Rhein-​Kreis Neuss: NGG – 145.000 Beschäftigte erwar­ten Umsteuern am Arbeitsmarkt

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Rhein-​Kreis Neuss – Für die rund 145.000 Beschäftigten im Rhein-​Kreis Neuss hängt viel davon ab, wie die poli­ti­schen Weichen in Berlin gestellt werden: 

Wie viel ist künf­tig in der Lohntüte? Wird Arbeiten in der Nacht oder am Wochenende zur Normalität? Was pas­siert mit der Rente? Mit Blick auf eine mög­li­che Neuauflage der Großen Koalition hat die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten (NGG) jetzt eine „Arbeits- und Sozial-​Agenda“ gefordert.

Die NGG Krefeld-​Neuss rich­tet einen ein­dring­li­chen Appell an die hei­mi­schen Bundestagsabgeordneten: „Es muss klar sein, dass die Interessen der Beschäftigten nicht unter die Räder kommen.“

Die Arbeitszeit ist der NGG dabei beson­ders wich­tig: 35.800 Menschen im Rhein-​Kreis Neuss haben nach aktu­el­len Angaben der Arbeitsagentur eine Teilzeit-​Stelle – trotz Hochkonjunktur. Das sind 24 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Dabei wer­den 78 Prozent aller Teilzeit-​Jobs von Frauen erle­digt. Gewerkschafterin Manja Wiesner sieht in den Zahlen einen kla­ren Auftrag an eine neue Bundesregierung: Nötig sei ein ver­brief­tes Rückkehrrecht auf Vollzeit.

Wer seine Arbeitszeit für die Erziehung der Kinder oder die Pflege der Angehörigen run­ter­fährt, der muss danach auch wie­der voll in den Job zurück­keh­ren kön­nen.“ Genau dafür habe bereits ein Gesetz auf dem Tisch gele­gen, das jedoch am Widerstand der Union geschei­tert sei. Sollte es wie­der zur Koalition von CDU/​CSU und SPD kom­men, dürfe diese „Von-​Teilzeit-​zu-​Vollzeit-​Garantie“ nicht noch ein­mal ver­schleppt werden.

Auch die Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes, wie sie Arbeitgeberverbände for­dern, lehnt die NGG Krefeld-​Neuss strikt ab. „13-​Stunden-​Tage und Dauer-​Verfügbarkeit per Smartphone kön­nen nicht die Arbeitswelt von mor­gen sein. Wer fle­xi­ble Arbeitszeiten braucht, kann sie per Tarifvertrag regeln“, sagt Wiesner.

Genauso wenig dürfe an den Aufzeichnungspflichten beim Mindestlohn gerüt­telt wer­den: „Nur wenn die Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten auf­schrei­ben, kön­nen sie die Stunden auch kor­rekt bezah­len. Darauf ist jeder ehr­li­che Unternehmer ange­wie­sen. Wer an die Dokumentationspflicht will, der öff­net dem Lohnbetrug Tür und Tor“, betont die Gewerkschafterin.

Nötig sei zudem ein kräf­ti­ger Nachschlag beim Mindestlohn. „Wir brau­chen einen zwei­stel­li­gen Euro-​Betrag als unterste Lohngrenze. Das geht nur, wenn dahin­ter auch ein deut­li­cher poli­ti­scher Wille steht. Genau das erwar­ten Mindestlohn-​Empfänger von der neuen Bundesregierung“, macht Wiesner deutlich.

Ganz oben auf die Agenda gehöre auch ein Plan, um die Krankenversicherung auf neue Füße zu stel­len. In einem Land, dem es wirt­schaft­lich so gut gehe, müsse die „Zwei-​Klassen-​Medizin“ ein Ende haben. Es könne nicht sein, dass der mit dem dicke­ren Geldbeutel schnel­ler und bes­ser behan­delt werde. Nötig sei eine soli­da­ri­sche Bürgerversicherung, in die alle – auch Beamte und Selbstständige – ein­zahl­ten. Für ein sol­ches Modell hatte sich zuletzt die SPD starkgemacht.

Wiesner: „Die nächste Bundesregierung hat die Chance zum Umsteuern. Gut gefüllte Haushaltskassen bie­ten den Spielraum für Reformen, von denen die Beschäftigten heute, aber auch die der nächs­ten Generation etwas haben.“

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