Neuss: Stolpersteine erin­nern an Nazi-​Opfer

Neuss – Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat ges­tern in Neuss wei­tere „Stolpersteine“ ver­legt. Darunter war auch der letzte von fünf Steinen, die die Neusser SPD gestif­tet hat.

Mit den klei­nen Gedenktafeln aus Messing soll die Erinnerung an Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewaltherrschaft wach gehal­ten wer­den. Verlegt wer­den die Steine auf dem Gehweg vor Häusern, in denen Verfolgte des drit­ten Reichs wohn­ten.

Foto: SPD

Die Stolpersteine zei­gen ein­drucks­voll: Die Opfer der Hitler-​Diktatur waren ganz nor­male Nachbarn“, sagt der SPD-​Fraktionsvorsitzende Arno Jansen. Deshalb sei dies ein guter Weg, an das dun­kelste Kapitel deut­scher Geschichte zu erin­nern. In Neuss gibt es nun 81 Stolpersteine an 34 Standorten. Die Stolpersteine ent­hal­ten ledig­lich die knap­pen Hinweise auf Namen, Geburtsjahr, Todesjahr und -ort und sol­len damit die Passanten gedank­lich über ein mensch­li­ches Schicksal in ihrer Stadt „stol­pern“ las­sen.

Wir müs­sen die Erinnerung wach hal­ten. So etwas darf in Deutschland nie wie­der pas­sie­ren“, sagt Jansen. Daher hat die SPD fünf Stolpersteine in Neuss gestif­tet. Die ers­ten vier wur­den bereits im Februar ver­legt. Heute wurde unter ande­rem der jüdi­sche Viehhändler Karl Frohwein geehrt. Frohwein wurde 1885 in Grimlinghausen gebo­ren. Seit 1932 lebte er im Haus an der Mühlenstraße 62. Frohwein über­lebte das KZ und starb 1961 in Neuss. Seinen Stein hat die SPD Neuss gestif­tet.

Die fünf von der SPD gestif­te­ten Stolpersteine

Weißenberger Weg 81: für Josef Giebels (1909–1996)

Giebels war SAP-​Mitglied und im Widerstand aktiv. Er wurde 1935 ver­haf­tet und wegen „Hochverrats“ zu einer Zuchthausstrafe ver­ur­teilt. Erneut ver­haf­tet, musste er seit 1942 im Strafbataillon 999 die­nen. 1945 wurde er aus dem Konzentrationslager Amstetten befreit.

Büchel 31: für Adolf Cohen (1871 – ver­mut­lich 1942)

Adolf Cohen betrieb in Neuss seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein Warenhaus und war Mitglied im Vorstand der jüdi­schen Gemeinde. 1942 wurde er in ein Judenhaus in Düsseldorf ein­ge­wie­sen. Von dort wurde Adolf Cohen 1942 nach Theresienstadt depor­tiert und im Vernichtungslager Treblinka ermor­det.

Brandgasse 8: für Hermann Düllgen (1899–1944)

Düllgen war KPD-​Mitglied und im Widerstand aktiv. Mehrfach ver­haf­tet, wurde er 1936 wegen „Hochverrats“ ver­ur­teilt. Da er auch im Zuchthaus den Widerstand fort­setzte, wurde er zum Tode ver­ur­teilt und am 27. Oktober 1944 in Frankfurt-​Preungesheim hin­ge­rich­tet.

Rheinuferstraße 94: für Johanna Frankenberg (1869 – ver­mut­lich 1942)

Johanna Frankenberg, geb. Levy, war die Witwe des 1929 ver­stor­be­nen jüdi­schen Viehhändlers und Metzgers Siegmund Frankenberg. Sie wurde 1942 nach Theresienstadt depor­tiert und im Vernichtungslager Treblinka ermor­det.

Mühlenstraße 62: für Karl Frohwein (1885 – 1961)

Der jüdi­sche Viehhändler Karl Frohwein, gebo­ren 1885 in Grimlinghausen, lebte seit 1932 im Haus Mühlenstraße 62. Wohl wegen sei­ner Ehe mit einer „Arierin“ ent­ging er den Deportationen aus Neuss und zog 1942 gemein­sam mit sei­ner Frau in ein „Judenhaus“ in Düsseldorf. Von dort wurde er (ver­mut­lich im November) 1944 nach Theresienstadt depor­tiert. Er über­lebte das KZ und kehrte 1945 nach Neuss zurück, ebenso seine Frau. Karl Frohwein starb 1961 in Neuss.

Übersicht über die Neusser Stolpersteine

Eine Übersicht über alle Neusser Stolpersteine gibt es auf der Website des Stadtarchivs (http://​www​.stadt​ar​chiv​-neuss​.de/​p​r​e​u​s​s​i​s​c​h​e​-​z​e​i​t​-​1​8​1​4​1​5​-​b​i​s​-​1​9​4​5​.​h​tml)

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