Kreditwürdigkeitsprüfung durch Banken: Die Verbraucherzentrale NRW mahnt Nachholbedarf bei Information und Dokumentation

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Robert Schilken, Herausgeber



Klartext​.NRW – Seit März 2016 hat der Gesetzgeber Banken und Sparkassen ver­pflich­tet zu prü­fen, ob und wie viel Kredit sich der Kunde leis­ten kann. 

Darlehen etwa für Auto, Einbauküche oder Unterhaltungselektronik dür­fen nur ver­ge­ben wer­den, wenn Verbraucher diese vor­aus­sicht­lich auch zurück­zah­len können.

Versäumt die Bank diese Kreditwürdigkeitsprüfung oder patzt sie dabei, kann der Kreditnehmer zum Beispiel Ermäßigungen beim Zinssatz ver­lan­gen. Bei der vor­ge­schrie­be­nen Prüfung durch die Kreditinstitute, ob der Kunde den gewünsch­ten Kredit wäh­rend des­sen Laufzeit mit dem vor­han­de­nen Budget über­haupt stem­men kann, läuft es noch nicht rund. Denn wei­ter­hin kom­men Klienten in die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale Düsseldorf, die die ihre erst nach März 2016 abge­schlos­sene Kreditverträge nicht mehr bedie­nen können.

So wurde einem Ehepaar mit längst aus­ge­reiz­tem Dispo, einer Kreditkarte am Limit und einem bereits bestehen­den Verbrauchkredit über 37.000 Euro eine wei­tere Umschuldung als Lösung ihrer Finanzprobleme ange­bo­ten. Haken daran: Wenn schon die alte Kreditrate von 400 Euro nicht zu stem­men war, wie sollte das bei nun fäl­li­gen gut 700 Euro klappen?

Der Kredit-​Gau des Ehepaars ist kei­nes­wegs ein Einzelfall. Banken und Sparkassen, die sich an einer aktu­el­len Befragung der Verbraucherzentrale NRW betei­ligt haben, bestä­tig­ten fast uni­sono, vor der Kreditbewilligung die der­zei­ti­gen Einnahmen und Ausgaben der Kunden zu che­cken. Rund die Hälfte kon­zen­triert sich dabei jedoch allein auf den Ist-​Zustand. „Verantwortliche Kreditvergabe im Sinne des Gesetzes heißt aber auch, mög­li­che Veränderungen der Lebensumstände und deren Konsequenzen für Einkommen und Ausgaben wäh­rend der Darlehenslaufzeit in den Blick zu neh­men, lehrt die Erfahrung der Schuldnerberaterinnen der Beratungsstelle Düsseldorf. Absehbare Einschnitte wie die näher rückende Rente ein­zu­rech­nen gehöre ebenso dazu wie etwa höhere Ausgaben zu berück­sich­ti­gen, weil Kinder aus­wärts stu­die­ren werden.

Auch bei der Information über die Kreditwürdigkeitsprüfung sieht die Verbraucherzentrale NRW noch Nachholbedarf: So hän­di­gen – nach eige­ner Auskunft – nur wenige Kreditinstitute ihren Kunden die Kriterien und Ergebnisse der Kreditwürdigkeitsprüfung aus oder las­sen sie diese zumin­dest Einsehen. Information über das Verfahren sowie die Offenlegung der Entscheidungsgrundlagen sind jedoch unver­zicht­bare Bausteine.

Eine indi­vi­du­elle Kreditwürdigkeitsprüfung beinhal­tet aber auch eine ver­ant­wor­tungs­volle Kreditvergabe für Menschen mit gerin­gem Einkommen. Für Anschaffungen wie etwa Waschmaschine oder Kühlschrank sollte ein Darlehen nicht allein wegen nied­ri­ger Einkünfte ver­wehrt wer­den, son­dern die Entscheidung dar­über von einer indi­vi­du­el­len Prüfung abhän­gig gemacht wer­den. Kreditinstitute sind dann in der Pflicht aus­zu­lo­ten, ob und wie Ratenhöhe und Laufzeit mit dem vor­han­de­nen Haushaltsbudget gestemmt wer­den können.

Allen voran ist natür­lich die rea­lis­ti­sche Selbsteinschätzung des Darlehnsnehmers gefragt. Für den Selbsttest hat die Verbraucherzentrale NRW unter www​.ver​brau​cher​zen​trale​.nrw/​k​r​e​d​i​t​w​u​e​r​d​i​g​k​eit alles Wissenswerte zusammengestellt.

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