Meerbusch: Klimaschutz aus der Luft – Wärmebild von ganz Meerbusch in Vorbereitung

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Robert Schilken, Herausgeber



Meerbusch – Wenn der Wind durch die Dachpfannen pfeift oder Regenwasser durch die Decke sickert, ist die Ursache meist schnell gefun­den. Der Dachdecker hilft gerne und schließt die undichte Stelle. 

Anders sieht es beim Schutz des Hauses vor Kälte im Winter und Hitze im Sommer aus. Johanna Neumann, Klimaschutzmanagerin der Stadtverwaltung, kennt die Ursache: „Gerade bei älte­ren Häusern ist die Dachisolierung viel­fach nicht mehr auf dem neu­es­ten Stand. Das ist schlecht für den Geldbeutel und für das Klima – denn mehr hei­zen bedeu­tet meis­tens auch mehr CO2-Emissionen.“ 

Im Januar 2017 bezu­schusste die Stadt Meerbusch im Zuge einer Sonderaktion mit der Verbraucherzentrale NRW bereits Wärmbildaufnahmen, die Aufschluss dar­über geben, wie gut Fassaden und Fenster pri­va­ter Wohnhäuser gedämmt sind. „Dächer, ins­be­son­dere Flachdächer, hin­ge­gen las­sen sich auf die­sem Wege nur schwer voll­stän­dig erfas­sen”, so Johanna Neumann. Deshalb hat die Stadt im Rahmen ihres Klimaschutzkonzeptes jetzt erst­mals eine so genannte „ther­mo­gra­fi­sche Befliegung“ des gesam­ten Stadtgebietes in Auftrag gegeben.

Zwischen Dezember und März wird ein Spezialflugzeug der Firma Eurosense aus Rheinbach das kom­plette Meerbuscher Stadtgebiet in rund 40 Schleifen eng­ma­schig über­flie­gen. Aus rund 900 Metern Höhe wer­den mit Hilfe einer hoch auf­lö­sen­den Infrarotkamera Wärmebildaufnahmen aller Dachflächen geschossen.

Die Fotos geben exakte Hinweise dar­auf, wie gut die Wärmedämmung eines Daches im beheiz­ten Zustand ist und wie­viel Wärme das Gebäude über das Dach abstrahlt. Alle Aufnahmen wer­den im Anschluss aus­ge­wer­tet und auf Wunsch kos­ten­los zur Verfügung gestellt. 40.000 Euro inves­tiert die Stadt in das Projekt. „Auf die­sem Wege wol­len wir den Hausbesitzern gezielte Hinweise geben, wie sie Energiekosten spa­ren und zugleich das lokale Klima scho­nen kön­nen”, so Johanna Neumann.

So sehen die Wärmebilder der Dächer, auf­ge­nom­men aus einer Höhe von rund 900 Metern, aus. Fotos(2): Eurosense

Handlungsbedarf bestehe auf jeden Fall. „Untersuchungen im Rahmen unse­res Klimaschutzkonzeptes haben erge­ben, dass die pri­va­ten Haushalte gemein­sam mit dem Autoverkehr haupt­ver­ant­wort­lich für die CO2-​Belastung der Meerbuscher Luft sind.”

Sind die Wärmebilder des gesam­ten Stadtgebietes aus­ge­wer­tet, kön­nen Hauseigentümer eine detail­lierte Darstellung der Wärmestrahlung ihrer Dachfläche bestel­len. Dazu gibt es auf Wunsch eine pro­fes­sio­nelle Energie- und Sanierungsberatung. Eine Info-​Veranstaltung dazu plant die Klimaschutzmanagerin für Herbst 2018.

Damit der Thermografie-​Flug über­haupt mög­lich ist, müs­sen meh­rere Faktoren stim­men: die Aufnahmen dür­fen frü­hes­tens zwei Stunden nach Sonnenuntergang gemacht wer­den, die Temperatur darf nicht mehr als 5 Grad Celsius betra­gen, die Windgeschwindigkeit darf zwei Meter pro Sekunde nicht über­stei­gen, der Himmel muss wol­ken­frei sein. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wird das Stadtgebiet überflogen.

Um die exakte Kalibrierung der Wärmebildaufnahmen zu garan­tie­ren, sucht die Stadt min­des­tens 30 Hausbesitzer, die in der Nacht der Überfliegung die Temperaturen in ihren Räumen direkt unterm Dach mes­sen. „Hier reicht ein gewöhn­li­ches Hausthermometer aus”, so Neumann. Jeder Freiwillige erhält einen Fragebogen, in dem er die Gebäudeart und die in der Flugnacht gemes­sene Temperatur ein­tra­gen kann. Interessenten, die mit­hel­fen möch­ten, kön­nen sich ab sofort über das Umwelttelefon der Stadt (02150 /​916–191) oder per E‑Mail an johanna.neumann@meerbusch.de anmelden.

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