Dormagen: Stadt darf Mücken auch in den Rheinauen bekämpfen

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Dormagen – An die Stechmückenplage im ver­gan­ge­nen Jahr kön­nen sich viele Bürger noch leid­voll erin­nern. Jetzt ergab ein Umweltgutachten: 

Die Stadt hat in Zukunft die Möglichkeit, dage­gen bio­lo­gi­sche Bekämpfungsmittel ein­zu­set­zen. „Untersucht wurde die Verwendung von BTI-​Präparaten, die in ande­ren Städten zum Beispiel am Mittelrhein bereits üblich ist“, erläu­tert Bürgermeister Erik Lierenfeld. Laut Landesumweltamt konnte beim Einsatz die­ser Mittel in den meis­ten Fällen keine Gefahr für Bienen, Fische und andere Tiere fest­ge­stellt wer­den. Auch für den Menschen ist der Wirkstoff ungiftig.

Jedoch hatte das Land eine beson­dere Verträglichkeitsuntersuchung für die Naturschutzgebiete in den Dormagener Rheinauen emp­foh­len. „Das Gutachten eines Fachbüros liegt nun vor. Danach kön­nen die BTI-​Präparate auch in die­sen Bereichen ein­ge­setzt wer­den, wenn wir sie nicht groß­flä­chig ver­sprü­hen, son­dern von Hand gezielt in Mücken-​Fortplan­zungsstätten aus­brin­gen“, so Lierenfeld.

Die Abkürzung BTI steht für „Bacillus thu­rin­gi­en­sis israe­len­sis“. Dieser Wirkstoff basiert auf inak­ti­vier­ten Bazillen, die für Mückenlarven töd­lich sind. Das Mittel wird im Regelfall in ste­hen­den Gewässern aus­ge­bracht, wo die Mücken brü­ten. Jeder Bürger kann es auch in sei­nem Garten ver­wen­den; die Produkte sind im Handel frei erhält­lich. In sei­ner Stellungnahme an die Stadt Dormagen hatte das Landesumweltamt jedoch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass mit den Mückenlarven ande­ren Tieren wie etwa brü­ten­den Vögeln ein Teil ihrer Nahrungsgrundlage ent­zo­gen wird.

Das wer­den wir berück­sich­ti­gen und vor allem in Naturschutzgebieten sehr sen­si­bel damit umge­hen“, sagt Lierenfeld. Er macht deut­lich: „Das heißt auch, dass wir diese Mittel nur ver­wen­den, wenn sich die Mücken weit über das nor­male Maß hin­aus ver­mehrt haben und tat­säch­lich mehr Bürger als sonst unter Stichen lei­den. Im Augenblick ist der Bedarf dafür nicht vorhanden.“

Nach dem Vorliegen der Untersuchung wer­den das städ­ti­sche Ordnungsamt und das Umweltteam nun gemein­sam ein Einsatzkonzept ent­wi­ckeln. „Sobald wir einen Überblick haben, in wel­chem Umfang wir die Präparate benö­ti­gen und wel­che Gewässer dafür in Frage kom­men, kön­nen wir auch mehr zu den Kosten der bio­lo­gi­schen Bekämpfung sagen“, erklärt der zustän­dige Erste Beigeordnete Robert Krumbein. Die finan­zi­elle Seite sei künf­tig bei mög­li­chen Einsätzen eben­falls zu berücksichtigen.

Wie in ande­ren Städten weist die Verwaltung dar­auf hin, dass sich durch sol­che Maßnahmen eine Mückenplage nie ganz ver­hin­dern, son­dern nur ver­min­dern lässt. „Die Bürger kön­nen dazu selbst genauso viel bei­tra­gen, indem sie zum Beispiel Regentonnen in ihrem Garten abde­cken und keine vol­len Gießkannen oder Wassereimer her­um­ste­hen las­sen“, rät Krumbein. Auch sol­che Kleinstgewässer seien näm­lich ideale Brutstätten. Und: „Die Mücken, die im eige­nen Garten auf­wach­sen, wer­den einen auch am ehes­ten stechen.“

Im ver­gan­ge­nen Sommer waren vor allem die Stadtteile Zons und Rheinfeld von einer Insekteninvasion betrof­fen. Über Wochen hin­weg wur­den die Bürger hier gepie­sackt. Nach zahl­rei­chen Klagen aus der Bevölkerung hatte die Verwaltung reagiert und sich an das Landesumweltamt gewandt. Für das Verträglichkeitsgutachten brachte die Stadt rund 5000 Euro auf. 

(42 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)