Neuss: Ehemaliger Pressesprecher der Malteser – Verdacht auf sexuelle Nötigung – Vertuschung

Neuss – Das Schweigen nicht in jedem Fall auch „Gold“ ist, hat die katholische Kirche in der Vergangenheit schmerzhaft erfahren müssen. Nun werden aus den Reihen der Malteser im Erzbistum Köln, Stadtgliederung Neuss, gravierende Vorkommnisse bekannt.

Der Redaktion von Klartext-NE.de wurde ein Dokumente (Gesprächsprotokoll) aus dem Jahr 2015 übermittelt und dieses verfügt über brisante Inhalte. Von sexueller Nötigung Minderjähriger und möglicher Vertuschung durch Dritte wird berichtet.

Ausführliche Recherchen und Gespräche mit mehreren glaubwürdigen Personen bestätigten, unabhängig voneinander, die Echtheit des Schreibens und dessen Inhalte.

Unter der Bezeichnung „.. Stadtgliederung Neuss, Auswirkungen auf Zusammenarbeit in der Diözsanleitung ..“ fand ein Treffen (August 2015) mit mehreren Personen statt. Darunter der Bundespräventionsbeauftragte sowie der Stadtbeauftragter und weitere Neusser Malteser. Letztere berichteten, dass es ab dem Jahr 2010 zu unangemessenen Vorkommnissen gekommen sei.

Für eine private Feier seines Schützenzuges, zum Bürgerschützenfest 2010, soll der damalige Pressesprecher der Malteser, Frank M., weibliche Jugendliche angefordert haben „um zu kellnern“. Hier steht der Vorwurf einer Vermischung von privaten und dienstlichen Belangen sowie möglichen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht im Raum. Auch soll das Alter der Mädchen für diese Veranstaltung nicht geeignet gewesen sein.

Im gleichen Jahr folgten weitere, unangemessene Begebenheiten. Mit seinen sexistischen/ rassistischen Äußerungen soll er „Unbehagen“ bei der weiblichen Jugend hervorgerufen haben.

Foto: Facebook

Schwerwiegend ist der Vorwurf, dass Frank M., vor Zeugen, einer Minderjährigen an die Brust, sinngemäßen mit den Worten „Du bist aber für dein Alter gut entwickelt„, gefasst haben soll. Das Protokoll beschreibt das Alter des betroffenen Mädchens mit 16 Jahren. Mehrere Zeugen haben hingegen übereinstimmend bestätigt, dass es sich jedoch um eine 12-Jährige Helferin gehandelt haben soll.

Auch berichteten interne Kreise der Malteser von „ungewollten körperlichen Berührungen“ von Herrn M., der auf seine inakzeptable Handlungsweise mehrfach hingewiesen worden sein soll.

Im Jahr 2011 soll Frank M., in der Wache Neuss-Nord, sich erneut unangemessen in der Wortwahl gegenüber Jugendlichen verhalten haben. Berichte über seine Thailand Urlaube und Viagra wurden, von erwachsenen Zeugen, als nicht altersgerecht und unpassend bemängelt.

Der seinerzeitige Stadtbeauftragter der Malteser in Neuss, Sebastian R., soll, lt. Protokoll und mehreren übereinstimmenden Zeugenaussagen, über die Vorgänge unterrichtet gewesen sein. Aus bisher unbekannten Gründen verfolgte er diese nicht. Im Jahr 2013 trat Sebastian R. von seinen Ämtern zurück.

Diese Vorgänge zogen immer weitere Kreise. In dem erwähnten Gesprächsprotokoll werden weitere Verfehlungen des Frank M. aufgeführt. Zum Jahresbeginn 2013 erfolgte offenbar ein Austausch von Schlösser in der Neusser Dienststelle. Möglicherweise geschah dies, um Frank M. den weiteren Zutritt zu verwehren.

In der Hierarchie der Malteser im Erzbistum Köln schlugen diese Vorkommnisse hohe Wellen. Der Informationsfluss erfolgte angeblich bis zum Diözesanleiter Albrecht Prinz von Croÿ. Selbiger blieb offenbar ebenso untätig wie der seinerzeit neue Stadtbeauftragter in Neuss Andreas Degelmann. Weitere, nach außen erkennbare, Konsequenzen blieben scheinbar aus und Herr Degelmann begründete dies mit „Opferschutz“.

Statt einer rechtlich (und menschlich) korrekten Handlungsweise, eine Strafanzeige wegen sexueller Nötigung von Schutzbefohlenen, verblieben diese Vorgänge scheinbar in den internen Unterlagen. Die Mitgliedschaft von Frank M., bei den Malteser im Erzbistum Köln, wurde zum 31.12.2015 beendet.

Zu dieser Thematik gab es bereits in 2013 Berichte in der Lokalpresse (Beschwerden bei den Neusser Maltesern). Sätze wie: „Situation in Neuss nach Helferbeschwerden„, „.. weil es Unstimmigkeiten in der Gliederung Neuss gibt ..“ und „.. eine Fülle von Beschwerdebriefen aus den vergangenen zwei Jahren ..“ erhalten aus heutiger Sicht eine andere Bedeutung.

Nach vorliegenden Informationen gibt es polizeiliche Ermittlungen.

Nachtrag

Es sollte, auch nicht im Zuge einer ggf. berechtigten Empörung über das mögliche Fehlverhalten einiger weniger Personen, die Gemeinschaft der Malteser verunglimpft werden. Ein überwältigend großer Teil der Helfer leisten eine mehr als hervorragende Arbeit. Der Dienst zum Wohle und zur Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen darf nicht überschattet werden. Unterstützen Sie bitte die Helfer, damit diese auch weiterhin helfen können.

Robert Schilken – Herausgeber Klartext-NE.de

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6 Kommentare

  1. Das sind erhebliche Anschuldigungen die gegen Herrn M. erhoben werden. Aber gerade deshalb bedürfen sie einer lückenlosen und glasklaren Aufklärung. Wenn das über Jahre solche Kreise zieht, dann ist meiner Meinung nach schon davon auszugehen, dass es sich um mehr handelt als um ein paar „flapsige“ Bemerkungen die man mit einem klärenden Gespräch aus der Welt schaffen könnte. Betroffene sollten sich melden und erneut berichten, was vorgefallen ist und man sollte gleichfalls ihm die Möglichkeit geben, sich zu äußern. Auf gar keinen Fall dürfen solche Vorkommnisse unter den Tisch gekehrt werden, als Lappalie abgetan oder noch schlimmer, zum Nachteil der Malteser ausgelegt werden.
    Herr M. der in seiner beruflichen Laufbahn nicht immer zimperlich war, wenn es um Berichterstattung und Sensationen ging, wird sicher jetzt einmal nachvollziehen, wie es Menschen ging, die sich von seiner Art der Recherche bedrängt und belästigt fühlten, das war leider oft genug der Fall. Nichtsdestotrotz hat er wie jeder andere auch den Anspruch auf eine sachgemäße Klärung der Angelegenheit, die zügig erfolgen sollte. Weiteres Vertuschen und mauscheln wirft nur ein schlechtes Licht auf ihn und alle daran beteiligten. Von dem Gefühl welches da womöglich in den betroffenen Kindern / Jugendlichen ausgelöst wird, mal ganz abgesehen.

  2. Ein „christlicher Kreuzritter im Kampf um Sitte und Moral“, tatsächlich ein widerlicher Kinderschänder? Dazu wird und wurde er wohl gedeckt von jemanden, der sich einst selbst zum Bürgermeisterkandidaten ausrief und sein Ziel immer noch der Posten von Herrn Breuer ist. Weiterhin handelt es sich bei dem erwähnten Schützenzug um jenen, bei dem auch der von den Neussern jüngst zum Landtagsabgeordneten gewählten, Mitglied ist. Zufall? Der Begriff Neusser Klüngel wurde insbesondere von der Neusser Konservativpartei in den letzten Jahrzehnten geprägt. Also: kein Zufall!

  3. Sehr geehrter Herr Schilken,

    Sie entnehmen Ihre Vorwürfe einem Protokoll unseres Präventionsbeauftragten, das Ihnen und anderen Medien in Neuss zugespielt wurde. Wir wissen nicht, wer dieses Protokoll zu instrumentalisieren versucht. Haben Sie sich nicht gefragt, welche Intention hinter diesem Zuspiel liegen könnte? Aus dem Protokoll können Sie entnehmen, dass es Untersuchungen der Malteser zum Vorwurf sexueller Belästigungen in den Jahren 2010 und 2011 gab. Diese sind abgeschlossen. Die Untersuchungen wurden unter Leitung des Malteser Präventionsbeauftragten durchgeführt. Eine eindeutig strafrechtliche Dimension haben die Vorfälle nicht erreicht. Das hatte Ihnen gestern auch unser Stadtbeauftragter in der Stadt Neuss persönlich mitgeteilt. Um Persönlichkeitsrechte zu schützen, kommentieren wir Ihre Vorwürfe daher nicht weiter. Der damals beschuldigte Ehrenamtliche ist kein Mitglied des Vereins mehr.

    Mit freundlichen Grüßen

    Kai Vogelmann
    Pressesprecher
    Malteser Hilfsdienst e.V. in NRW

    • Sehr geehrter Herr Vogelmann, nach, so glaube ich, sorgfältiger Recherchearbeit und vielen Gesprächen zu dieser Thematik gehe ich davon aus, die mir überlassenen Unterlagen entsprechen der Wahrheit. Dementsprechend habe ich, sachlich und faktenbasierend, berichtet. Die Beurteilung in wie weit die Begebenheiten einen strafrechtlichen Charakter aufweisen überlasse ich der Polizei/ Staatsanwaltschaft.

      Mit freundlichen Grüßen
      Robert Schilken

    • Ob die Vorkommnisse eine „eindeutig strafrechtliche Dimension“ erreichten, entscheiden also der Stadtbeauftragte der Stadt Neuss oder der Malteser Präventionsbeauftragte? Das entscheidet soweit ich Kenntnis habe immer noch die Staatsanwaltschaft, die offensichtlich nicht eingeschaltet wurde. Bei der Dimension der Vorwürfe mehr als fragliches Vorgehen. Um Schaden von den Maltesern abzuwenden, sollte dies zügig nachgeholt werden.

  4. Wie ein Herr Möll mit derartigen Vorwürfen umgehen würde, so sie sich denn als zutreffend erweisen sollten, ist in etwa auf fb zum Thema „Pimmelgate“ nachzulesen. Dort postet der Stadt-Kurier gegen 00:22 bzw. 00:51 folgendes:
    „Unprofessioneller Umgang der Lehrer mit der Angelegenheit. Man hätte das Thema im Gottesdienst einbringen können und zum Beispiel folgendes Gebet erarbeiten können:
    Himmlischer Vater, ich komme zu dir in wahrer Zerbrochenheit und Buße darüber, dass ich dem sexuellen Reich dieser Welt und Satan die Tore geöffnet habe und dass ich zugelassen habe, dass ein böser Geist meinen Willen kontrolliert und damit mein sexuelles Verlangen. Vater, ich bitte dich um Vergebung. […]
    Stadt Kurier der Boykott eines Gottesdienstes ist falsch. Gerade jetzt werden Seelsorger gebraucht. Frank Möll, Redaktion“ (Ende des Zitats)
    Zu Deutsch: „Herr vergib, was kann ich dafür, dass mich die jungen Dinger so geil machen.“
    Mich wundert angesichts der Langjährigkeit und Offenheit mit der über Herrn Mölls Verhalten insb. ggü. sehr jungen Damen gesprochen wird, dass sich da bislang noch niemand drum gekümmert hat. Da wird aus meiner Sicht auch ein gewisses Maß parteipolitischer Deckung hinter stecken.

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