Rhein-​Kreis Neuss: NGG kri­ti­siert – Haupterwerb muss zum Leben rei­chen – Zahl der Zweitjobber auf 12.500 gestiegen

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Rhein-​Kreis Neuss – Immer mehr Zweitjobber: Rund 12.500 Menschen im Rhein-​Kreis Neuss haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob – 44 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. 

Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-​Genuss-​Gaststätten mit. Die NGG Krefeld-​Neuss beruft sich dabei auf neu­este Zahlen der Arbeitsagentur. Besonders ver­brei­tet sind Zweitjobs dem­nach im Gastgewerbe:

1.580 gering­fü­gig Beschäftigte arbei­ten in der Branche im Rhein-​Kreis Neuss – zusätz­lich zu einer sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 69 Prozent.

Manja Wiesner, Geschäftsführerin der NGG Krefeld-​Neuss, spricht von einem „alar­mie­ren­den Trend“. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem nor­ma­len Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kom­men.“ Auf den ers­ten Blick ver­zeichne der Arbeitsmarkt im Rhein-​Kreis Neuss stei­gende Beschäftigungsquoten. „Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, so Wiesner.

Mit Blick auf das Gastgewerbe kri­ti­siert die Gewerkschafterin, die Branche dürfe nicht zur blo­ßen Minijobber-​Domäne wer­den. „In Hotels, Pensionen und Restaurants brau­chen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen kön­nen auf Dauer keine Fachkräfte erset­zen.“ Schon heute seien die Klagen über feh­lende Köche und Oberkellner groß. Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG Krefeld-​Neuss auch bei der Politik. „Wenn laut Arbeitsagentur im Rhein-​Kreis Neuss mitt­ler­weile mehr als jeder zwölfte sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelau­fen“, betont Wiesner. Der gesetz­li­che Mindestlohn sei zwar ein ers­ter wich­ti­ger Schritt gewe­sen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen.

Doch mit der­zeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu nied­rig, um davon allein als Vollzeit-​Beschäftigter etwa eine bezahl­bare Wohnung in der Stadt zu finden.

Wiesner plä­diert dafür, dass aus­ge­han­delte Tarifverträge künf­tig in allen Betrieben einer Branche gel­ten sol­len – unab­hän­gig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht. „Zugleich muss sich die nächste Bundesregierung drin­gend um die Rente küm­mern. Ein Großteil der Menschen, die heute auf einen Zweitjob ange­wie­sen sind, wird im Alter mit Armutsbezügen leben müs­sen. Hier brau­chen wir eine Haltelinie nach unten“, sagt Wiesner.

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