auf 20 Prozent im Jahr 2036. Als armuts­ge­fähr­det gilt ein Rentner, des­sen Netto-​Einkommen unter 958 Euro monat­lich liegt.

Die NGG Krefeld-​Neuss plä­diert für eine Stärkung der gesetz­li­chen Rentenversicherung. „Das Rentenniveau – also der Anteil der spä­te­ren Rente am Netto-​Verdienst – muss unbe­dingt sta­bi­li­siert wer­den. Im Moment sind es 48 Prozent – lang­fris­tig soll­ten wir eher auf 50 Prozent kom­men“, sagt Gewerkschafterin Wiesner. Die Politik müsse drin­gend han­deln: Denn die Bundesregierung geht in ihrem aktu­el­len Rentenversicherungsbericht noch von einem Absinken des Rentenniveaus auf 44,6 Prozent bis zum Jahr 2031 aus.

Immerhin gilt ab Januar: Betriebsrenten dür­fen nicht mehr voll auf die Grundsicherung ange­rech­net wer­den. Ein neues Gesetz garan­tiert hier Freibeträge. „Damit haben etwa Kellnerinnen und Bäcker im Ruhestand deut­lich mehr in der Tasche – vor­aus­ge­setzt, im Betrieb gilt ein tarif­li­cher Altersvorsorgevertrag“, so Wiesner. Genau das wolle die NGG im kom­men­den Jahr wei­ter vorantreiben.

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