Online lebt man län­ger: Digitalen Nachlass recht­zei­tig regeln

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Robert Schilken, Herausgeber



Klartext​.NRW – Internet-​User ver­fü­gen über Nutzer-​Accounts bei E‑Mail-​Providern, hin­ter­las­sen ihr Profil in Berufsportalen oder bei sozia­len Netzwerken, haben oft­mals auch ein Abo bei einem Musik-​Streaming- oder Spiele-​Anbieter abgeschlossen. 

Bei ihren Aktivitäten im Netz hin­ter­las­sen sie über­all Spuren. Deren Fülle ist für Nutzer selbst irgend­wann kaum noch über­schau­bar. Im Todesfall haben Angehörige mit der wei­ter exis­tie­ren­den Datenflut etwa bei Facebook oder durch ein noch gül­ti­ges Online-​Abo dann häu­fig ein Problem:

Persönliche Daten und Profile von Verstorbenen geis­tern wei­ter im Internet herum, solange sie kei­ner löscht.

Wer selbst dar­über bestim­men möchte, was mit sei­nen online ver­öf­fent­lich­ten Fotos, Nachrichten und Kommentaren nach sei­nem Tod pas­siert, sollte sich so früh wie mög­lich um die Regelung sei­nes digi­ta­len Nachlasses küm­mern“, rät die Verbraucherzentrale NRW. Folgende Vorkehrungen dazu sind wich­tig, auch um Angehörigen unnö­ti­gen Ärger und zusätz­li­che Kosten zu ersparen:

• Alles wird ver­erbt: Nicht nur die per­sön­li­chen Güter oder das Geld auf dem Konto, son­dern auch Accounts, Abos und Verträge, die online abge­schlos­sen wur­den, gehö­ren zum per­sön­li­chen Nachlass. Ganz gleich ob ana­log oder digi­tal: Nachlassempfänger erben sämt­li­che Rechte und Pflichten. Das bedeu­tet, Verträge enden nicht bei Tod, son­dern lau­fen wei­ter: Erben müs­sen eine bestellte Kamera bezah­len, eine gebuchte Reise stor­nie­ren oder die lau­fen­den Posten für ein Spiele-​Abo im Internet übernehmen.

• Zu Lebzeiten auch bei digi­ta­len Daten vor­sor­gen: Wer den Überblick über die eige­nen Daten nicht ver­lie­ren und den Umgang mit sei­nem digi­ta­len Nachlass nach sei­nem Tod in der eige­nen Hand behal­ten möchte, sollte eine Liste erstel­len, in der alle bestehen­den Accounts mit Benutzernamen und Passwörtern auf­ge­lis­tet sind. Außerdem sollte zu Lebzeiten fest­ge­legt wer­den, wel­che Daten und Fotos im Falle des Ablebens im Netz zu til­gen sind und was mit dem per­sön­li­chen Profil in einem sozia­len Netzwerk pas­sie­ren soll. Bei Facebook etwa kön­nen User einen Nachlass-​Kontakt ein­rich­ten, der sich um den Account im Ernstfall küm­mern kann.

• Vertrauensperson instru­ie­ren: Ohne Anleitung, Überblick und Zugang ist es für Erben schwie­rig, die bestehen­den Online-​Konten eines Verstorbenen zu kün­di­gen oder des­sen per­sön­li­che Daten zu löschen. Die Liste mit Zugangsdaten und Anleitung zu den Accounts und Daten sollte an einem siche­ren Ort ver­wahrt wer­den. In einer zu Lebzeiten erstell­ten Vollmacht „über den Tod hin­aus“ kann fest­ge­legt wer­den, wer die gewünsch­ten Regelungen umset­zen soll. Diese Vollmacht sollte einer Vertrauensperson aus­ge­hän­digt wer­den. Eine Kopie der Vollmacht gehört zur Sicherheit mit in die Nachlassunterlagen.

• Spurensuche im Internet: Erben soll­ten sich rasch einen Überblick über die per­sön­li­chen Hinterlassenschaften eines Verstorbenen im Internet ver­schaf­fen. Dreh- und Angelpunkt ist das E‑Mail-​Konto. Hier lau­fen Rechnungen oder Mahnungen aus Online-​Geschäften auf. Anhand der ein­ge­gan­ge­nen Post lässt sich auch oft able­sen, wo Mitgliedschaften bestehen. Ist das Zugangswort bekannt, kön­nen über das E‑Mail-​Konto des Verstorbenen wei­tere Passwörter aus der Zugangsliste bei ande­ren Online-​Diensten zurück­ge­setzt wer­den. Wer den per­sön­li­chen Schlüssel zum „Sesam-​öffne-​dich“ jedoch nicht weiß, muss sich an den jewei­li­gen Online-​Dienstleister wen­den, um das Abwickeln der Geschäftsvorgänge und das Löschen des Nutzerkontos in Gang zu set­zen. Bislang ist jedoch noch nicht recht­lich ein­deu­tig geklärt, ob und in wel­cher Form Erben an gespei­cherte Daten von Verstorbenen bei Online-​Anbietern über­haupt ran dürfen.

• Kommerzielle Nachlassverwalter: Es gibt auch Firmen, die auf Spurensuche im Netz gehen und eine kom­mer­zi­elle Verwaltung des digi­ta­len Erbes anbie­ten. Deren Seriosität und Sicherheit kön­nen von Laien jedoch nur schwer beur­teilt wer­den. Wer einen sol­chen Dienst beauf­tra­gen möchte, sollte sich zuvor genau nach dem Leistungsumfang und den Kosten erkun­di­gen. Auf kei­nen Fall soll­ten einem Datensuchdienst Passwörter anver­traut oder Computer, Smartphone oder Tablet aus­ge­hän­digt werden.

Mit wel­chen Schritten die per­sön­li­chen Hinterlassenschaften im Internet vor­sorg­lich gere­gelt wer­den kön­nen, ist Thema des Vortrags „Digitaler Nachlass: Früh küm­mern“, den 21 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW kos­ten­frei anbie­ten. Kontakte und Termine online unter www​.ver​brau​cher​zen​trale​.nrw/​b​e​r​a​t​u​n​g​-​v​o​r​-​ort.

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